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Von der Gnade der frühen Geburt

Symbol des Wirtschaftswunders: Am 5. August 1955 lief im Wolfsburger Volkswagenwerk der millionste VW-Käfer vom Band [1]Wenn ich mir einmal die letzten 60 Jahre Deutschlands betrachte, kann ich nur dankbar sein, dass mich meine Mutter im Jahre 1952 in der Bundesrepublik Deutschland geboren hat. Obwohl im Jahre 1952 Deutschland noch unter den Folgen des Krieges zu leiden hatte, gab es doch, was es heute kaum noch gibt – Hoffnung und Zuversicht. Die politische Richtung war klar und eindeutig: Nach oben und zu mehr Wohlstand für alle. Die Politiker verstanden sich noch als Teil des Volkes, was man auch an den Gehältern ablesen konnte, deren Höhen nicht gar zu weit entfernt waren von den Löhnen der Arbeiterschaft. Natürlich hat man auch damals gemeckert und einige haben die Schuld für das eigene Versagen bei anderen gesucht. Das wird aber immer so sein.

(Von Hans-Dieter Felix Henninger)

Diese Hoffnung und Zuversicht setzte sich noch viele Jahre fort, Jahre der Vollbeschäftigung, der Rentensteigerungen und der permanenten Erhöhung des persönlichen Wohlstandes. Natürlich war es auch ein Plus für die Entwicklung der Wirtschaft, dass bis 1955 keine Ausgaben für eigenes Militär fällig waren und sich die USA mit finanziellen Forderungen für ihre Militärpräsenz zurückgehalten haben. Auch war es wohl ein Glück, dass es den Marshallplan und nicht den Morgentauplan gegeben hat, obwohl der Morgentauplan kaum politisch durchsetzbar gewesen wäre, da ja viele US-Bürger Verwandte in Deutschland hatten und wohl kaum einen Präsidenten oder eine Partei gewählt hätten, die diese Verwandten ohne Not umbrachten. Jetzt wird es zwar viele unterschiedliche Meinungen zu diesen Ausführungen geben, weil wohl jeder die Geschichte etwas anders sieht, aber das ist nicht der Sinn dieses Beitrages.

Es geht vielmehr um die Änderungen nach den 70ern, die sich zwar 1968 schon angekündigt hatten, was aber niemand wahrhaben wollte. Amerikaner hatten dem deutschen Volk eingebläut: „Demokratie gut, Diktatur schlecht“. Da auch damals schon die überwiegende Bevölkerung unpolitisch war, wurde der Gedanke von einigen wenigen aufgegriffen, die die Demokratie weidlich nutzten, um ihre Vorstellungen von einer Gesellschaft durchzubringen. Diese Wenige waren unwesentlich älter als ich und wurden später als 68er bezeichnet. Als 16-Jähriger und auch danach, hatte ich oft Gelegenheit, mich mit diesen 68ern zu unterhalten. Da wurde dann die DDR schöngeredet und unser böser Kapitalismus schlecht. Meine Frage, warum die denn dann nicht in die DDR reisen würden, diese Richtung war ja immer möglich im Gegensatz zur anderen, bekam ich eigentlich nie eine qualifizierte Antwort, nur Standardphrasen wie: „Ja, das ist wohl das Einzige was Dir dazu einfällt…“. Dasselbe gilt auch für die Verherrlichung von Pol Pot einige Jahre später und natürlich für alle Kommunistischen Parteien, die ich erleben durfte, von der KPD bis Linke über DKP, MLPD und was es da sonst noch gab und gibt. Man sieht, geändert hat sich nichts. Wenn heute einer auf die DDR als Beispiel für den real existierenden Sozialismus verweist, kommen genau dieselben Standardphrasen wie 1968.

Der Kapitalismus hat dem Westen Frieden und Wohlstand verschafft und der Kommunismus Klassenkämpfe und Gleichheit, alle gleich arm und das überall, wo es den Kommunismus-Versuch gab. Soweit die Tatsachen. Paradoxerweise wird jedoch der Kommunismus mit allen seinen Morden und dem Versagen permanent schöngeredet bzw. –geschrieben und der Kapitalismus mit funktionierenden Sozialsystemen schlecht. Das mag wohl daran liegen, dass jeder glaubt, die Logik müsste immer siegen und die Logik besagt, wenn alles gleichmäßig verteilt wird, haben Arme mehr und die Reichen, die auch deshalb reich sind, weil sie etwas mehr den Arsch bewegen, interessieren einfach nicht. Der Mensch ist aber nicht logisch. Politiker in Verantwortung müssten das allein schon daran sehen, dass sie sich gehaltsmäßig immer weiter von den hart Arbeitenden entfernen. Aber da redet man sich dann gerne ein: In der freien Wirtschaft würden ja Politiker in derselben Verantwortungsstufe viel mehr verdienen und vergisst dabei, dass es nahezu kein Politiker in der freien Wirtschaft zu einem ähnlichen Posten wie in der Politik bringen würde. Da wird ja schließlich Leistung verlangt und Misserfolge werden bewertet. Oder kann sich etwa jemand den Herrn Gabriel als Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank vorstellen oder den Herrn Wulff als Boss von Mercedes? Das ließen sich die Aktionäre, wenn überhaupt, nur für sehr kurze Zeit gefallen.

Und was noch weiter verblüfft, ist der vorgeschobene Idealismus den man besonders bei den Linken findet. Da wird ständig ein neues Ideal präsentiert, obwohl das immer die alten Ideale in neuer Verpackung sind, und dem Volk zu erklären versucht, dass Sozialismus und Kommunismus (obwohl man sich zurzeit noch nicht so recht traut, dieses Wort zu benutzen) die einzig wahre Glückseligkeit wären. Gleichzeitig werden aber gerne alle Luxusgüter des reinen Kapitalismus privat genutzt, vom Porsche [2] bis zum Hummer [3]. Warum blenden eigentlich Leute, die ja oftmals ein Abitur oder mehr geschafft haben, die Tatsache aus, dass das Geld erst einmal erwirtschaftet werden muss? Als Erklärung fällt mir nur dazu ein, dass man irgendwann einmal Idealist war und dann aus purer Bequemlichkeit und wegen sicherer Einnahmequelle so tut, als wäre man das nach ein paar Jahren immer noch, getreu dem Spruch Winston Churchills: „If you’re not a liberal when you’re 20, you have no heart. If you’re not a conservative when you’re 40, you have no head“, wobei “liberal” da mit “sozialistisch” gleichzusetzen ist.

Aber auch das ist alles bekannt. Weshalb mir der Gedanke an die „Gnade der frühen Geburt“ eingefallen ist: Wir „früh Geborenen“ hatten doch wirklich alle Chancen und Möglichkeiten etwas aus unserem Leben zu machen. Wir hatten Vollbeschäftigung und brauchten niemals Angst zu haben, keine Arbeit oder Lehrstelle zu finden. Auch konnte alles studiert werden, wenn die Numerus Clausus-Kriterien erfüllt wurden und es mussten keine Studiengebühren gezahlt werden. Wir hatten eine sichere Zukunft vor Augen. Wenn wir nur hart genug arbeiten, werden wir im Alter keine Sorgen haben und unsere Gesundheitsversorgung ist bestmöglich abgesichert. Das war einmal sicher und ist mit ein Grund, weshalb es dieses Land zu großem Wohlstand gebracht hat. Wenn wir jedoch betrachten, wie es heute ist: Auf die Krankenversicherung kein Verlass, weil die Kosten immer mehr steigen und die Leistungen sinken, die Rentenversicherung ist eine Bürde, weil man zwar zum Einzahlen gezwungen wird, aber mit einiger Sicherheit in Alter arm sein wird. Arbeitslosenversicherung ist lediglich ein Instrument, um irrsinnige Bürokratie zu bezahlen und hilft dem Versicherten kaum, egal wie viel er einzahlt. Und ALG 2 macht dann wieder alle gleich, ob die gearbeitet haben oder nicht. Alte will keiner mehr beschäftigen, jedoch wird das Rentenalter erhöht. Hirnriss pur.

Und das alles mit Zustimmung der Sozialisten, die für alles eine Erklärung haben. Wer einmal, wie ich, für längere Zeit in Drittweltländern gelebt hat, dem wird aufgefallen sein, dass die Menschen dort zwar immer auf ihre Regierung schimpfen, aber für jede Misere, und sei sie noch so offensichtlich blödsinnig verursacht, eine scheinbar logische Erklärung haben. Das erinnert an die frühere Sowjetunion, da wurde eine Broschüre mit mehreren Fortsetzungen herausgegeben: „100 Fragen – 100 Antworten“ und da wurde immer alles schöngeschrieben. Z.B warum die SU von den USA Weizen kaufen muss. Das lag dann daran, dass der USA-Weizen sowieso nur minderwertiger Weizen ist, der an das Vieh verfüttert wird, während der gute SU-Weizen für das Brot gebraucht wird. Hinten herum wurde dann suggeriert, dass die Viehhaltung und Fleischversorgung der SU so gewaltig ist, dass selbst der in Massen angebaute SU-Weizen nicht ausreicht. Und es waren natürlich auch die Ackerflächen schuld. Von Misswirtschaft wegen irrsinnigen Fünf-Jahres-Plänen keine Spur. Auch wurde im Osten niemals die Tatsache erwähnt, dass Pommern in Deutschland einmal die Kornkammer der Nation war, aber das sozialistische Polen schon Mitte der 50er die BRD um Getreide anbetteln musste.

Was ich aber für das Hauptproblem unseres offensichtlichen wirtschaftlichen Niedergangs ansehe, ist diese unsinnige Migrationspolitik. Wenn jemand kommt und direkt ins Sozialsystem reingeht und dort mindestens so gut, meist noch besser versorgt wird, als jemand, der jahrzehntelang hart gearbeitet und eingezahlt hat, dann läuft was falsch. Das hat nichts mehr mit Fürsorge und Hilfe zu tun, das ist hochgradig bescheuert und stellt den Versicherungsgedanken total auf den Kopf. Versicherung bedeutet in diesem Fall: Ich bringe eine Vorleistung (Rentenversicherung) oder eine permanente Leistung (Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Unfallversicherung usw.), um in einer Gemeinschaft sein zu dürfen, die mir dann hilft, wenn ich Hilfe brauche. Es ist bestimmt nicht sozial, wenn plötzlich Leute in die Gemeinschaft aufgenommen werden, die weder jemals eingezahlt haben, noch planen, jemals einzuzahlen. Daher kann eine logische Schlussfolgerung nur lauten: Jemand der zuwandert, darf für zehn Jahre oder länger keine Hilfe aus der Solidargemeinschaft bekommen. Sozial sein, bedeutet nämlich auch, sozial gegenüber den Leistungsträgern zu sein.

Und der Gedanke daran, dass ich für viele Jahre in der Illusion leben durfte, es ginge in unserem Land einigermaßen gerecht zu und ich dadurch in Stimmung war, hart zu arbeiten und Karriere zu machen, der lässt mich glauben, dass mir die „Gnade der frühen Geburt“ zuteil wurde. Und mir tun die Jüngeren heutigen Leistungsträger aufrichtig leid. Besonders dass sie von inkompetenten und verantwortungslosen Politikern – die ihnen jeden Mut nehmen, auf volle Leistung zu gehen, weil sie immer im Hinterkopf haben müssen, dass alles für die Katz ist – so in den Dreck gefahren werden.

(Foto oben: Symbol des Wirtschaftswunders: Am 5. August 1955 lief im Wolfsburger Volkswagenwerk der millionste VW-Käfer vom Band)

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