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Ultimatives Ziel des Journalismus ist Demontage

In der WELTWOCHE steht regelmäßig eine Kolumne über Medien. Das heißt, die Journalisten des Blattes berichten über Journalisten und die Konkurrenz. In der Ausgabe 37/2011 schrieb Kurt W. Zimmermann dort folgenden interessanten Satz: Die wichtigste Triebfeder des Journalismus ist die Demontage. Das ultimative Ziel eines ambitionierten Journalisten ist die Zerstörung einer Karriere.

In der Schweiz gibt es eine Mediendatenbank, in der seit den achtziger Jahren sämtliche Artikel aller Zeitungen im Volltext gespeichert sind. Zimmermann recherchierte, daß seit Anfang 1981 in der Schweizer Presse 79.036 Artikel über den Politiker Christoph Blocher von der Schweizerischen Volkspartei erschienen sind. Das ist viel, viel mehr als über jeden anderen Schweizer Politiker. Und über Jesus Christus erschienen im gleichen Zeitraum 2.285 Artikel. Vermutlich waren 90% der Artikel über den populären Unternehmer und konservativen SVP-Politiker Blocher negativ. Zimmermann fährt fort:

Es handelt sich also um eine Blocher-Neurose, eine Art krankhafter Fixierung. Sie kann leicht erklärt werden, weil es dabei um das Herz des Journalismus geht. Es gibt einige Triebfedern für Journalismus, aber die wichtigste Triebfeder ist immer dieselbe geblieben. Die wichtigste Triebfeder des Journalismus ist die Demontage.

Das ultimative Ziel eines ambitionierten Journalisten ist die Zerstörung einer Karriere. Natürlich werden die Journalisten das öffentlich nie zugeben. Im privaten Gespräch aber sind sie sich einig. Die erfolgreiche Demontage ist die einzig wahre journalistische Trophäe. Es spielt keine Rolle ob es sich um un­gerechtfertigte Abschüsse handelt…

Ja, genauso ist es, man denke in Deutschland nur an den SPIEGEL. Dieses Skandal-Journal hat einzig das Ziel, irgendwelche politischen Gegner abzuschießen. Zimmermann schreibt weiter:

Damit sind wir zurück bei Blocher. Er wurde Tausende Male in die Verdammnis geschrieben… Nach allen Regeln der Schreibzunft war der Mann x-fach erledigt und tot. Das Unverzeihliche ist, dass Blocher politisch noch lebt. Es ist unverzeihlich, weil es die ganz grosse Ausnahme ist… Es gibt nur zwei Politiker auf der ganzen Welt, die dauernd totgeschrieben wurden und weiter am Leben sind. Der andere ist Silvio Berlusconi.

Stimmt haarscharf. Auch deutsche Blätter möchten seit Jahren in grotesker Selbstüberschätzung Berlusconi ans Leder. Und was Blocher angeht, in der Schweiz sind demnächst Wahlen, die SVP liegt in Umfragen bei 28%, also mindestens so gut wie das letzte Mal.