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Der Vasall muss weit nach Osten reisen

Von WOLFGANG HÜBNER | An diesem Montag startet von Wilhelmshaven aus die Fregatte „Bayern“ eine mehr als sechsmonatige Seereise mit dem Ziel Südchinesisches Meer. Militärisch ist die Mission des Schiffes mit mehr als 200 Besatzungsmitgliedern unbedeutend, politisch jedoch ist sie sehr viel brisanter als in den deutschen Medien dargestellt.

Denn die „Bayern“ soll gleich zwei Großmächten eine Botschaft vermitteln: China soll wissen, dass Deutschland an der Seite des Hauptrivalen USA steht. Zwar wird sich die Fregatte nicht an US-Operationen in von China beanspruchten Hoheitsgewässern beteiligen, so jedenfalls die Darstellung des Bundesverteidigungsministeriums. Doch die lange Reise der „Bayern“ soll Peking die deutsche Waffenbrüderschaft mit einer USA signalisieren, die offenbar entschlossen ist, der militärischen Macht Chinas schon vor dessen Küsten Grenzen zu setzen.

Der Bundesregierung wird und kann es nicht ganz wohl sein mit dieser Marinemission. Denn der deutsche Außenhandel, insbesondere die Autoindustrie, ist sehr abhängig vom chinesischen Markt. Damit hat Peking eine scharfe Waffe gegen Deutschland im Köcher. Und es kann kein Zweifel bestehen, dass die chinesischen Machthaber sehr genau und mit Befremden registrieren, wer da mit einem Kriegsschiff ins ferne Meer nahe des eigenen Territoriums strebt.

Tatsächlich haben deutsche Waffen in diesem Teil der Welt nichts zu suchen und haben dort schon gar nichts zu verteidigen. Doch der ökonomische Hegemon der EU ist eben auch weiterhin ein amerikanischer Vasall. Und die USA lassen gerade unter der Präsidentschaft von Joe Biden keinen Zweifel daran, dass ihr militärischer Schutz Deutschlands seinen Preis hat.

Dieser Preis besteht nun mehr und mehr darin, der eskalierenden Gegnerschaft der USA gegenüber Russland und China politisch, wirtschaftlich und militärisch zu folgen. Elementare deutsche Interessen sprechen zwar dagegen, sich in diese gefährliche Konfrontation der Großmächte einzulassen. Doch sind die tonangebenden Kräfte in Washington nicht mehr bereit, das bisherige deutsche Hindurchlavieren in Sachen Außen- und Militärpolitik hinzunehmen.

Daran haben die Amerikaner schon kurz nach der umstrittenen Präsidentenwahl im November 2020 keinen Zweifel gelassen. Die „Bayern“ wird deshalb wohl nicht als das letzte deutsche Kriegsschiff im Südchinesischen Meer herumkreuzen.  China dürfte jedoch dem Geschehen vor seinen Küsten nicht taten- und folgenlos zuschauen. Der deutsche Vasall hat auch noch aus Peking eine Rechnung zu erwarten.


Hübner auf der Buch-
messe 2017 in Frankfurt.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite und seinen neuen Telegram-Kanal erreichbar.