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Marcus Franz: Der wahre Feind ist der innere

Europa, wir haben ein Problem. Und das sitzt viel tiefer als jenes, das wir tagtäglich über die Medien anschaulich serviert bekommen. Was wir da auf den Bildschirmen und in den Gazetten sehen, sind nur Symptome. Und Symptome sind lediglich Zeichen, keine Ursachen. Wir sind zwar tief betroffen von den Terroranschlägen und können es nicht fassen, was da immer wieder Grauenvolles passiert. Aber es ist nicht (nur) der Terror, der uns im Innersten bedroht.

(Von Dr. Marcus Franz)

Massenmigration als Mittel zum Zweck

Wir machen uns Sorgen wegen der Massenimmigration und sehen täglich, wie sich die europäischen Nationen verändern und das gesellschaftliche Klima sich gewandelt hat. Aber es ist nicht (nur) eine andere Kultur, die sich da anschickt, Europa Schritt für Schritt zu übernehmen. Es gibt etwas viel Gefährlicheres: Es ist der innere Feind, der den Kontinent vorsätzlich zerstören will. Und dafür ist ihm jedes Mittel recht – auch und vor allem die Massenmigration.

Die „Menschlichkeit“ als Manipulationsinstrument

Der innere Feind hat viele Gesichter und er versteht es trefflich, sich zu tarnen und uns zu täuschen. Meist kommt er im lieblichen Kleid des Humanismus daher und ruft laut „Menschlichkeit!“, wenn irgendwo klare oder harte Entscheidungen im Sinne der Nation zu treffen wären. Mit dem wohlklingenden Code „Menschlichkeit“, der nichts Konkretes besagt, lässt sich alles rechtfertigen – sogar eine Politik, die den nationalen Interessen zuwiderläuft.

Die Wahrheit zu sagen ist gefährlich

Wer kann denn heute offen ein angeblich menschlichkeitsgesteuertes Handeln kritisieren, ohne sich dafür gleich einmal entschuldigen zu müssen? Wer kann objektive Zahlen, Daten und Fakten in die alles überschattende Migrationsdebatte einbringen, ohne gleich als Hardliner, Rassist oder Schlimmeres bezeichnet zu werden?  Wer kann noch die Wahrheit aussprechen, wenn er kein schnelles Pferd hat? Eben.

Die „Menschlichkeit“ ist ähnlich wie andere Codewörter der politischen Diktion (z.B. die „Soziale Gerechtigkeit“) zu einem sogenannten weasel word geworden, mit dem man in der Politik jede objektive Entscheidungsgrundlage und letztlich sogar den Rechtsstaat und die Nation beliebig zurechtbiegen, aushebeln und sogar zerstören kann.

Es geschieht vor unseren Augen

Beispiele gefällig? Dass die unkontrollierten Grenzen und deren anhaltende massenhafte Überschreitung durch Fremde einen krassen Rechtsbruch darstellen, ist in jedem Gesetzbuch nachzulesen – aber egal, die „Menschlichkeit“ hat Vorrang. Dass in Österreich und Deutschland hunderttausende Illegale ohne Bleiberecht  einfach nicht abgeschoben werden, ist eine teure und gefährliche Tatsache – aber egal, die „Menschlichkeit“ hat Vorrang.

Der innere Feind trompetet über seine Herolde und Helfershelfer die „Menschlichkeit“, die „Toleranz“ und die „europäischen Werte“ – ohne uns jemals konkret zu sagen, was genau damit gemeint ist. Und wer diesem Feind, der sich nie als solcher zu erkennen gibt, sondern immer nur sagt, dass er für alle Menschen das Beste will, wer also diesem Feind nicht folgt, der wird von ihm im Gegenzug buchstäblich ver-folgt. Mit allen Mitteln und rigoros. Wer das betulich und landauf, landab gesungene Menschlichkeits-Lied nicht mitsingt, der macht sich verdächtig. Und schon dieser Verdacht ist der entscheidende Beweis, der ganz ohne Prozess die öffentliche Verurteilung möglich macht.

Wer und wo ist der Feind?

Nein, der allgegenwärtige innere Feind ist keine Person und auch keine Personengruppe. Der innere Feind Europas ist eine Haltung, die sich Kulturmarxismus nennt. Weil der politische Marxismus gescheitert ist, bahnt sich die alte marxistische Ideologie seit Jahrzehnten neue Wege. Sie bemächtigte sich über ihre „humanistisch“ genannten normativen und rhetorischen Zwangssysteme (wie die Political Correctness und diverse Gleichheits- und Internationalitäts-Fantasien) des politmedialen Mainstreams. Dort wird sie ohne Zögern und oft ohne, dass es den Propaganda-Treibenden überhaupt noch bewusst ist, fleißig und unablässig verbreitet.

Die Merkmale des Kulturmarxismus

Kennzeichen des Kulturmarxismus sind Ideen und Ziele, die bei oberflächlicher und modernistischer Betrachtung in liberalen und demokratischen Gesellschaften durchaus ihren Platz haben könnten. Zu Ende gedacht werden diese Ideen aber die Gesellschaft zersetzen. Zum ideologischen Konzept des medial dominanten Kulturmarxismus gehören die Politische Korrektheit, die Anti-Diskriminierungs-Agenda, das Multi-Kulti-Denken, die Auflösung der Geschlechter-Grenzen, die überall zunehmenden Gender-Vorschriften, der gesamte Feminismus, die völlige Freigabe der Abtreibung, der uferlose Ausbau von Minderheitenrechten, die Einführung der Homo-Ehe und die flächendeckende Etablierung von Frauenquoten.

Weitere Kennzeichen sind die Infantilisierung der Menschen infolge der ständig getrommelten Botschaft, den Einzelnen mit immer mehr Rechten und immer weniger Pflichten auszustatten, die unablässige Schwächung der Nationen zugunsten eines die Individuen entmündigenden Super-Wohlfahrtsstaates, die Entkriminalisierung von illegalen Migrationsbewegungen, die Ächtung von traditionellen Begriffen wie Vaterland, Volk oder Ehre und vor allem die Abwertung der klassischen Familien durch gezielte antifamiliäre Politik.

Die Frankfurter Schule

Diese spezielle Milch der neuen frommen Denkungsart wurde aus einem ganz besonderen Euter der Intellektualität gemolken: Es war die Frankfurter Schule und die dort entstandene sogenannte Kritische Theorie, die uns den Paradigmenwechsel brachte. In Frankfurt wirkten und wirken Philosophen wie Adorno, Marcuse, Horkheimer und der noch immer aktive Jürgen Habermas, die in Deutschland und während des Zweiten Weltkriegs auch in den USA den geistigen Grundstein für den Kulturmarxismus legten.

Auch die Wirtschaft muss dran glauben

Ein weiteres und wesentliches  Ziel des Kulturmarxismus ist die Schwächung der traditionellen Wirtschaft zugunsten von weltweit agierenden Konzernkonglomeraten und des Bankenwesens. Beweise dafür sind die geldschaffende Macht der Zentralbanken, die staatlichen Daumenschrauben in Form ständig steigender Abgaben und das schwer lastende Steuerjoch für die kleinen und mittleren Unternehmen, während die Konzernriesen ihre Schlupflöcher haben.

Im Lotterbett vereint

Die Kulturmarxisten haben sich längst mit den Finanzkapitalisten ins Bett gelegt, um dort ihre wilde Ehe auszuleben und ihre missratenen Kinder zu zeugen. Auch hier steht am Ende eine zerstörte Welt: Nämlich die der unternehmerischen Wirtschaft. Die ökonomischen Realitäten werden in absehbarer Zeit von ein paar Oligopolen geschaffen, die klassische Welt der Unternehmen gibt es dann nicht mehr. (Dies sagte übrigens der geniale österreichische Nationalökonom Joseph Schumpeter  schon in den 40er Jahren voraus.)

Natürlich geht es um Macht

Ziel aller dieser Entwicklungen ist natürlich der Ausbau der Macht über die willigen und manipulierbaren Massen und die Festigung der Herrschaft jener, die den Kulturmarxismus vertreten und verbreiten. Der innere Feind ist mächtig und nur seine hier dargestellten Haltungen haben überhaupt erst die Schwächung Europas und die fulminante Migrationskrise ermöglicht.  Wir wissen nicht, ob wir die in unseren eigenen Reihen allgegenwärtigen Usurpatoren noch überwinden können. Aber wer Europa erhalten will, muss es zumindest versuchen.


(Dieser Text erschien im Original auf thedailyfranz.at)