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Zwei deutsche Untergänge im November 2020

Von WOLFGANG HÜBNER | Bestimmte Ereignisse im deutschen Fußball haben auf eigentümlich symbolhafte Weise die deutsche Geschichte nach 1945 begleitet und auch gespiegelt: 1954 der sensationelle WM-Sieg in der Frühphase des „Wirtschaftswunders“; die „Kaiser Franz“-Ära in den Umbruchjahren 1966 bis 1974; der dritte WM-Titel im Jahr der Wiedervereinigung 1990; der letzte Triumph in Brasilien kurz vor Merkels Grenzöffnung und das Desaster in Russland bald danach. Nun also die 0:6-Schmach am Vorabend des Volksprotestes gegen eine staatliche Ermächtigung für die Verletzung grundgesetzlicher Bürgerrechte. Da scheint es tatsächlich geheimnisvolle Zusammenhänge zu geben.

Blicken wir zuerst auf den Fußball: Niemals hat ein lebender Deutscher einer so unterlegenen, seelen- und willenlosen DFB-Auswahl, die sich ebenso größenwahnsinnig wie entnationalisiert als „Die Mannschaft“ präsentiert, zuschauen müssen (Video hier). Gewiss, es gab auch in der Vergangenheit schmerzliche oder peinliche Niederlagen. Doch diese in Sevilla war viel mehr als nur ein sportlicher Misserfolg. Denn es spielte dort für Deutschland eine Truppe, die in ihrer desolat-„bunten“ Verfassung den Zustand eines Landes widerspiegelt, das sich mit moralischer Hybris und konformistischer Hysterie noch vor dem sich abzeichnenden Verlust des Massenwohlstands ruiniert.

Und was könnte diesen Niedergang eines fleißigen, aber politisch apathisch-naiven Volkes besser bezeugen als das aufgeblähteste Parlament der Welt, dessen Mehrheit im Schnellverfahren die bislang noch in der Minderheit befindlichen Kritiker und Gegner der staatlichen Corona-Maßnahmen zu potentiellen Straftätern macht? Eine politische Führung, die mit Wasserwerfern auf den Protest von Zehntausenden vor dem Reichstag antworten lässt, hat jeden Anspruch auf Vertrauen verwirkt. Aber sie hat gewiss mit dieser Dusche  Menschen radikalisiert, deren Anliegen nichts anderes als die Verteidigung der deutschen Demokratie ist.

Grundlegende Veränderungen sind unausweichlich notwendig

Es ist binnen von noch nicht einmal 24 Stunden im November 2020 für Millionen Deutsche viel mehr kaputt gegangen als nur die Zuneigung für die eigene Fußballmannschaft oder die Hoffnung in das eigene Parlament. Zerplatzt ist in dieser kurzen Zeitspanne jede Illusion, die deutsche Misere ließe sich anders beheben als durch grundlegende geistige, gesellschaftliche und politische Veränderungen, die so revolutionär wie friedlich sein müssen wie 1989 in der ehemaligen DDR. Die zwei Untergänge in Sevilla und Berlin sind Untergänge des Vertrauens in wichtige deutsche Institutionen. Weder der DFB noch der totale Parteienstaat können länger als reformierbar gelten. Sie wollen es beide auch nicht sein, schon gar nicht ihre Repräsentanten wie Löw und Merkel.

Doch selbst deren mögliche Auswechslung mit anderen Figuren löst nicht die tiefersitzenden Probleme eines Landes, das seinen inneren Kompass verloren hat und einer schlechten Zukunft entgegentorkelt. Diejenigen Deutschen, die sich am Mittwoch vor dem Reichstag friedlich, aber besorgt und auch wütend versammelt haben, verkörpern das Gewissen einer Nation, die dabei ist, ihr Kapital aus 75 Jahren Arbeit zu verspielen. Diese demokratischen Patrioten und ihre Sympathisanten von Flensburg bis Konstanz, von Aachen bis Görlitz sind Deutschlands Hoffnung inmitten von zwei Untergängen im November 2020.


Hübner auf der Buch-
messe 2017 in Frankfurt.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite erreichbar.