„Den Teufel mit dem Belzebub austreiben?“

Leserbrief an PIImmer wieder erreichen uns Leserzuschriften mit Spürnasentipps, Anregungen – aber auch Kritik. Meist genügt es dabei, dem Absender eine kurze Antwort zukommen zu lassen. Die eine oder andere Mail bleibt dabei auch liegen, da unser kleines Team ehrenamtlicher Blogger mit der Arbeit gar nicht hinterher kommt.

Manchmal – so wie in diesem Fall – sind aber auch Zuschriften dabei, die wir künftig hier auf PI für alle einsehbar beantworten wollen. Dies soll vor allem dann geschehen, wenn wir den Eindruck haben, dass ein Thema mit Bezug zu PI auch viele andere Leser beschäftigt. Den Auftakt zu diesem Austausch soll eine Leserzuschrift bilden, die sich kritisch mit PIs Affinität zum Christentum beschäftigt:


Liebes PI-Team,

seit Jahren lese ich bei Euch mit und kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich mich ohne Euch ausgewogen informieren sollte. Wenn ich mal wieder, besseren Wissens, einen politisch korrekten, ökologisch ausgewogenen und gender-gemainstreamten Artikel in einem Qualitätsmedium gelesen habe, seid Ihr meine Rettung. Kann ich mich doch bei Euch versichern, dass ich nicht der einzige Mensch in diesem Lande bin, der noch nicht dem rot-grünen Multi-Kulti-Wahn verfallen ist und dass ich, wenn auch nicht zum Mainstream gehörend, zumindest nicht alleine bin.

Ich hoffe darum auch, dass sich mehr Medien von PI ermutigen lassen über tabuisierte Themen zu berichten und die Unerschrockenheit die man hier findet andere Menschen inspiriert. Denn was die Berichte hier von den Berichten anderswo unterscheidet ist vor allem, dass man hier die Wahrheit ungefiltert ausspricht und keine Rücksichten auf falsche Befindlichkeiten nimmt. Dass es Personen gibt, denen das Angst macht, mag akzeptabel sein, dass manche aber versuchen die Wahrheit zu zensieren ist ein zivilisatorischer Rückschritt der bestenfalls lächerlich, schlimmstenfalls aber gefährlich ist.

Was, wenn nicht die Wahrheit und die Realität sollte hier präsentiert werden um den Leuten die Augen über die oftmals auslassende und verzerrende Berichterstattung anderer Medien zu öffnen?

Dass in letzter Zeit öfters offensiv über christliche Themen geschrieben wurde, mag da manchen irritieren, geht es doch dort mehr um Ideologie und Dogmen und weniger um empirisch gesicherte Fakten. Das ausgerechnet hier, einem Blog der sich mit den verderblichen Folgen des einen Glaubens beschäftigt, ein anderer Glaube offen propagiert wird, scheint merkwürdig. Versucht man den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben?

In einem Land in dem große Teile der Bevölkerung eindeutig säkular orientiert sind, finde ich, dass ein Blog der eine derart wichtige Funktion wie PI hat, sich nicht dadurch kompromittieren lassen sollte, dass er versucht missionarisch tätig zu werden. Es ist eine Sache darüber zu berichten, dass Person A Person B einen Schlag versetzt hat. Dies ist eine Tatsache und kann unabhängig von jedweder Ideologie als solche anerkannt werden.

Schreibt man jedoch über seinen persönlichen Glauben, so ist dies gerade keine Tatsache und wird nur von Personen anerkannt, die die gleiche Ideologie verinnerlicht haben. Dies ist keiner auch nur halbwegs seriösen Publikation würdig. Vor allem da man so große Teile der möglichen Leserschaft, die von den sonstigen Problemen betroffen sind ausschließt und das Thema für christliche Zwecke instrumentalisiert und monopolisiert.

Würde jemand der einen Fußball-Blog betreibt und dort zu einer Art Koryphäe geworden ist, auf einmal anstatt über Schalke 04 und Werder Bremen über seine Einsichten zur Theosophie schwadronieren, wäre dies ebenso deplaziert, wie die Beiträge die hier für den christlichen Glauben werben sollen.

Das Thema Islam und die damit verbundene Kritik, wie auch das Scheitern der Multi-Kulti-Illusionen gehört uns allen und sollte deswegen nicht durch persönliche Glaubensvorstellungen einzelner Autoren aus dem Fokus gerückt werden. Islamkritik ist eine Frage von gesundem Menschenverstand und nicht von Religionszugehörigkeit.

Es wirkt auch nicht sonderlich ausgewogen, wenn Kritik am Islam ausgerechnet aus der christlichen Ecke kommt. Wird hier doch der Eindruck erweckt, man möchte vor allem einen Konkurrenten auf dem Markt der religiösen Ideologien ausschalten. Um es zu überspitzen: Kritisiert ein Evangelikaler, der sonst nur von seiner Liebe zu Jesus redet, den Islam, kann dies unmöglich so authentisch wirken wie bei jemandem der nicht religiös ist und einfach nur auf die Fakten hinweist.

So könnte man auch nicht erwarten, dass ein Schalke 04 Fan einen ausgewogenen Artikel über den FC Bayern verfassen würde. Glaubwürdigkeit ist jedoch, gerade wenn man eine Außenseiterposition hat, alles.

Scheinbar hat bei PI ein Prozess eingesetzt in dessen Verlauf die Plattform religiöser wird und dies auch nach außen hin zeigt. Ich halte dies für höchst bedenklich und glaube mich hier auch nicht alleine. Sich von einer anderen Person informieren zu lassen hat auch immer mit Vertrauen zu tun und sollte man hier die ursprüngliche neutralere Position nicht wieder einnehmen, werde ich dieses Vertrauen kaum mehr aufbringen können. Ich würde dies bedauern, wäre ich doch ohne Zweifel schlechter informiert.

Wie sollte jemand, der ausdrücklich nicht christlich oder religiös orientiert ist, weiterhin eine Seite besuchen, die gerade dieses Thema ganz weit vorne auf die Agenda setzt?

PI war bisher immer ein Blog für alle Menschen, die sich kritisch informieren wollten. Es wäre schade, wenn es sich in einen Blog für eine christliche Minderheit verwandeln sollte.

Viele Grüße

AO


Antwort von PI:

Lieber AO,

zunächst einmal vielen Dank für Ihre lobenden Worte zur Rolle von PI in der Informationslandschaft. Gerne veröffentlichen wir Ihre Zuschrift hier, auch weil sie die durchaus immer wieder in den Threads anklingende Kritik gut auf den Punkt bringt. Und der Austausch mit den Lesern gehört für uns zu einer guten Dialogkultur.

Um es vorweg klar zu stellen: PI hat nicht die Absicht, wie Sie befürchten, eine „christliche Missionsseite“ zu werden. Es gibt genügend Agnostiker oder auch Atheisten, die regelmäßig für uns als Autoren schreiben. Außerdem werden die Probleme unseres Landes, Europas, der USA und Israels wohl nicht durch Religion gelöst.

Entscheidend für unsere oft wohlwollende Haltung gegenüber (meist konservativen) christlichen Positionen ist aber, dass wir durchaus deren positiven Beitrag zur Erhaltung der westlichen Welt sehen. Dazu sind wir auch überzeugt, dass der heutige abendländische Humanismus und unsere hoch entwickelte Zivilisation ohne unsere christliche (Vor-)Geschichte nicht denkbar wären. In diesem Sinne schwingt soetwas wie Respekt vor unserer Herkunft, dem Fundament unserer Zivilisation, in der (Be-)Achtung des Christentums mit.

Es ist in unserem Land leider Sitte geworden, sich aufgrund der Geschichte dafür zu hassen, Deutscher zu sein. Ist es zielführend, wenn wir zu unserer unbestreitbaren christlichen Herkunft auch noch ein gestörtes Verhältnis entwickeln?! Das wird dann schnell zur „multiplen Persönlichkeitsstörung“ völlig wurzelloser Menschen.

Wir können gut verstehen, wenn viele Leser – so wie einige PI-Autoren – keinen Bezug zu Gott haben. Die modernen Naturwissenschaften machen es einem in der Tat nicht leicht, weiterhin an die Offenbarung zu glauben. Wahrscheinlich sind viele von uns auch nur noch „Herkunftschristen“. Ein Problem haben wir allerdings mit militanten Atheisten, die anderen Lesern „ihren Gott“ und ihre Werte verächtlich machen wollen.

Wer aus tiefster christlicher Überzeugung heraus Kinder in die Welt setzt und zivilisiert erzieht, sich gegen die Islamisierung und für die Bewahrung unserer Kultur einsetzt, ist ein Verbündeter des Humanisten und nicht sein Feind. Diese Christen in irgendeiner Form mit Muslimen gleichzusetzen, hat nichts mit der Realität zu tun!

In diesem Sinne würden wir uns freuen, wenn sich zwischen diesen beiden „Lagern“ mehr gegenseitiges Verständnis entwickeln würde. Schließlich haben beide Wege das selbe Ziel, nämlich den Erhalt unserer abendländischen Zivilisation.

PI

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