Türkisches Kino: Gaza-Flotille wird gerächt

Tal der Wölfe PalästinaIm Kino lebt die Türkei schon einmal aus, was ihr Führer Erdogan vorlebt: Weltmachtstreben. Um auch den letzten Skeptiker davon zu überzeugen, wie tief in der türkischen Gesellschaft antisemitische Überzeugungen und Emotionen verwurzelt sind, werden im neuesten Kunstbeitrag der islamischen Welt Israelis durch einen türkischen James-Bond-Verschnitt reihenweise getötet.

Die toten Juden sorgen für die Kulisse, vor der die „Verantwortlichen für die Attacke“ auf die Gaza-Flotille durch den Todesboten Ankaras, den Geheimagenten Polat Alemdar, gesucht und gemäß den bisher veröffentlichten Ausschnitten wohl auch gefunden werden.

Der Spiegel sorgt derweil in Deutschland schon einmal für das richtige Propaganda-Umfeld, indem er Verständnis für das „angekratzte türkische Ego“ durchscheinen lässt und an ein angebliches „Blutbad“ erinnert. Wie der Spiegel darauf kommt, die Verantwortlichen für die Toten der Gaza-Flotille ließen sich in Israel finden, wird wohl das Geheimnis der Autoren dieses Artikels bleiben. In der Kulturredaktion des Spiegel scheint noch nicht angekommen zu sein, dass diese „Passagiere“ den Tod gesucht und wunschgemäß gefunden haben.

Der aus der Tal der Wölfe-Reihe tätige türkische Geheimagent nimmt es – so der Spiegel – mit Israel und damit einem mächtigen Feind auf. Aber nicht nur der Spiegel produziert geistig einfache Kost, sondern auch der türkische Film greift beliebte und alte Ressentiments auf.

Im neuen „Tal der Wölfe“-Film ist der jüdische Staat nun vollends ins Fadenkreuz der Filmemacher gerückt. Alemdar macht gleich zu Beginn klar, dass der Judenstaat in seinen Augen keine Existenzberechtigung hat. Als er bei der Einreise nach dem Grund seines Aufenthaltes in Israel gefragt wird, antwortet er: „Nicht nach Israel reise ich ein, sondern nach Palästina.“ In einer anderen Szene des Trailers, der seit Kurzem in türkischen Kinos läuft, wird Alemdar von einem Israeli bedroht. Er werde das dem Volk Israel versprochene Land nicht lebend verlassen, wird dem türkischen Bond prophezeit. Alemdar darauf: „Ich weiß nicht, welcher Teil dieses Landes dir versprochen wurde. Ich verspreche dir ein tiefes Grab.“

Der türkische Filmkritiker Deniz Tansi findet keinen Gefallen an dem Film, aber offensichtlich auch nicht an der Realität. Denn trotz der vielen gegenteiligen Entwicklungen träumt er von einer sich öffnenden und demokratisierenden Partei.

Der nationalistische und gewaltverherrlichende Tonfall, gemischt mit islamischer Nostalgie über die guten alten Zeiten des Osmanischen Reiches, in dem es noch keine vermeintlich imperialistischen Fremdkörper, keine Zionisten und keine Amerikaner gab, passe nicht in diese Zeit, in der sich die Türkei eigentlich demokratisieren und der Welt öffnen wolle, so Tansi. „Wozu brauchen wir dann noch Nachrichten, wenn wir Verschwörungstheorien und Polat Alemdar haben“, schreibt der Kritiker.

Es fragt sich, was mehr mit der Realität in der Türkei zu tun hat. Die Geisteshaltung, wie sie der Film propagiert, oder die Heile-Welt-Fantasien des Deniz Tansi und all der Beitrittsbefürworter, die diese Türkei lieber heute als morgen in der EU sähen.

Trailer zum Türkischen James-Bond-Verschnitt: