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Wo sind Edathys Filme?

Blick durchs Fenster in die Rehburger Wohnung des ehemaligen SPD-Politikers Sebastian Edathy. Im Hintergrund ein KriminalbeamterMitte November letzten Jahres gingen die kanadischen Kinderporno-Ermittler an die Öffentlichkeit und informierten über die bisherigen Ergebnisse ihrer internationalen Razzia „Operation Spade“, die in den Räumen des Filmhändlers Brian Way (42) in Toronto begann. Way wurde seit 2010 observiert und im Mai 2011 festgenommen. Danach begann die Sichtung des exorbitanten Materials.

Der Toronto Star berichtete am 14.11.2013 über 45 Terrabyte Bilder und Filme von nackten Jungen. Die Firma war ganz auf homosexuelle Päderasten zugeschnitten. Vom Kleinkind bis zum Teeny alles dabei:

Way faces about two dozen charges of making, possessing, distributing, exporting and selling the explicit images of boys, who range in age from toddlers to teens. The videos, police allege, were edited, packaged and sold from his west Toronto warehouse.

Die Ermittler werteten mehr als 500 dieser Video aus und fanden darin 283.000 kinderpronographische Szenen:

Investigators spent the summer of 2011 screening the films, ultimately watching more than 500 of them. They painstakingly logged what they saw, and by the time they were done, they had counted 283,000 images of what they classed as child pornography.

Die Ermittler konzentrierten sich dann auf die schlimmsten Filme und ordneten sie den Kundendaten der Firma zu:

They ultimately focused on more than 150 of the most troubling films. They cross-referenced them with the Azovfilms.com customer records and swooped on the people they believed had bought them.

Die Ermittler beschreiben das Material laut Ottawa Citizen wie folgt:

Officers located hundreds of thousands of images and videos detailing horrific sexual acts against very young children, some of the worst that they have ever viewed.

Erschreckende Hardcore Kinder-Pornos also. Mit sehr jungen Kindern. Material, das selbst die erfahrenen Ermittler schockte.

Die Daten der Kunden, die solche Videos bestellten, wurden mehr als 50 Ländern zur Verfügung gestellt:

„Its success has been extraordinary,“ Beaven-Desjardins said of the investigation which spanned more than 50 countries.

Auf der Kundenliste, die nach Deutschland ging, muss unter 800 Namen auch der Name Sebastian Edathy stehen.

Die Guardia Civil nahm im Dezember 2012 in Spanien mehrere Personen fest, darunter einen pädophilen Deutschen in Benidorm, der als Zulieferer der Firma in Toronto fungierte. Deutsche Behörden hatten dem einschlägig bekannten Kinderschänder auferlegt, sich von Minderjährigen fernzuhalten. Die spanische Polizei befreite 19 missbrauchte Jungen aus Deutschland, der Ukraine und Rumänien.

Am 14. November 2013 bedankte sich die Polizei Toronto bei den Strafverfolgungsbehörden verschiedener Länder. Deutschland wird nicht erwähnt.

Schon alleine der zeitliche Rückstand wirft Fragen auf. Ende 2011 geben die kanadischen Ermittler die Namenslisten an die Behörden anderer Länder weiter. Ende 2012 verhaften die Spanier die involvierten Päderasten auf ihrem Territorium. Erst Ende 2013 werden deutsche Behörden aktiv – zu einem Zeitpunkt, wo die Ermittlungen in den anderen Ländern bereits abgeschlossen sind und über 300 Päderasten verhaftet wurden. Trauten sich unsere Kriminalbehörden nicht an Edathy heran? Schließlich teilte Edathy zwischen Januar 2012 und August 2013 im Rahmen des NSU-Ausschusses ordentlich gegen sie aus.

Und noch etwas verwundert: Dem für Edathy zuständigen Oberstaatsanwalt liegen nur Bilder vor. Bilder, bei denen er noch überlegen muss, ob sie eindeutig kinderpornographisches Material darstellen. Die Kanadier hatten aber bereits vorselektiert und die Kunden herausgefiltert, die die 150 übelsten Filme bestellt hatten („most troubling films“). Offenbar fehlen diese Videos im Beweismaterial, das Oberstaatsanwalt Jörg Fröhlich vorliegt, denn er spricht nur von Fotos (ca. min 25 im Video unten) und diese seien „grenzwertig“ zu beurteilen (ca. min 18 im Video). Wo also sind die Filme, die Edathy kaufte?

(Foto oben: Blick durchs Fenster in die Rehburger Wohnung des ehemaligen SPD-Politikers Sebastian Edathy. Im Hintergrund ein Kriminalbeamter / Fotocredit: Die Harke)