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3sat bedient Klischees und verharmlost Hamas

Mosab Hassan Yussef mit Israelkongress-Moderatorin Melody SucharewiczWenn man in den Qualitätsmedien nicht wirklich etwas Belastendes in Sachen Israel findet, so wird jemand wie der Ex-Terrorist, Sohn des Ex-Hamas-Chefs und heutige Christ Mosab Hassan Yussef (hier mit Israelkongress-Moderatorin Melody Sucharewicz) ins Zwielicht gerückt. So geschehen als Nachbericht zum Israelkongress bei „3sat kulturzeit“ – in einer abwertenden Art und Weise, der hier eindeutig widersprochen werden muss.

In dem Beitrag der 3sat-Redakteurin Hanna Friedrich heißt es unter anderem über Mosab Hassan Yousef (Hervorhebungen durch PI):

[…] Mosab Hassan Yousef ist ein gefragter Mann auf dem größten Pro-Israel Treffen in Europa. Er gehörte zum Kern der palästinensischen Organisation Hamas, wechselte später die Fronten und tritt nun als Buchautor und Propaganda-Stimme Israels auf – ein Verräter, ein ehemaliger Terrorist als Fürsprecher des Erzfeindes? „Ich kann jedem Palästinenser, jedem Araber versichern: Israel ist nicht euer Feind“, sagt Yousef. „Palästinenser haben viel gefährlichere Feinde in ihren eigenen Reihen. Sie haben wirklich ernsthafte Probleme, aber die sehen sie nicht. Fragen der Ehre, Schande, Schuld, Angst – das sind Kräfte, die in ihrer eigenen Gesellschaft bekämpft werden müssen.“

Yousef, auch der „grüne Prinz“ genannt, ist für eine satte Prämie zum Kongress nach Frankfurt am Main eingeflogen worden. Hat man hier keine Skrupel, auf die Dienste eines Fürsprechers mit terroristischem Hintergrund zurückzugreifen? Ist das der Weg zum Frieden? Mehr als 3000 Freunde Israels kamen. Der Kongress, veranstaltet vom Verein „I like Israel“, wendet sich gegen Israel-Bashing. Hat Israel ein Imageproblem? „Israel hat ein Image-Problem“, sagt Danny Ayalon, Vize-Außenminister von Israel. „Es ist jetzt wirklich wichtig, der Welt zu zeigen, für was Israel steht. Wir sind ein demokratisches Land, bei uns regiert das Gesetz. Wir sind sehr innovativ, technisch hochentwickelt und wir haben viel Kultur. Wir müssen Israel jenseits des Palästinenser-Konflikts sehen. Um diesen Konflikt zu lösen, brauchen wir die Palästinenser.“

Ausgerechnet ein ehemaliger Hamas-Terrorist, der für den israelischen Staat spionierte, soll Abhilfe schaffen? Der Vize-Außenminister ist in Erklärungsnot. „Nein, er ist kein Vertreter Israels“, sagt Ayalon. „Er ist vom Kongress eingeladen worden. Aber er ist ein Mann, der die Hamas genau kennt – wie sie die Leute manipulieren, wie sie Menschen in den Tod schicken, wie sie Kinder und Frauen und Unschuldige töten lassen. Ich denke, es ist wichtig, dass die Welt weiß, warum die Hamas sich ändern muss.“

Einer der Schirmherren des Kongresses ist der israelische Botschafter in Deutschland, Yoram Ben-Zeev. Er hält Yousef für glaubwürdig, will aber lieber nicht über das Thema und israelische Geheimdienstaktionen sprechen. „Ich möchte heute nicht über Terrorismus sprechen“, sagt er in Frankfurt. „Ich will nicht über Hass reden. Ich will nicht über Feinde reden. Ich will darüber reden, wie wir Frieden in diese Region bringen.“ Dabei ist Spionage und der Deal mit der Hamas um den israelischen Soldaten Gilad Shalit ein großes Thema auf dem Kongress. Der 25-jährige Shalit ist gerade im Austausch mit palästinensischen Gefangenen freigekommen. Auch Yousef hat als israelischer Agent Landsleute und seinen eigenen Vater verraten.

„Ich bin kein Verräter“, sagt Yousef. „Ich habe mich als Agent geoutet, um meine Familie, meinen Vater, mein Volk bloßzustellen, aber auch zum Denken zu bewegen. Deswegen wollte ich sie bewusst in eine unangenehme Lage bringen, sie aus ihrer Lethargie befreien. Das war die einzige Art, sie herauszufordern.“ Verrat für die vermeintlich gute Sache? Wir treffen den renommierten israelischen Journalisten Yossi Melman, der Yousefs Geschichte gut kennt. Für ihn ist er eine zweifelhafte Figur. „Die Geschichte von Yousef ist kompliziert“, sagt Melman. „Er ist der Sohn eines der wichtigsten Hamas-Führer und entscheidet sich plötzlich, seinen Vater und sein Volk zu verraten, um für den israelischen Geheimdienst zu arbeiten. Er war ein Agent des Geheimdienstes und ist später zum Christentum konvertiert. Wenn Sie mich fragen: Er ist wirklich eine arme Seele.“ (Anm. von PI: 3sat übersetzt Melmans Worte „what a life he has“ mit „Er ist wirklich eine arme Seele“)

Mosab Hassan Yousef kümmert das wenig. Er ist inzwischen zum Christentum übergetreten und zieht als Missionar öffentlich gegen den Islam zu Felde. „Der Prophet Mohammed ist für mich der Führer aller Terroristen“, sagt er. „Er war doch selbst ein Terrorist und hat Menschen getötet. Das ist das wahre Gesicht von Mohammed. Heute haben die Muslime eine ganz andere Vorstellung von Mohammed. Der moderne Mohammed, der in ihren Köpfen ist, ist ein ganz anderer Mohammed als vor 1400 Jahren. Die islamische Welt ist von der Religion beherrscht. Muslime heute leben und denken noch wie im Mittelalter. Es ist wie damals, als Christen noch unter der Macht religiöser Führer lebten.“

Ein weiteres Thema auf dem deutschen Israelkongress ist die Frage, ab wann die Kritik an Israel Antisemitismus ist. Und die Frage: Welche Gefahr geht vom Iran aus? Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, kritisiert die deutschen Handelsbeziehungen zum Iran und er verurteilt die Terrororganisation Hamas. Das Image von Israel aufzupolieren, war das Anliegen des deutschen Israelkongresses. Ob das mithilfe eines teuer bezahlten ehemaligen Hamas-Mitgliedes gelungen ist, ist zweifelhaft.

 
Es stellt sich die Frage, ob speziell 3sat-Journalisten kostenlos arbeiten? Es ist völlig selbstverständlich, dass Referenten aus Übersee (Mosab lebt in den USA) zu Kongressen für Reise und Vortrag ein angemessenes Honorar bekommen, nur beim Ex-Muslim und Ex-Hamas-Mitglied wird plötzlich das Honorar kriminalisiert. Ein Honorar hätten vergleichbar wohl auch Bonhoeffer, die Geschwister Scholl oder Stauffenberg erhalten – würden sie heute noch leben!

Hier dient ein Scheinargument dazu, die Glaubwürdigkeit von Mosab per se in Frage zu stellen, der – unter enormem Drohungen aus der gesamten arabischen Welt – sich für Israel (für die Juden) einsetzt. Solche journalistischen Verdrehungen sind mit normalem Menschenverstand kaum nachzuvollziehen. Diese Reporter kennen weder die arabische Welt, noch den Nahostkonflikt, noch die Bedingungen der Hamas, sonst würden sie niemals so leichtfertig etwas „Kritisches“ (Weltfremdes) senden – und das auch noch als seriösen Journalismus verkaufen. Heisst es nicht bei der Hamas deutlich: „Erst die Juden, dann die Christen…” Steht nicht in der Hamas-Charta „Um der Eroberung Palästinas durch die Juden entgegenzutreten, gibt es keine andere Lösung, als das Banner des Djihad zu erheben“? Reichen die Fakten nicht, die Mosab Yussef zur Hamas vorgetragen hat?

Was die 3sat-Redakteurin Hanna Friedrich hier sagt, ist nichts anderes – zumal unter diesen ernsten Voraussetzungen – als die alberne Behauptung, die Juden – pardon: die Israelis – würden dafür bezahlen, dass sie Freunde und Fürsprecher haben. Das gehört zur typischen Kategorie von Sekundär-Antisemitismus.

Passend hierzu die Kurzform von Nathan Sharanskis „3D-Test zum Antisemitismus“: Woran lässt sich Antisemitismus erkennen? Wenn er beispielsweise als Antizionismus oder als vorgebliche Kritik an Israel daher kommt. An welcher Stelle ist Israelkritik auch tatsächlich legitim – und nicht ein antisemitisches Deckmäntelchen? Die Parameter des 3D-Tests helfen dabei, ein antisemitisches Weltbild aufzudecken:

1. Dämonisierung: z.B. Israel wird mit Nazi-Deutschland verglichen, Juden werden monströse Verbrechen und mörderische Absichten unterschoben, Israelische Soldaten werden mit SS oder Gestapo verglichen, Juden werden internationale Komplotte oder die Absicht zur Weltherrschaft unterstellt.
2. Delegitimierung: Juden werden elementare Rechte nicht zuerkannt, z.B. Notwehr, Rückgabe von Raubgut, Entschädigung für an ihnen verübte Verbrechen, Anspruch auf selbst erarbeitete Güter, Anspruch auf Unversehrtheit der Person, Infragestellung des Existenzrechts Israels durch Aberkennung des Rechts auf Selbstverteidigung.
3. Doppelter Standard: für Juden und für Israel gelten Maßstäbe, die sonst für niemanden gelten, weder für Nicht-Juden noch für alle anderen Staaten.

Einen Rückblick in die deutsche Geschichte zum jüdischen „Finanzkapital“ (beliebtes Argument bei den Nazis) und die mittelalterliche Gleichsetzung von „Geld“ und „Juden“ können wir uns an dieser Stelle sparen.

Bleibt zu hoffen, dass der Zuschauer sich selbst ein Bild gemacht hat. Der Normalbürger kann die Dinge zumeist besser beurteilen, als die politisch korrekte, anti-israelische Inszenierung der Qualitätsmedien.

Kontakt:

» 3sat-Kulturzeit-Redaktion: kulturzeit@3sat.de
» Hannah Friedrich: friedrich.ha@zdf.de