Rendsburg: Ein Muezzin wie ein Staubsauger

Der Muezzinruf, der bald vom umstrittenen Rendsburger Minarett erschallen soll, wird angeblich nicht lauter sein als ein Staubsauger. So sieht das jedenfalls ein auf die Sorge der „Lärmbelästigung“ für religionsfreie Ohren (PI berichtete) erstelltes „Schallgutachten“ vor. Der Muezzin darf nicht lauter rufen als 45 Dezibel. Wie wird da wohl die Stellenausschreibung lauten? Gesucht: Islamischer Staubsauger oder Muezzin mit leiser Stimme respektive Dauerheiserkeit?

Die Schleswig-Holsteinische Zeitung berichtet:

Nach Informationen unserer Zeitung soll der lautsprecherverstärkte Gebetsruf vom Minarett der größten Moschee Schleswig-Holsteins im Umkreis von 100 Metern aber lediglich mit einer Dezibelzahl von 55 bis 45 zu hören sein.

Zum Vergleich: Selbst ein Staubsauger verbreitet mehr Lärm, dieser ist aus einem Meter Entfernung mit rund 70 Dezibel zu hören. In einem ruhigen Schlafzimmer herrschen bei Nacht 30 Dezibel. Der Ruf des Muezzin ist laut Gutachten etwa mit Zimmerlautstärke gleichzusetzen. Deshalb ergeben sich für das Islamische Zentrum Rendsburg aus der Expertise auch keinerlei Einschränkungen. Das heißt, der Muezzin dürfte zu jedem Gebet, also fünf Mal am Tag, rufen.

Eine endgültige Entscheidung über den Muezzin-Ruf ist mit dem Lärmgutachten jedoch nicht gefallen. Noch wartet die Stadt auf die Ergebnisse eines Rechtsgutachtens. Diese sollen am Montag vorliegen. Am Dienstag will Rendsburgs Bürgermeister Andreas Breitner (SPD) dann verkünden, ob und wenn ja, wie oft der Gebetsruf ertönen darf. Ahmet Yazici, der stellvertretende Vorsitzende des norddeutschen Bündnis Islamischer Gemeinden (BIG), betonte gestern erneut, dass den Muslimen an einer einvernehmlichen Lösung gelegen sei: „Wir wollen keinen Ärger.“

Wenn das BIG „keinen Ärger“ will empfiehlt sich eine Stellenausschreibung wie oben beschrieben.

UPDATE: Am kommenden Dienstag, dem 2.2.2010 um 15 Uhr, wird Rendsburgs Bürgermeister Andreas Breitner auf einer Pressekonferenz im neuen Rathaus seine Entscheidung zum öffentlichen, lautsprecher-verstärkten Muezzinruf von den 26m hohen Minaretten der IGMG-Moschee bekanntgeben. Interessierte Bürger können ihre Meinung dazu selbstverständlich in Wort und Schrift vor dem Rathaus kund tun.