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Endlich ist sie weg!

Von TOBIAS | Wir werden diesen Satz im Herbst in anderem Zusammenhang noch einmal sagen, aber im Moment gilt er nur für die unbeliebteste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten: Keine andere Mannschaft der deutschen Fußballgeschichte wurde je zuvor vom Publikum mit so viel Gleichgültigkeit, Ablehnung, ja sogar Wut und Zorn auf einem Turnier begleitet. Nie zuvor hat auch der Autor dieses Textes so sehr auf den Sieg einer gegnerischen Teams gehofft wie am Dienstag: „England hat gesiegt, diese arrogante Truppe ist endlich weg!“ – das war mein erster Gedanke nach dem Schlusspfiff, gefolgt von echtem inneren Wohlgefühl.

Dieser Haufen überheblicher Besserwisser, politischer Heilsprediger, diese durch nichts als hochtrabende Klugschwätzerei, aber keinerlei Korpsgeist zusammengehaltene Truppe war endlich rausgekickt worden, wenn auch viel zu spät, schon in der Vorrunde hätte das passieren müssen. Schade, dass es nicht die Ungarn waren, die diesen nervenden Haufen vom Rasen scheuchten, aber den Engländern sei diese Freude genauso gegönnt!

Die Presse schweigt das Thema tot, sie kennt die wunden Stellen und versucht sie mit künstlicher Wohlfühlatmosphäre zu kaschieren, aber zu den unvergesslichen Seltsamkeiten dieses Turniers gehört auch die spürbare Distanz zwischen den kickenden Millionären, die im Stadion die große Polit-Show veranstalteten, und den Fans daheim. Noch nie war der emotionale Abstand zwischen Fans und deutscher Nationalmannschaft so groß, noch nie war so wenig Freude über das deutsche Team zu spüren wie diesmal.

Mehr noch: Viele Fans empfanden eine regelrechte Wut auf diese eitle Truppe, die sich ständig als politische Selbstdarsteller und Wichtigtuer in Szene setzen statt sich um Ball und Tor zu kümmern. Kniefall ja oder nein, nach der peinlichen Regenbogen-Show noch mal eine Extraportion an belehrendem Polit-Theater, das waren die einzigen Themen, mit denen die sogenannte „Mannschaft“ in diesem Turnier von sich reden machte. Und das waren die Themen, mit denen dieser Haufen überheblicher, neunmalkluger Millionäre den Fans daheim vom ersten Turniertag an auf die Nerven ging.

Aber endlich ist sie weg, und hoffentlich kommt weder diese „Mannschaft“ mit dieser abgrundtief dämlichen Bezeichnung noch diese Form von Fußball jemals wieder! Fußball hat nichts mit Politik zu tun, sondern mit Freude am Fußball-Spielen. Wir wollen in Zukunft wieder eine Nationalmannschaft sehen, die in einem zwischen Nationen ausgetragenen Turnier auch so heißt und zu diesem Namen selbstbewusst steht. Wir wollen wieder eine Nationalmannschaft sehen, in der Spieler nicht nach Abstammungsproporz ausgewählt werden, sondern nach Können.

Wir wollen wieder eine Nationalmannschaft sehen, die echten Korpsgeist zeigt, weil jeder weiß, dass er nur mitspielen darf, weil er gut ist, nicht weil er einen türkischen Vater hat. Wir wollen wieder eine Nationalmannschaft sehen, die es als Ehre empfindet, als Auswahl der Landesbesten für das Land zu spielen, dem man alles verdankt, was man geworden ist. Und wir wollen endlich wieder eine Nationalmannschaft sehen, die den Berliner Politikern, die den Fußball für ihre eigene Propaganda instrumentalisieren wollen, trotzig den Mittelfinger zeigt.

Dann, wenn Fußball-Sport also wieder echter Sport sein wird, wird sich auch der Autor und mit ihm sicher viele andere Fans wieder auf Spiele der Nationalmannschaft freuen und beim nächsten Spiel gegen England wieder Deutschland die Daumen drücken.