Angewandtes „Recht“ im Swat-Tal

„Endlich Recht bekommen“ freute sich die ZEIT mit den Menschen, die im Swat-Tal (im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet) angeblich über die Einführung der Scharia jubelten. Denn schließlich handelt es sich um eine Scharia light, ohne Enthauptungen und ohne abgehackte Hände. Es gibt kein Arbeitsverbot für Frauen und kein Verbot zu studieren.

Wie sich die real existierende Soft-Version präsentiert, die den Menschen „eine Form von nachvollziehbarer, akzeptierter und wirksamer Rechtsprechung gibt“, darüber berichtet der TAGESSPIEGEL.

Ihre Häuser sind ihr Gefängnis – denn sobald die Frauen aus dem pakistanischen Swat-Tal sich allein vor die Tür trauen, bringt sie das in Lebensgefahr. Sie haben fast keine Rechte mehr. (…) Nur noch in Begleitung eines männlichen Verwandten dürfen die Frauen aus dem Swat-Tal auf die Straße, obendrein von Kopf bis Fuß verhüllt.
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62.000 Mädchen und Jungen stehen jetzt ohne Chance auf Schulunterricht da. Huma Batool empfindet auch den Alltag jenseits ihrer Arbeit als Qual: Nicht einmal zum Einkaufen darf sie ohne einen männlichen Angehörigen gehen – weshalb sie oft stundenlang zu Hause festsitzt, bis sich ein Begleiter findet. Vorbei die Zeiten, in denen die gut ausgebildete und finanziell unabhängige Frau ein selbstbestimmtes Leben führen konnte. Ihre Einkäufe dienen nur noch der Grundversorgung, denn jedes irdische Vergnügen haben die Taliban längst verboten – mit der Begründung, das sei un-islamisch. Schönheitssalons haben die Radikalislamisten dichtgemacht, und auch jede Art von Unterhaltung ist untersagt: „Das Leben ist sterbenslangweilig“, klagt Huma: „An Kabelfernsehen dürfen wir nicht einmal denken, ebensowenig wie an Kinos, an Filme oder Musik.“

Auf den Basar darf sie auch nicht mehr, dort haben die Taliban den Frauen nämlich den Zutritt verboten. Selbst wenn es um Leben und Tod von Frauen geht, lässt das die Taliban kalt. Eine 35-jährige Krankenschwester berichtet, Frauen dürften nur noch in Begleitung eines männlichen Verwandten ins Krankenhaus kommen – selbst, wenn sie schwer krank seien.

Das hat natürlich nichts mit dem Islam zu tun. Vermutlich handelt es sich bei den hier herrschenden Taliban um islamistische Fundamentalisten, wenn nicht sogar um radikale islamistische Fundamentalisten, die die moderate Scharia light falsch interpretieren.

(Spürnasen: Juris P. und LEOBOLDEK)