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Die Vergangenheit ist das, was zählt

Israel YaozAuf Einladung der Initiative „Stolpersteine Landau“ hielt der Holocaust-Überlebende Israel Yaoz (Foto) am 18. Dezember ein 90-minütiges Matinee in der Pfalz. Er berichtete über seine Erlebnisse im KZ Bergen-Belsen, über sein schicksalhaftes Überleben, während seine restliche Familie getötet wurde, über seine Jugend in Amsterdam und schließlich über die Auswanderung nach Israel. Seit 50 Jahren ist er dort als Fremdenführer tätig, meist für Reisegruppen aus Deutschland. Doch er ist frei von Hass auf die Reisenden aus Deutschland. Er nimmt seine Kraft aus der Bibel und dem Talmund, in denen „Vergebung“ gepredigt wird.

(Von Beschwichtiger)

Er beschreibt, wie wichtig es für Isreal war, starke Bündnispartner wie Deutschland zu haben. Schon damals erkannten die umliegenden arabischen Staaten Israels Existenzrecht nicht an. Bis heute habe sich das nicht geändert.

Er spricht über die „Dämonisierung Israels“, das seit Jahrtausenden Verleumdungen und Verfolgungen ausgesetzt ist, über die heutige Situation in Israel. Aber das wollte die Organisatorin der Veranstaltung, die Kunsthistorikerin Sigrid Weyers, nicht hören. Sie forderte ihn mehrfach auf, lieber über die Verfolgung der Juden in Nazi-Deutschland zu erzählen. Sie wolle keine Erörterung über das heutige Israel, weil „fundierte Informationen“ fehlen und weil die Zeit zu knapp sei. Ein weiterer Redner, Dieter Thoms, entschuldigte sich daraufhin für die Vorrednerin, dass dem Gast etwas übergestülpt wurde und sein Thema abgebrochen werde. Aus Protest auf Weyers Antwort verließen mehrere Zuhörer die Matinee, die wenig später endete.

Es ist eben viel angenehmer, über Katastrophen in der Vergangenheit zu parlieren, die man nicht mehr beeinflussen kann. Danach kann man beruhigt nach Hause gehen, im Wissen, dass alles Geschichte ist und man mit dem Thema abschließen kann. Das Ansprechen der Völkermordsfantasien der arabischen Welt gegen Israel würde beim Zuhörer ein ungutes Gefühl hervorrufen. Er müsste sich dann Gedanken über Gegenwart und Zukunft machen. Das wollte Frau Weyers den anwesenden Gästen nicht zumuten. Es ist allein schon deshalb angenehmer, weil eine Diskussion über die heutige Situation Israels ein unkalkulierbares Risiko darstellt, den Kopf abgeschlagen zu bekommen. Ist es nicht schön, dass wir heute in einer Welt leben, in der man außenpolitische Gefahrenpotentiale löst, indem man sie einfach ignoriert?

Hier der Artikel der Tageszeitung Rheinpfalz vom 19. Dezember zur Veranstaltung mit Israel Yaoz (darin auf der rechten Seite ein sehr guter Kommentar von Sabine Schilling über die Zensur von Sigrid Weyers):

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Und hier ein weiterer Rheinpfalz-Bericht vom selben Tag über die Initiative Stolpersteine Landau.

Kontakt:

Haus am Westbahnhof
Ansprechpartnerin: Sigrid Weyers (Foto l.)
Fichtenstraße 41a
76829 Landau
Tel: 06341-86436
Fax: 06341-20892
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