Der Waschbär-Irrtum

Im Tiergehege auf dem Kreuzberg in Berlin gab es einen trolligen Waschbären, der sich gerne füttern ließ. Die Passanten steckten kleine Leckerbissen durch den Maschendrahtzaun, der Waschbär nahm sie, rannte zu seinem Wasserbecken, wusch sie dort und verzehrte sie mit großer Behaglichkeit. Wie niedlich! Wie süß! Ach, ist der lieb! Doch manchmal kam kein Futter und dann konnte es vorkommen, dass er einem in den Finger biss. Wie undankbar!

Das ist der Waschbär-Irrtum, denn der Waschbär ist weder dankbar noch undankbar. Natürlich nimmt er Futter, wenn der Mensch zu dumm ist, es festzuhalten. Selbstlose Gaben kommen im Weltbild der Waschbären nicht vor, außer bei der Aufzucht der Jungen. Ansonsten nimmt sich jeder, was er kriegen kann.

Selbstlosigkeit oder die Tugend des Gebens entwickelte der Mensch im Laufe seiner kulturellen Entwicklung, vorwiegend in jüdisch-christlich und buddhistisch geprägten Kulturen. Es sind (waren?) dies Kulturen des Mitgefühls und der Nächstenliebe, das sich zunächst auf den Mitmenschen bezog, später auch auf andere Mitgeschöpfe übertragen wurde (der Tierschutzgedanke entstand im Christentum). Wer hatte, wer helfen konnte, der unterstützte den armen Nachbarn, Kranke wurden gepflegt, Trauernde getröstet, der heilige Martin zerteilte seinen Mantel, um einen Bettler vor dem Erfrieren zu bewahren.

Doch halt. Völlig selbstlos ist die Sache nicht. Menschen, die andere unterstützen, registieren sehr genau, ob sie auch Unterstützung bekommen, wenn sie selbst in Not geraten. Ich helfe dir und du hilfst mir. Sehe ich, dass du mich nur ausnutzt, dann klopfst du das nächste Mal vergeblich an meine Tür. „Wie du mir, so ich dir!“

Diese interpersonellen Solidarsysteme funktionierten also auf Gegenseitigkeit, man hatte die Chance, etwas zurück zu bekommen. Das gilt sogar für den Kreuzberger Waschbär. Denn er ‚bezahlt‘ für sein Futter mit Trolligkeit; er bringt uns zum Lachen.

Das Problem ist, dass die interpersonellen Solidarsysteme durch staatliche abgelöst wurden, denn jetzt funktioniert das „Wie du mir, so ich dir!“-Kontrollsystem nicht mehr. Der Staat ist blind. Er registiert nicht, wer etwas zurück gibt und wer nicht. Das spielt solange keine Rolle, solange der Anteil derjenigen, die Solidarsysteme ausnutzen, sich in Grenzen hält. Jeder Staat kann einen gewissen Prozentsatz von sozialen Betrügern verkraften – je reicher er ist, desto mehr. Und meistens funktioniert es ja auch so, wie von den Erfindern der staatlichen Solidarsysteme gedacht. Wem es gut geht, der zahlt in eine gemeinsame Kasse ein. Wer (vorübergehend) in eine Notlage geraten ist, der entnimmt ihr etwas. Betrachten wir den klassischen Fall einer jungen Studentin, die schwer seelisch erkrankt und darum ihr Studium nicht fortsetzen kann. Dank der Solidarsysteme erhält sie Hartz IV, eventuell Wohngeld und kostenlose medizinische Behandlung. Sie hat gute Chancen, ihre Krankheit zu überwinden und das Studium zu beenden. Gelingt ihr das, dann wird sie früher oder später Geld verdienen und über ihre Steuerabgaben die Hilfe zurückerstatten.

Nun haben wir allerdings seit geraumer Zeit eine verstärkte Zuwanderung von Mitbürgern aus Kulturkreisen, denen der Grundgedanke des Mitgefühls und der Nächstenliebe völlig fremd sind. Staatliche Solidarsysteme existieren dort nicht und interpersonelle Solidarsysteme beschränken sich auf die Blutsverwandten, die Großfamilie, den Clan. Rein formal existiert eine Armensteuer im Islam, doch erstens profieren (rein theoretisch) nur Muslime von ihr (Nicht-Muslime gehen leer aus) und in der Praxis funktioniert dieses System nicht, wie die gewaltigen Zahlen der Armen in islamischen Ländern beweisen. Die Armensteuer wird nicht aus Mitleid mit dem Armen gegeben, sondern um eine Pflicht gegenüber Allah zu erfüllen.

Das hat ganz entscheidende Auswirkungen. Diese Mitbürger verhalten sich den staatlichen Solidarsystemen gegenüber ein bisschen so wie der Waschbär gegenüber der ihn fütternden Hand. Ohne Verständnis, weil es im Weltbild der Muslime weder selbstlose Gaben noch Mitgefühl und Nächstenliebe gibt. Aber genommen wird gerne, und mit hoher Bereitschaft. Die einzige Pflicht des Muslims ist es, Allah zu gehorchen. Selbstlose Gaben, Mitgefühl und Nächstenliebe wurden von Allah nicht angeordnet. Nehmen wurde von ihm angeordnet.

Damit entstehen automatisch Konflikte, wenn die Solidarsysteme der westlichen Länder und die neuen Mitbürger aufeinander treffen, denn sie begreifen sehr schnell, dass man hier etwas bekommen kann, ohne etwas zurück zu geben. Zur Lösung bieten sich zwei Möglichkeiten an. Einerseits die Abschaffung der staatlichen Solidarsysteme. Oder: der Staat muss ‚entblindet‘ werden; er muss registieren, wer einzahlt und wer nur entnimmt. Und dann müssen jene, die nur entnehmen, dazu gebracht werden, eventuell mit Gewalt, sich an den Einzahlungen zu beteiligen.

Jetzt kommt natürlich noch der obligate, aber eigentlich überflüssige Passus, dass hier keinesfalls bestimmte Mitbürger mit Waschbären, ergo Tieren, verglichen oder gar gleichgestellt werden sollen. Lediglich bestimmte Verhaltensweisen werden analogisiert.

Die Gutmenschen sehen natürlich alles ganz anders. Sie füttern und sie lassen sich beißen. Sie behandeln ihre Klientel so, als seien sie Waschbären. Sie sind die Rassisten, nicht wir. Und: Muslime sind nicht ’niedlich‘.

(Gastbeitrag von Rumpelstilzchen)