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Reddit-Kids sprengen die Wall Street

Internet-Kids haben diese Woche Börsengeschichte geschrieben und den Hedgefonds Melvin Capital vermutlich in die Insolvenz getrieben. Die Biden-Regierung sprang sogleich für ihre Wall Street-Freunde in die Bresche und will einen Riegel vorschieben.

Gelangweilte Corona-Kids, die sich auf Reddit unter r/wallstreetbets treffen, haben festgestellt, wie sie die Hedgefonds-Branche in die Enge treiben („Short Squeezen“) können. Hedgefonds leben davon, auf fallende Kurse zu wetten, und scheuen dabei oft nicht davor zurück, schlechte Nachrichten über ohnehin schon strauchelnde Firmen zu lancieren, die dadurch oft erst in die Pleite gedrückt wurden.

Beobachter warfen Hedgefonds-Investoren wie George Soros lange vor, auf diese Weise Firmen, Branchen und sogar Währungen und ganze Länder in die Insolvenz zu treiben. Manchmal nutzen Investoren wie Soros willfährige Journalisten und Medien-NGOs, um negative Meldungen über Firmen zu verbreiten, wobei diese Hedgefonds bereits auf fallende Kurse gewettet haben.

Das Problem ist: Steigt der Kurs kurz vor Ende der Wette, wird es für diese Hedgefonds eng. Dann müssen sie sich die Aktie, die sie leer verkauft haben (d.h. ohne sie zu besitzen) für teures Geld kaufen. Die Wallstreetbets-Kids bemerkten, dass besonders gierige Hedgefonds die Aktie der strauchelnden Videospielkette „GameStop“ zu mehr als 100 Prozent leerverkauft hatten und der Bedarf eigentlich gar nicht mehr zu decken war. Wallstreetbets-Nutzer begannen, die GameStop-Aktie zu kaufen und damit die Kurse in die Höhe zu treiben. Noch dazu verknappte die r/wsb Gemeinde das Angebot, indem sie ihren Brokern untersagten, ihre Aktien für Leerverkäufe zu nutzen.

Die GameStop-Aktie, die Anfang 2020 noch bei vier US-Dollar gestanden hatte, schoss am 26. Januar von 145 auf 351 US-Dollar, die Wallstreetbets Nutzer wurden zu Millionären. Im Januar machte die Aktie ein Plus von 1,241 Prozent. Dann sprang noch Unternehmer-Wunderkind Elon Musk an Bord, der selber mit seiner Firma Tesla unter Druck von Hedgefonds geraten war, und twitterte den r/wallstreetbets Link and seine 43 Millionen Follower. „GameStop“ wurde nach Börsenumsatz zur größten Firma der Welt, noch vor Apple, Amazon und Facebook. Die Hedgefondsfirma Melvin Capital musste sich 2,75 Milliarden Dollar leihen und steht nun trotzdem vor der Insolvenz.

Die Wall Street eilt nun ihren Freunden zu Hilfe, die Börse-App Robinhood – auf dem viele Reddit-Kids unterwegs waren – hat den Kauf von GameStop Aktien auf ihrer Plattformen ausgesetzt, nicht aber den Verkauf. Es war ein offensichtliches und möglicherweise illegales Manipulationsmanöver zugunsten der Hedgefonds wie Citadel Capital, die an Robinhood beteiligt sind. Die erste Sammelklage von geprellten GameStop-Anlegern wurde aufgesetzt, und ein Insider bei Robinhood berichtete auf Twitter, dass die Firma unter Druck gesetzt wurde, den Handel auszusetzen.

Die neue US-Finanzministerin Janet Yellen – selbst mit Millionen mit der Wall Street im Bett – kündigte an, gegen den Aufstand des Pöbels vorgehen zu wollen. Yellen hat vergangenes Jahr vom Melvin Capital-Anteilseigner Citadel Capital 810.000 US-Dollar Rednergebühren erhalten. Die Pressesprecherin der Biden-Regierung, Jen Psaki, weigerte sich auf der Pressekonferenz zu sagen, ob sich Yellen von dem Citadel-Fall wegen Befangenheit entschuldigen wird, mit dem Hinweis, Yellen sei „eine Frau, die sich sehr gut mit Börsen auskennt.“ Yellen soll am Freitag Biden über den größten Börsenskandal der Neuzeit briefen. Der Börsenausschuss des Kongresses kündigte Anhörungen zum Skandal und den Verbindungen zwischen Yellen, Citadel und Robinhood an.

Damit scheint der Angriff auf die Hedgefonds, der die gesamte Wall Street kurzzeitig in Bedrängnis brachte, mit fraglichen Mitteln abgewendet worden zu sein. Doch das Internet ist schwer zu bändigen, und der Geist lässt sich vielleicht nie wieder in die Flasche bewegen. Ob das Geschäftsmodell von Hedgefonds-Investoren wie Soros nach dem 27. Januar überhaupt noch funktioniert, scheint fraglich.