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Immer mehr Versorgungssuchende über die „Kanalroute“

Von CHEVROLET | Sie haben ebenso legendäre wie klangvolle Namen: Balkanroute, Westbalkanroute, zentrale Mittelmeerroute, östliche Mittelmeerroute, westliche Mittelmeerroute, oder neu die Zypern-Route, die von der Türkei über den türkischen Teil der Insel Zypern in den südlichen Teil führt, der zur EU gehört. Die Wege sind vielfältig, wie man als Versorgungssuchender aus irgendwo den Weg in die EU zu den Fleisch- und vor allem Geldtöpfen findet. Neu, und medial wenig beachtet, ist die neue Kanal-Route. Die führt nicht durch irgendwelche Kanalisationen, wie man vielleicht denken könnte und was wenig verwunderlich wäre, sondern über den Ärmelkanal nach England.

Interessant ist sie natürlich nur für jene, die sich ein Leben in Großbritannien erträumen. Traditionell sind das Menschen aus Afrika oder aus dem südasiatischen Bereich wie Indien, Pakistan oder Bangladesch. In Britannien gibt es traditionell eine große südasiatische Community, was auf koloniale Zeiten und das Commonwealth zurückgeht. Aber das Brexit-Königreich möchte gar nicht noch mehr von diesen Leuten haben.

Letzteres interessiert die Eindringlinge nicht. Sie und ihre Schleuser haben sich wohl einmal die Landkarte angeschaut und entdeckt, dass die Entfernung zwischen England und Frankreich, Calais und Dover, den beiden Fährhäfen, gerade mal 40 Kilometer beträgt. Und oft genug kann man vom Strand in Calais aus mit bloßem Auge gut die Kreidefelsen um Dover erkennen. Kurzum eine Strecke, die sich mit dem Schlauchboot bewältigen lassen könnte, wenn das schon zwischen Libyen und Italien funktioniert. Immerhin müssen dort 20 km bewältigt werden, bis internationale Gewässer erreicht sind, wo dann die Helfer der Schlepper, die „Retter“, die wertvolle Fracht zum Weitertransport in die gewünschten Länder übernehmen.

Doch nicht nur Dover ist nah, die gesamte Küste der Grafschaft Kent im Südosten der britischen Insel ist kaum weiter. Und so machen sich dann die Schlepperboote von den Stränden östlich von Calais aus auf den Weg. Im ersten Halbjahr 2019 kamen bereits 511 Menschen auf diesem Weg nach England, während es im ganzen Jahr nur 312 waren. Allerdings, nach England gelangten sie trotzdem nicht, die britischen Behörden unterbanden das Eindringen und schafften die Personen nach Frankreich zurück, wie der
Telegraph“ berichtet. Dort, so die Argumentation, könnten sie ja
Asyl beantragen.

Jedenfalls ist die Überfahrt vordergründig relativ sicher, allerdings umso gefährlicher durch den Schiffsverkehr, da ein Großteil der Schiffe, die nach Häfen in Belgien, Holland, Deutschland oder Skandinavien wollen, diesen Wasserweg nutzen. Entsprechend stark ist der Verkehr im Ärmelkanal.