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Niedersachsen: Wahlkampf mit Wölfen

Von LUPUS | Der Wolf macht´s möglich: Niedersachsens Noch-Ministerpräsident Stephan Weil und seinen grünen Umweltminister Stefan Wenzel kann man getrost als Umfaller der Legislaturperiode bezeichnen. Denn kurz vor der Landtagswahl am 15. Oktober knickten die bisherigen Wolfsversteher bei einem brisanten Streitthema ein und wollen dem Raubtier nun doch mächtig ans Fell. Wenn der Wolf weiter springt als ein Schafzaun hoch ist, so lautet die Bedingung, ist Schluss mit lustig. Dann können komplette „Problemrudel“ abgeschossen werden, signalisierte Rot-Grün in Hannover.

Wie, was? Bisher klangen doch eher Schalmeienklänge aus dem Zentrum der Wolfsschützer, z.B. als ein niedersächsischer Problemwolf, der die niedersächsische Willkommenskultur missverstanden hatte, sich bis auf Schwanzlänge einer Frau näherte. Nach dem Motto „die wollen doch nur spielen“.

Integration misslungen?

Ist der Wolf jetzt plötzlich kein Guter mehr, kein edler Wilder aus dem Osten? Ist er nicht mehr so harmlos wie der Bett-Wolf im Märchen, der sich angeblich die Großmutter einverleibt hatte und ein unbedarftes Mädchen namens Rotkäppchen reinlegen wollte? Hat er nicht mengenweise Schafe und Rinder von niedersächsischen Weiden gefressen, nachdem er eingewandert ist und weil es nun mal einfacher ist, von der gedeckten Tafel zu naschen, als dem flüchtigen Reh nachzujagen? Haben die Schafzüchter nicht ständig gewarnt und zum Zeichen ihres Verdrusses eine Wagenladung gerissener Schafe vor den Landtag gekippt? Ist der Wolf etwa gewaltbereit geworden, vielleicht sogar extrem und so böse wie etwa ein „AfD-Nazi“ sein muss? Ist gar die Integration der niedersächsischen Wölfe misslungen?

Vergrämen, immobilisieren, abschießen

So muss es wohl sein, wenn sogar die Grünen bei ihrem Lieblingsprojekt eine 180-Grad-Wende hinlegen. Auf der Strecke blieb dabei auch ein Markenzeichen des Wolfsmanagements der niedersächsischen Regierung: die politisch korrekte Sprache, was die zotteligen Zuwanderer betrifft. Der Umgang mit einem Problemwolf namens Kurti, der im Frühjahr 2016 Ärger machte, war noch verbal dermaßen in politisch-korrekte Watte verpackt worden, dass es schon zum Schießen war. Das Raubtier sollte zunächst durch einen schwedischen Experten mit Gummi „vergrämt“ werden. Dann sollte Kurti „immobilisiert“, auf Deutsch „betäubt“ und ins Wolfsgehege „eingebracht“ werden. Als letztes Mittel wurde erwogen, das verhaltensauffällige Tier „letal der Natur zu entnehmen“, wie es im ministeriellen Sprachjargon hieß. So kam es dann auch: Kurti bekam die Kugel. Noch kein Wolf war bis dahin so politisch korrekt unter die Erde gebracht worden.

Nunmehr scheint die noch amtierende Landesregierung ihre „politisch korrekte“ Sprache, was Wölfe betrifft, auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt zu haben. Während noch vor kurzem „Töten“ und „Abschießen“ Tabuworte waren, hat jetzt in der niedersächsischen Staatskanzlei die Waidmannssprache wieder Konjunktur: Sprungkräftige „Problemrudel“ können „abgeschossen“ werden. Weil, Wenzel, Wolf – darauf einen Jägermeister!