1

Erdogans Triumph: Islamisches Freitagsgebet in der Hagia Sophia

Am Freitag feierte der türkische Präsident Erdogan seinen Triumph über die Christen – nach 86 Jahren fand in der Hagia Sophia wieder ein islamisches Freitagsgebet statt. Vor zwei Wochen hatte das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei den Status des Hauses als Museum annulliert. Erdogan ordnete daraufhin sofort die Nutzung als Moschee an, was auf internationale Kritik stieß. Besonders scharf kritisierten Russland und Griechenland die Entscheidung.

In zahlreichen Kirchen Griechenlands läuteten am Freitag Trauerglocken. Aber der islamische Despot der Türkei hat sich noch nie von Kritikern beeindrucken lassen und in diesem Fall waren die Stimmen der Gegner wohl eher Triumphfanfaren in seinen Ohren.

Die Hagia Sophia wurde im 6. Jahrhundert nach Christus unter byzantinischer Herrschaft als Kirche erbaut. Beinahe ein ganzes Jahrtausend lang galt sie als das größte Gotteshaus des Christentums.

Im 15. Jahrhundert, nach der Eroberung Konstantinopels, dem heutigen Istanbul, durch die Osmanen wurden dem Bauwerk vier Minarette hinzugefügt und es wurde fortan als Moschee genutzt.

Diesem Spuk bereitete Mustafa Kemal Atatürk 1934 ein Ende. Es gab keine islamischen Gebete mehr darin – die Hagia Sophia wurde ab da als Museum genutzt – bis Freitag. Erdogan will mit dieser mehr als symbolischen Tat nicht nur die verhassten Christen demütigen, sondern auch Atatürks Vision von einer säkularen Türkei, in der der Islam keine politische Rolle spielt, in den Staub treten.

Wegen Covid 19 durften nur maximal 1000 Menschen in das Gebäude. Tausende Moslems versammelten sich daher vor dem historischen Kuppelbau. Erdogan sprach von rund 350.000 Anwesenden und rezitierte selbst Koranverse.

Die einzigartigen christlichen Fresken und Mosaike wurden und werden auch künftig während der Gebetszeiten abgedeckt. Vielleicht hat man Angst, dass besonders Koranhörige beim Anblick der Muttergottes mit dem Jesuskind zu Staub zerfallen könnten.

Der Erzbischof von Athen sprach anlässlich des islamischen Gebets in der Hagia Sophia von einem „Tag der Trauer für das gesamte Christentum“ und bezeichnete die Umwidmung in eine Moschee als einen „unheiligen Akt der Schändung“.

Was sich heute in Istanbul abspiele, sei „kein Zeichen der Stärke, sondern ein Beweis der Schwäche“, so der Erzbischof.

MdEP Joachim Kuhs, Vorsitzender der „Christen in der AfD“ sagte:

Die christliche Bevölkerung der Türkei ist von 2,5 Millionen vor dem 1. Weltkrieg durch Mord und Vertreibung auf heute nur noch 120.000 geschrumpft, die jüdische Bevölkerung von 100.000 auf heute nur noch 22.000. Kirchen, Synagogen und Friedhöfe werden geschändet, Priester und Gläubige werden angegriffen oder gar ermordet. Christliche Kirchen dürfen weder Grundstücke erwerben noch ein Bankkonto eröffnen oder theologischen Nachwuchs ausbilden.

Vergleicht man diese eklatante Benachteiligung damit, wie DITIB in Deutschland mit seinen regimetreuen Imamen, seinen steuerfinanzierten Religionsunterricht, Islamverbänden und Moscheen hofiert wird, wird einem erst bewusst, was für eine Schräglage hier entstanden ist. DITIB sollte genau die gleichen Bedingungen bekommen, wie christliche Gemeinden in der Türkei. Leider hat die Partei mit dem C im Namen das C vergessen, und die Kirchen in Deutschland sind mehr damit beschäftigt, die AfD zu diffamieren und den Islam zu hofieren, als den 260 Millionen verfolgten Christen weltweit zu helfen. Wenn Erdogan die Hagia Sophia zur Siegesmoschee macht, ist das ein Schlag ins Gesicht von Christen weltweit, wie der Metropolit von Moskau gesagt hat.

Genauso wollte Erdogan das wohl auch verstanden haben und dabei ist davon auszugehen, dass ihm „ein Schlag ins Gesicht der Christen“ noch lange nicht reicht. Er träumt von einem türkischen Kalifat, das weit über die Grenzen der heutigen Türkei hinaus gehen soll. (lsg)