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Höcke trägt keine Schuld an dem Riss, der die AfD aktuell lähmt

Von JOHANN FELIX BALDIG | Am Ende jenes Februartages, der den FDP-Politiker Thomas Kemmerich zum thüringischen Ministerpräsidenten gemacht hatte, stand ich an einer Hotelbar im herrlich katholischen Eichsfeld und dachte: „Das ist eine Meisterleistung! Das ist seine Meisterleistung!“ Ich gratulierte Björn Höcke per SMS. Der dankte und erwiderte, den Tag zuvor sei er in den Wäldern gewesen. Und im Übrigen gehöre stets auch Fortune dazu.

Im Interregnum Kemmerichs waren für wenige Tage die Verhältnisse vom Kopf auf die Füße gestellt: eine bürgerliche Partei und zwei weitere, denen man ein letztes Mal die bürgerliche Umkehr zutrauen, wünschen mochte, fanden in freier und geheimer Abstimmung zueinander und zu einem gemeinsam getragenen Ministerpräsidenten.

Den Handschlag zwischen Kemmerich und Höcke musste, wem nur ein Mindestmaß an Fühlung für den Weltgeist gegeben ist, als historisch empfinden. War dieser Handschlag doch nach dem Souverän gemacht, in einer Art feierlicher Überraschung, Überwältigung beinahe. Der Handschlag zwischen Kemmerich und Höcke hatte Staatsaktqualität im besten Sinne: Staatlichkeit entfaltete sich in den Bahnen des Konstitutionellen und ohne Dramaturgie hinter den Kulissen.

Dies alles musste Merkel empfindlich treffen. Vom Ausland aus kassierte sie als Kanzlerin des Bundes per autoritativem Spruch die frei gewählte Regierung eines deutschen Landes. Wehners Moskauer Unfreundlichkeiten gegen Brandt („Der Herr badet gern lau.“) hat Merkel damit mehr als eingestellt. Und die bald hernach eingetretene härtere Gangart des Verfassungsschutzes gegenüber der AfD, gegenüber dem Flügel zumal, darf gelesen werden als Björn Höcke aufgegebene Strafe für Merkels Untreue der Verfassung gegenüber.

Liegt es an der hohen Taktzahl der Unausdenklichkeiten, die über Deutschland hinwegziehen, dass wir den thüringischen Februar des Jahres 2020 bereits vergessen zu haben scheinen? Wahr bleibt: Björn Höcke ist der einzige Bundespolitiker der AfD. Denn auch wenn sie ephemer war, hat die Wahl Kemmerichs ein deutsches Land mit einer Signatur versehen, deren Ausdeutung im Blick auf das ganze Deutschland in die große patriotische Wende münden wird.

Darf man nach solcher Leistung, nach dem Erreichen einer Hochebene, die weitere Schau eröffnet, als wir lange Zeit zu hoffen wagten, den Duft der Felder preisen, die Abenddämmerung in Bornhagen?  Beinahe hat man das Gefühl, ein aktueller Beitrag auf PI-NEWS [1] wolle Björn Höcke Beschaulichkeit vorwerfen, Erschlaffung, Rückzug. Erwidern könnte man mit der Bedeutung des Waldes, einer Mittelgebirgslandschaft für die deutsche Seele, für deutschen Geist und deutsche Denkungsart.

Und hat nicht Björn Höcke in dem abgebrochenen ZDF-Interview an einer Stelle entnervt ausgerufen: „Ich bin auch nur ein Mensch“? Für die Zurückweisung des Beitrages von Leo bedarf es freilich keiner Soziologie, keiner psychologisierenden Gefühligkeit, sondern nur des Mutes zur Wahrheit im Blick auf die jüngste Geschichte der AfD.

Björn Höcke trägt keine Schuld an dem Riss, der die AfD aktuell lähmt. Weil nun so viele, als Anrufer, als Briefeschreiber, Höcke und Meuthen zurück an einen Tisch bitten: Björn Höcke hat kein Tischtuch zerschnitten, keine Tischgemeinschaft aufgekündigt, keine Debatte über eine Spaltung der AfD begonnen. Für all dies trägt Jörg Meuthen die alleinige Verantwortung. Nicht zuletzt trägt Meuthen die Verantwortung dafür, dass die durch den Kalbitz-Ausschluss geschwächte brandenburgische AfD nun vom Verfassungsschutz zum Beobachtungsfall [2] erklärt wurde.

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