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Drei Beobachtungen aus Kroatien

nationaltheater zagreb
Erst später bemerkt: Kroatien gehört zur EU, aber (noch) nicht zu Schengen. Die Grenzen werden kontrolliert. Bei der Einreise aus Ungarn kam erst eine ungarische Grenzerin in den Zug und kontrollierte sämtliche Ausweise, drei Minuten später zogen sechs kroatische Polizisten durch den ganzen Zug und ließen sich ebenfalls alle Pässe und Ausweise vorlegen. Draußen stand ein weiterer Grenzer, der aufpaßte, daß niemand ausstieg. Der Schnellzug blieb ungefähr eine halbe Stunde im Bahnhof stehen, die Kontrolle ist in der Fahrzeit bereits mehr oder minder einberechnet.

Wie überall im ehemaligen Österreich-Ungarn sind die schönsten Gebäude auch heute diejenigen, die zur Zeit der Habsburger Monarchie gebaut wurden. Dagegen verblasst alles andere total und ist kaum erwähnenswert. Der Kommunismus hat (weltweit) sowieso nichts architektonisch Wertvolles zustande gebracht und die Moderne eigentlich auch nicht. Das Foto zeigt das Nationaltheater in Zagreb. An den Einweihungsfeierlichkeiten nahm 1895 auch Kaiser Franz Joseph teil.

In Zagreb, der Hauptstadt mit 800.000 Einwohnern, fällt das katholische Element auf. Innerhalb eines Tages im Zentrum konnte man leicht zufällig diversen 25 katholischen Nonnen und 15 Pfarrern und Mönchen begegnen, alle wohlgemerkt in ihrer Ordens- oder Priestertracht und nicht im Freizeithemd. Das dürfte in Europa mit Ausnahme von Rom Rekord sein.

In den Kirchen nahmen die Gläubigen alle das vorgeschriebene Weihwasser, die meisten machten eine Kniebeuge, und nicht wenige beteten kniend. Alles Dinge, die man in Deutschland außer bei den Piusbrüdern nirgends mehr sieht, geschweige denn in der Hauptstadt. Sogar mitten auf dem Hauptbahnhof von Zagreb war eine Minikapelle, in der eine Frau betend kniete und auf den Zug wartete. Niemand fand das verwunderlich.

Bei der Ausreise dann, dieselbe Prozedur noch einmal. Diesmal marschierten um die acht Polizisten auf, kontrollierten den ganzen IC, und es ging sogar ein Polizist auf der anderen Seite der Waggons vorbei und schaute am Boden entlang, ob jemand unter dem Zug versteckt war. Danach kamen drei slowenische Grenzwächter, die auch jeden Paß anschauten. Sowohl die Kroaten als auch die Slowenen nahmen es teilweise sehr genau. Manche Pässe hielten sie gegen das Licht, drehten sie hin und her und suchten nach Fälschungen. Wieder blieb der internationale EU-Zug, der nach Österreich weiterfuhr, mindestens eine halbe Stunde an der Grenze stehen.

Abgesehen davon, daß man die Paßkontrolle auch in einem fahrenden Zug durchführen könnte, was aber nicht geht, weil sich Slowenen und Kroaten nicht so grün sind, hätte ich absolut nichts gegen längere Grenzkontrollen, wenn wir dadurch von der Euro-Rettung und den Brüsseler EU-Bonzen verschont geblieben wären!