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Kriminalstatistik Berlin: Taten, Orte, Hintergründe

hohe Zahl Einbruchsdelikte in BerlinDie Kriminalstatistik Berlin differenziert seit einigen Jahren nach 95 Stadtteilen, um regionale Kriminalitätsschwerpunkte sichtbar zu machen. Eingetragen werden die Ergebnisse in einen Kriminalitätsatlas [1]. Was nicht im Kriminalitätsatlas sichtbar ist: Wer sind die Täter? Wir haben in der Kriminalstatistik nachgesehen…

Hier erst einmal Bild [2] mit den wichtigsten regionalen Ergebnissen aus der Hauptstadt:

TIERGARTEN: Die zahlreichen Großveranstaltungen (Silvester-Party, Fashion Week, Christopher Street Day, Fußball-Fan-Meile) locken viele Taschendiebe an – nach BILD-Informationen sind es mehr als doppelt so viele, wie in Berlin insgesamt. Erschreckend ist der Anstieg der Wohnungseinbrüche. 2011 landete Tiergarten auf Platz 1, zuvor Platz 10.

SPANDAU: Der Ortsteil Spandau liegt beim Diebstahl auf Platz drei. Dafür sorgen laut Atlas das Einkaufscenter Spandauer Arkaden, die Altstadt Spandau mit vielen Geschäften und der Weihnachtsmarkt im Winter.

MITTE: Die vielen touristischen Attraktionen locken jährlich Millionen Menschen nach Mitte. Hier spielen Taschendiebstähle naturgemäß eine große Rolle. Auch die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Der Ortsteil Mitte lag in Sachen Wohnungseinbruch 2011 erstmals auf Platz zwei.

NEUKÖLLN: Neukölln ist einer der Ortsteile mit dem geringsten Durchschnittsalter der Einwohner. Raub und Rauschgiftdelikte passieren hier besonders häufig. Der Volkspark Hasenheide, der Hermannplatz und die U- und S-Bahnhöfe sind oft Schauplätze von Rauschgiftdelikten.

WEDDING: Bei den Delikten Bedrohung, Nötigung und Körperverletzung gehört Wedding zu den am stärksten belasteten Ortsteilen. Probleme stellen auch die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz dar, die in einigen Vereinsheimen, Internetcafés und Lokalen begangen werden.

Abgefackelte Autos

Die Zahl der abgefackelten Autos lag im letzten Jahr bei 400. In diesem Jahr traf es 160 Fahrzeugbesitzer. Gegenmaßnahme waren verstärkte nächtliche Polizeistreifen. Die sollen nun auch verstärkt nach Einbrechern Ausschau halten. Weil die Zahl der Polizisten nicht erhöht wird, meint die Berliner Morgenpost [3]: „Brandstifter oder Einbrecher – Berlin muss sich entscheiden.“ Dort wird auch eine Autobrandstiftung aus der Nacht von Sonntag auf Montag dokumentiert (siehe Video unten). Anschlagsziele waren Fahrzeuge der Deutschen Bahn AG und ein LKW des Technischen Hilfswerks. Zur Kriminalstatistik wird ein Grüner zitiert:

„Was unternehmen Sie konkret gegen den Anstieg der Einbrüche?“, fragte der Innenexperte der Grünen, Benedikt Lux. Er warf dem Senat vor, durch die intensive Suche nach Brandstiftern im vergangenen Jahr die wahren Schwerpunkte der Kriminalitätsbekämpfung vernachlässigt zu haben. Er forderte vom Innensenator eine Auflistung darüber, wie viele Arbeitsstunden die Polizei im vergangenen Jahr für die Aufklärung von Autobränden und wie viele Stunden sie für andere Straftaten aufwandte.

Hintergründe zu den Tätern

Nachdem der Kriminalitätsatlas nun einige Tage online ist und nach Stadtteilen und Taten differenziert, kommen in Salamitaktik weitere Erkenntnisse zum Vorschein. Dazu der Tagesspiegel [4]:

(…) Da nach Erkenntnissen der Polizei viele Wohnungseinbrüche von reisenden Tätern aus osteuropäischen Staaten begangen werden, will Henkel die Zusammenarbeit mit den dortigen Polizeibehörden ausbauen. So habe er gerade die Botschafter Rumäniens und Bulgariens angeschrieben und angeboten, deren Polizisten in Berlin hospitieren zu lassen, berichtete der Innensenator dem Ausschuss. (…)

Streit provozierte im Innenausschuss die ethnische Einordnung von Tätergruppen. Polizeipräsidentin Koppers hatte die aktuellen Datensätze so zusammengefasst, dass neben der Alters- und Sozialstruktur auch die Frage des Migrationshintergrundes eine wichtige Rolle spielt. So hätten überdurchschnittlich viele Straftäter (68,4 Prozent) einen Migrationshintergrund, was so definiert ist, dass entweder sie selbst oder mindestens ein Elternteil Staatsangehörige anderer Länder sind oder waren.

Linken-Fraktionschef Udo Wolf warf Koppers und Henkel vor, mit derartigen Zuschreibungen eine „stigmatisierende Debatte“ anzuheizen. Auch Benedikt Lux von den Grünen forderte „mehr Zurückhaltung“ bei der Korrelation von Kriminalität und Herkunft. (…)

Weiter unten sind alle Tabellen zu den Täterherkünften dargestellt! Sehr aufschlussreich…

Sexuelle Gewalt

Worüber nichts in den Zeitungen steht, ist das hohe Ausmaß an sexueller Gewalt: es gab 2.770 Straftaten. Auf Seite 28 der Kriminalstatistik [5] befinden sich entsprechende Angaben. Dort heißt es:

Die Fallzahlen des gesamten Bereichs der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung lagen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Ihr Anteil an allen Straftaten betrug unverändert 0,6%. Die Aufklärungsquote lag bei 65,1% (Vorjahr: 65,0%). Insgesamt wurden 1.643 Tatverdächtige ermittelt. Der Anteil der männlichen Tatverdächtigen lag bei 95,0%, der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bei 26,4%.

Zum Vergleich: Der Ausländeranteil der melderechtlich registrierten Einwohner in Berlin beträgt 13,7%.

49,0% der Opfer standen in einer engeren oder weiteren Vorbeziehung (Verwandtschaft, Bekanntschaft oder flüchtige Vorbeziehung) zum Tatverdächtigen.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass 51 Prozent der Opfer den Täter nicht kannten und irgendwo in Berlin von ihm überrascht wurden.

Graphiken und Tabellen aus der PKS 2011 Berlin [5]

Seite 21: Einteilung der Straftaten

Kriminalstatistik Berlin 2011 - Delikte [6]

Seite 129: Woher kamen die Täter?

Tatverdächtige in Berlin 2011 - nach Wohnsitz

Seite 130: Woher kamen ausländische Täter?

Tatverdächtige Berlin 2011 - Nichtdeutsche

Seite 131: Anteil ausländischer Tatverdächtiger (anklicken zum Vergrößern)

Tatverdächtige Berlin 2011 - Anteil Nichtdeutscher [7]

Seite 132: Ausländische Tatverdächtige – Deliktgruppen (anklicken zum Vergrößern)

Tatverdächtige Berlin 2011 - Delikte Nichtdeutscher [8]

Seite 133: Ausländische Straftäter – Staatsangehörigkeit (anklicken zum Vergrößern)

Tatverdächtige Berlin 2011 - Angaben zur Herkunft Nichtdeutscher [9]

Seite 133: Ausländische Straftäter mit Wohnsitz Berlin  (anklicken zum Vergrößern)

Tatverdächtige Berlin 2011 - Nichtdeutsche mit Wohnsitz Berlin [10]

Seite 135: Tatverdächtigenbelastungszahl TVBZ

Die Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) ist die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen, errechnet auf 100.000 Einwohner des entsprechenden Bevölkerungsanteils (jeweils ohne Kinder unter 8 Jahren)

Neben der Betrachtung der TVBZ ausschließlich nach Altersgruppen ist sie auch geeignet, die unterschiedliche „kriminelle Belastung“ von Deutschen und Nichtdeutschen näher zu analysieren. Wie schon festgestellt wurde, ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger deutlich höher als ihr Bevölkerungsanteil. Eine statistische Erklärung dafür könnte die unterschiedliche Bevölkerungsstruktur sein. Von der nichtdeutschen Bevölkerung sind 51,2% männlich; bei den Deutschen sind es 48,5%. Weiterhin gibt es bei den Nichtdeutschen 6,6% Jugendliche und Heranwachsende, bei den Deutschen beträgt dieser Anteil nur 5,5%. Da sich die TVBZ auf die jeweilige Einwohnerzahl bezieht, bietet sie ein genaueres Bild der „kriminellen Belastung“. Um eine Verzerrung der TVBZ insbesondere bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen weitgehend auszuschließen, wurden für die Ermittlung der Tatverdächtigen folgende Kriterien zugrunde gelegt:
– 890000 Straftaten insgesamt ohne ausländerrechtliche Verstöße
– Wohnort zur Tatzeit: Berlin
– ohne Illegale und Touristen/Durchreisende

Seite 136: TVBZ nach Alter und Herkunft (anklicken zum Vergrößern)

Tatverdächtigenbelastungszahl TVBZ Berlin 2011 - Ausländerkriminalität [11]

Den Zahlen ist weiterhin zu entnehmen, dass Männer 2,8-mal häufiger als Frauen, Jugendliche 3,1-mal und Heranwachsende 2,9-mal häufiger als Erwachsene sowie Nichtdeutsche 2,1- mal häufiger als Deutsche als Tatverdächtige in Erscheinung treten. Nichtdeutsche männliche Jugendliche und Heranwachsende sind die mit Abstand am stärksten belasteten Gruppen. Sie treten 1,9-mal (Jugendliche) bzw. 1,7-mal (Heranwachsende) so häufig wie die entsprechenden Deutschen in Erscheinung. Bei den weiblichen Tatverdächtigen weisen ebenfalls nichtdeutsche Jugendliche und Heranwachsende die höchsten TVBZ auf. Sie sind im Vergleich zu den Deutschen der gleichen Altersgruppen 1,6-mal stärker belastet.

Seite 137:  TVBZ türkische Staatsangehörige (anklicken zum Vergrößern)

Tatverdächtigenbelastungszahl TVBZ Berlin 2011 - Türken [12]

Seite 137: Ausländische Tatverdächtige nach Nationalitäten, sortiert nach Bevölkerungsanteil (anklicken zum Vergrößern)

Tatverdächtigenbelastungszahl TVBZ Berlin 2011 - Nichtddeutsche Nationalitäten, sortiert nach Einwohnerzahl [13]

Seite 139: Tatverdächtige ohne und mit Migrationshintergrund bis 21 Jahre (anklicken zum Vergrößern)

Tatverdächtige Berlin 2011 - mit erfasstem Migrationshintergrund [14]

(…) Die Erhebungen zum Migrationshintergrund beschränken sich auf unter 21-jährige Tatverdächtige, die mit Rohheitsdelikten, Mord und Totschlag sowie Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Erscheinung treten. (…)

Im Jahr 2011 wurden 63.780 Fälle zu entsprechenden Delikten in der PKS registriert; das sind 12,9% der Straftaten insgesamt. Der überwiegende Teil, nämlich 62.736 Fälle, ist den Rohheitsdelikten zuzurechnen. (…)

Weiterhin kann der Migrationshintergrund nur zu deutschen Tatverdächtigen unter 21 Jahren erfasst werden. 2011 gab es 5.984 entsprechende Tatverdächtige zu den genannten Delikten. Zu 4.049 Tatverdächtigen davon wurde der ggf. vorhandene Migrationshintergrund geprüft und eingetragen. Für das Jahr 2011 liegt eine vollständige Erfassung aufgrund der erst ab Mai 2011 eingeführten technischen Verpflichtung zur Eingabe noch nicht vor. (…)

Für eine vergleichende Analyse dieser Daten mit den entsprechenden Einwohnerzahlen ist zu beachten, dass das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg Personen ab 18 Jahren, die den Migrationshintergrund nur über (mindestens) ein Elternteil besitzen, nicht mehr als Deutsche mit Migrationshintergrund ausweisen kann. Angaben zu den Eltern einer Person werden nur bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres im Berliner Meldesystem gespeichert.

Somit wurden die o. a. Tatverdächtigenzahlen erneut, diesmal gesondert nach Kindern und Jugendlichen, die zur Tatzeit in Berlin wohnhaft und weder Illegale noch Touristen/ Durchreisende waren, erhoben.

Seite 139: Tatverdächtige Kinder und ihre Herkunft (anklicken zum Vergrößern)

Tatverdächtige und TVBZ Berlin 2011 - Kinder - Migrationshintergrund [15]

Seite 139: Tatverdächtige Jugendliche und ihre Herkunft (anklicken zum Vergrößern)

Tatverdächtige und TVBZ Berlin 2011 - Jugendliche - Migrationshintergrund [16]

Hier die Links zum Datenmaterial der Berliner Polizei:

» Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2011 [17], Aufschlüsselung nach Täterhintergrund ab Seite 129
» [17]Lagedarstellung der politisch motivierten Kriminalität in Berlin für das Jahr 2011 [18]
» [17]Jahresbericht Jugenddelinquenz 2011 [19]
» [17]PKS 2011 – Kriminalitätsatlas Berlin 2011 [20]
» [17]PKS 2011 – Kommentierung zum K-Atlas Berlin 2011 [21]

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