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Im Swingerclub – Peter Gauweiler auf Multikultipfaden

Auf PI gibt es gerade eine Serie darüber, welche Parteien man bei der Europawahl wählen soll. Leider ist es immer noch notwendig zu betonen, welche Parteien man auf keinen Fall wählen darf – die bürgerlichen Blockparteien des Christelnd-Debilen- und des Christelnd-Saufnasigen Unverstandes nämlich. Damit dies wirklich jedem klar wird, sei auf ein Interview mit Peter Gauweiler in der JUNGEN FREIHEIT vom 25.04.2014 hingewiesen. Hier lässt „Deutschlands Konservativer Nummer eins“ (JF) nämlich die Hosen runter und entblößt seine Konformität mit Multikulti und linkem Mainstreamdenken. Daneben bietet er allerdings auch echte Lebenshilfe bei einem Thema, das bei der Partei Horst Seehofers perfekt aufgehoben ist: beim Seitensprung.

(Von Peter M. Messer)

JF-Redakteur Moritz Schwarz konfrontiert Gauweiler in diesem druckvoll geführten Interview damit, dass er seine Position als CSU-Vize doch nur dem Druck der AfD verdanke und er Europawahlkampf gegen eine Partei mache, die ihm selbst näher stehe als die CSU. Das erste will er natürlich nicht wahr haben (wie sollte er es auch zugeben), seine Treue zur Partei kann er jedoch erfolgreich demonstrieren. Richtig aufschlussreich wird es aber gegen Ende:

JF: Sie sind der CSU doch 1968 aus bestimmten inhaltlichen Übereinstimmungen beigetreten. Inzwischen hat die Union zahlreiche dieser Inhalte aufgegeben. [..]

Gauweiler: Zu Beginn unseres Gespräches haben Sie, lieber Herr Schwarz, sich zu dem Zugeständnis herbeigelassen, daß „die Zustimmung zur Euro-Rettung bei der CSU geringer ausgeprägt ist als bei anderen Parteien“. Dieses Anderssein der CSU gilt ja für viele Politikbereiche. Was das angebliche oder tatsächliche Aufgeben von Inhalten angeht, also den Meinungswandel in den Unionsparteien auf einzelnen Politikfeldern: Bitte führen Sie solche Entwicklungen nicht zwanghaft auf Dummheit oder Charakterlosigkeit zurück. Man soll auch als „Rechtgläubiger“ zu neuen Einsichten in den Wandel der Verhältnisse kommen können. Und nicht alles, was diesbezüglich unsere Richtung beeinflusst, ist zwangsläufig schlecht. Eine Partei ist kein Museum.

Es geht um die Umwandlung des deutschen Volkes, wie es das Grundgesetz beschreibt, in eine multikulturelle oder gegenderte Gesellschaft. Ist das etwa gut?

Gauweiler: Jeder von uns hat eine rechte und eine linke Seite im Kopf und im Herzen. Rechts: Differenz, Ordnung, Distanz. Links. Harmonisierung und Einebnung von Unterschieden. Wir brauchen beides, wie rechte Hand und linke Hand. Ich habe selbst lange gebraucht, bis ich das begriffen und akzeptiert habe. Wenn man aber glaubt, die Welt solle nur rechts oder nur links sein, dann wird man sektenhaft oder peinlich, oder beides.“

Diese Eierei, dieses Sowohl-als-auch ist also Gauweilers Haltung zu Multikulturalisierung und Genderisierung: Er willigt letztlich darin ein, denn „eine Partei ist ja kein Museum“. Was aber ist nach Gauweilers eigenem Rechts-Links-Konzept an dieser Entwicklung eigentlich noch rechts? Ich habe selbst lange gebraucht, bis ich das begriffen habe: die Umsetzung. Der penible Gehorsam, die Ehrfurcht vor Institutionen und die Unterwerfungsbereitschaft gegenüber dem Recht, auf die die Urheber der neuen Multikulti-Multigender-Ordnung bei anständigen bürgerlichen Konservativen immer noch bauen können – und auf ihre Bereitschaft zur Distanzierung von denen, die die herrschende Ordnung als unanständig bezeichnet, denjenigen, die wirklich Widerstand leisten.

Nachdem Gauweiler seine Positionslosigkeit mit dem Satz „Unsere Gedanken müssen in jeder Richtung frei bleiben“ verbrämt hat, zwingt ihn Moritz Schwarz doch noch zum Offenbarungseid:

Mal konkret: Die neue Regelung zum Doppelpass. Der Vorstoß dazu kam ausgerechnet aus der CSU. Hat Sie das nicht überrascht?

Gauweiler: Ich war nie ein Freund des Doppelpasses und bin heute noch skeptisch. Eine Staatsangehörigkeit für das Herz und eine für die Tasche – das geht nicht. Andererseits kann man Loyalität verbreitern. Der große Otto von Habsburg hatte mehrere Staatsangehörigkeiten. Mich hat auch eine Bemerkung meines Freundes Peter-Scholl-Latour nachdenklich gemacht (…): „Die Geschichte Frankreichs und Deutschland lehrt, dass eine ursprüngliche Geschlossenheit ursprünglich nicht vorhanden war. Wir werden wohl künftig gezwungen sein, zu einem voluntaristischen statt ethnischen Begriff der Nationalität zurückzukehren.“

Man kann wohl kein untauglicheres Objekt für die Erörterung von mehrfacher Staatsangehörigkeit und Loyalität finden als Otto von Habsburg, den Erben einer Dynastie, deren Vielvölker-Reich in mehrere Einzelstaaten zerfiel. Hier geht es letztlich nicht um seine Loyalität gegenüber diesen Staaten, sondern um (Rest-)Loyalitäten gegenüber Seiner Kaiserlich-Königlichen Hoheit in diesen Staaten. Für die Bewertung der Auswirkungen der doppelten Staatsbürgerschaft auf die Loyalität der Murats und Mohammeds ist das völlig wertlos. Mit seiner Aneignung der Scholl-Latour-Aussage sagt Gauweiler übrigens nichts anderes als der linke Mainstream: die Nation sei eine willkürliche Konstruktion. Daß die Bildung einer Nation immer auch ein konstruierender Akt ist, das muss man gar nicht bestreiten. Wichtig ist nämlich, womit diese Nationenkonstruktion erfolgte. Es gab nämlich Material für solche Konstruktionen, etwa eine gemeinsame Sprache und eine gemeinsame politische Vergangenheit (das Königreich Frankreich oder das Heilige Römische Reich Deutscher Nation), auch wenn diese mit Staats- und Volksgrenzen nicht immer deckungsgleich waren. Und es gab Störfaktoren, die die Staatsbildung behinderten. Aber sie waren überwindbar, weil es konfessionelle Gegensätze innerhalb einer Religion waren und nicht Gegensätze zwischen verschiedenen Religionen mit Absolutheitsanspruch. Selbst so war der Konflikt zwischen Deutschem Reich und Katholischer Kirche belastend genug, von den Religionskriegen des 16. und 17. Jhs. nicht zu reden. Das ist eine völlig andere Lage, als wenn gar keine Gemeinsamkeiten da sind. Was will Gauweiler an deren Stelle setzen? Vielleicht wieder irgendwelche nebulösen und lebenslosen „Werte“? Natürlich wäre Gauweiler kein Unionsmitglied, wenn er seine Position deutlich zum Ausdruck brächte. Er fragt, er erwägt, er spielt den nachdenklichen Differenzierer, er sagt ja, aber.

Und nun kommen wir zur versprochenen Lebenshilfe: „Andererseits kann man Loyalitäten verbreitern“ – ist das nicht ein wunderbarer Satz zur Entschärfung jeder Beziehungskrise nach einem Seitensprung? „Schatz, ich habe Dich nicht betrogen. Ich habe nur meine Loyalitäten verbreitert!“ Swingerclubs könnten sich als „Institute zur Loyalitätsverbreiterung“ bezeichnen, und man muss nicht beim Sex stehen bleiben: Sie haben Geschäftsgeheimnisse verraten oder unbefugt private Daten weitergegeben? Sie haben einfach nur ihre Loyalitäten verbreitert! Loyalität ist bunt!

So, das war es mit Deutschlands „Konservativer Nummer eins“. Man sollte sich endlich eingestehen, daß alle „konservativen Hoffnungsträger“ in den etablierten Parteien Enttäuschungen waren. Den Lammerts, Merzens, Guttenbergs und Gaucks wurde ein absurdes Wohlwollen entgegengebracht, während man die wirklich Widerständigen, angefangen mit Franz Schönhuber, bestenfalls mit spitzen Fingern anfasste. Dabei ist es so einfach: Das beste Kriterium für die politische Beurteilung einer Person ist ihr Parteibuch. Solange sie Mitglied ist, fördert sie die Politik, die ihre Partei tatsächlich macht. Ihre Opposition gegen eine gefestigte Parteilinie vernebelt nur die tatsächliche Richtung dieser Partei. Niemand betrügt seine Wähler schamloser als die Willischs, Bosbachs und Gauweilers, weil sie eine Politik versprechen, die sie innerhalb ihrer Partei nicht durchsetzen können, und ihren Selbstabschafferparteien dadurch Stimmen zuführen. Es muss endlich ein Ende damit haben, C-Politiker, und zwar alle C-Politiker, ernst zu nehmen. Was sie bestenfalls zu bieten haben ist ein Ja, aber zu den herrschenden Verhältnissen, aus dem erfahrungsgemäß bald ein Ja und schließlich ein Jawoll! mit zusammengeschlagenen Hacken wird.

Man sollte sich auch endlich die Frage stellen, warum man so lange auf C-Politiker hereingefallen ist. Auch ich unterstütze die AfD, aber ihr Erfolg beruht nicht auf ihrem Programm und ihrem Personal. Auch der Bund Freier Bürger (BFB) war eine Professorenpartei. Er beruht darauf, daß der größte Teil von Personal und Wählern der AfD erst zu spät und durch massive Schäden zu einigen der Einsichten gelangt ist, die ein Franz Schönhuber (Republikaner) und Manfred Brunner (BFB) schon vor Jahrzehnten hatten, als die heutigen AfDler sich noch von Gauweiler- und Dregger-Lockenten vor die politischen Flinten Kohls und Schäubles locken ließen. Bei allem Respekt sind Herr Henkel und Herr Lucke dafür die besten Beispiele. Etwas mehr Demut bei Aussagen über „seit Jahrzehnten erfolglose Kleinparteien“ wäre durchaus angebracht. Aus Schaden klug zu werden ist nämlich keine Grundlage für eine vorausschauende Politik. Diese Grundlage lässt sich nicht gewinnen, ohne die eigenen Ursachen für die permanenten Fehlentscheidungen in der Vergangenheit und die eigene Verstrickung in den bürgerlich-komakonservativen Verblendungszusammenhang erkannt und beseitigt zu haben. Zu dieser Arbeit an sich selbst besteht immer noch zu wenig Bereitschaft. Wer sicherstellen will, dass die AfD Kurs hält und nicht doch noch auf die Riffe bürgerlicher Verführbarkeit durch pseudokonservativen Mainstream aufläuft, der sollte am Sonntag in NRW kommunal PRO NRW wählen, um der Alternative zu zeigen, dass sie im Ernstfall nicht alternativlos ist.