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Das Wunder der Maryam

Womit sollte sich ein Sender wie der NDR befassen, der stolz auf seine regionale Verwurzelung im Norden ist? Nöte deutscher Eltern mit der Unterbringung ihrer Kinder? Out. Nöte deutscher Kinder, wie sie in engen Wohnverhältnissen nicht zum Lernen kommen? Out. Gründe für Wohnungsknappheit in einem Land mit eigentlich sinkender Bevölkerung? Ist das ein Thema wert, für den NDR? Nein. Eher nicht. Es muss ein Flüchtling sein, ein weiblicher am besten. Der passt ins Programm des Programmdirektors und in die allgemeine, linke Stimmung der relevanten maßgebenden Parteien. „Maryam“ passt.

In den regionalen Nachrichten am Sonntag (19.4.) um 19:38 Uhr beklagt der Sender das Schicksal von Maryam, einer 23-jährigen Schülerin aus Afghanistan. Ihr Problem wird im Begleittext zum Hamburg-Journal so beschrieben:

Maryam ist 23 Jahre alt. Im Mai steht – trotz Corona – ihr erster Schulabschluss in Hamburg an. Doch die Afghanin ist verzweifelt. Wie sie den Lernstoff bis dahin erarbeiten soll, weiß sie nicht. Denn Maryam ist eine von vielen Geflüchteten, die keinen Internet-Zugang Zuhause [Fehler im Original, Anm. PI-NEWS] hat. Freie Träger in Hamburg kritisieren das, allerdings die meisten hinter vorgehaltener Hand.

Sehr dramatisch, das Ganze. Eben so, wie es sich gehört, wenn man „Flüchtlingsprobleme“ in Deutschland im ÖR thematisiert. Was soll nun werden aus dem „ersten Schulabschluss“, von dem wir nicht erfahren, was sie da eigentlich besteht? So ohne Internet-Anschluss in Corona-Zeiten?

Doch Maryam wird erlöst. 15 Minuten später hat sie dann plötzlich doch ihr Internet, im Video-Beitrag des Hamburg-Journals und auch in einem weiteren NDR-Bericht. Dort heißt es nun plötzlich:

Netz auf dem Handy hat auch Maryam. Und mittlerweile sogar eine eigene Wohnung. Aber wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie kann die junge Mutter derzeit nicht in die Schule und die Hausaufgaben landen seit Wochen seitenweise auf ihrem Smartphone. Internetanschluss Zuhause [Fehler erneut im Original, Anm. PI-NEWS], ein eigener PC, ein Drucker – mit allem hat die Afghanin nie gelernt umzugehen und jetzt stößt mit ihrem Smartphone an ihre Grenzen.

Derselbe Fehler in beiden Texten („das Zuhause“, aber: „zu Hause“ oder „zuhause“) verweist hier auf denselben Verfasser des NDR, der zumindest in seinem ersten Text entweder schlampig recherchiert hat oder – seinen Propaganda-Vorgaben folgend – möglichst viel Mitleid für die Maryam erzeugen wollte. Oder: Es geschah ein Wunder, sodass die Maryam, die erst verzweifelt und tatsächlich ohne Internet war, dieses plötzlich durch Allahs Fügung im nächsten Moment dann doch noch erhielt.