Friedensstadt Augsburg – Merhaba Babylon!

Auch die Stadt Augsburg veranstaltet zum 50. Jubiläum des Anwerbeabkommens mit der Türkei eine groß angelegte Propagandaveranstaltungsreihe unter dem Motto „Merhaba Augburg“, türkisch für „Hallo Augsburg!“. In einer der vielen bunten Hochglanzbroschüren mit dem Titel „heimat Babylon leitkultur multikulti transkultur“ darf sich der Augsburger Bürgermeister Peter Grab, Referent für Kultur und Sport zu dieser Sache äußern:

(Von faxendicke76)

Liebe Augsburgerinnen und Augsburger liebe Gäste, das Festival der 1000 Töne steht in diesem Jahr unter dem Motto, das auf unsere Friedensstadt im besonderen Maße zutrifft: Heimat Babylon! […]

Mal davon abgesehen, dass das biblische Babylon nicht für Frieden, sondern für die Entstehung der vielen Sprachen auf der Welt und für die Zwietracht unter den Menschen steht: Kurz zur Erklärung, warum Augsburg den Titel „Friedensstadt“ erhalten hat:

[…] Im Augsburger Religionsfrieden hatte man hatte man in der leidigen Konfessionsfrage eine modus vivendi gefunden, eine Form des Zusammenlebens, dem Kaiser und Fürsten zustimmen konnten. Auf den in den Jahren danach stattfindenden Reichstagen stimmten die versammelten Stände in der Regel der Erhebung einer Türkensteuer zu. Auch die protestantischen Stände taten dies, vorausgesetzt der Kaiser ließ ihnen ihre „Libertät“ und ihre Religion. In den letzten Jahrzehnten des 16. Jh. kam es an den Grenzen des habsburgischen Reiches zum türkischen Herrschaftsgebiet immer wieder zu kleineren kriegerischen Auseinandersetzungen. Zeitweise erkaufte sich FERDINAND, z. B. 1562, einen befristeten Frieden durch Tributzahlungen an die Türken. 1593 nahmen diese ihre Eroberungspläne auf dem Balkan wieder auf. Es begann der als Langer Türkenkrieg bezeichnete Feldzug, der bis 1606 dauerte…

Leider wird dieser geschichtliche Hintergrund in keiner der Publikationen der Stadt Augsburg, die den Slogan „Friedensstadt“ so gerne vor sich her trägt, näher erläutert.

Ironischerweise darf im schönen Augsburger Renaissance-Rathaus – die Renaissance begann in Europa, nachdem byzantinische Gelehrte nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken nach Rom fliehen mussten und das antike Wissen der Griechen und Römer mitbrachten – das „Projektbüro für Frieden und Interkultur (Kulturamt)“ in Zusammenarbeit mit dem „Dachverband türkischer Vereine in Augsburg DTA e.V.“, dem „Bündnis für Augsburg“, dem „ina Interkulturelles Netz Altenhilfe“ und „bluespotproductions“ eine Fotoausstellung samt Videoinstallation und einem Stapel Reisekoffer veranstalten. Diese Veranstaltung wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“.

Rathaus Augsburg Innenansicht
Rathaus Augsburg Innenansicht

Veranstalter

Kurz zu den veranstaltenden Organisationen:

Das Kulturamt Augsburg durfte sich, vertreten durch Bürgermeister Peter Grab, schon weiter oben vorstellen. Über den „Dachverband türkischer Vereine DTA e.V.“ in Augsburg hat PI schon früher berichtet. Frühere Recherchen in Zusammenarbeit mit der PI-Gruppe Augsburg haben ergeben, dass auch eine Gruppe der verfassungsfeindlichen Milli Görüs aus dem benachbarten Bobingen durch den Beisitzer M. Ali Bacaksiz im Verein DTA vertreten ist.

Zur Selbstauskunft des DTA auf seiner Webseite:

Die DTA setzt sich dafür ein,

» freundschaftliche Beziehungen zwischen der türkischen und der deutschen Bevölkerung aufzubauen, bereits bestehende Beziehungen aufrechtzuerhalten und fortzuentwickeln.
» die türkischen Vereine in Augsburg und Umgebung zu koordinieren, Ihre Interessen zu vertreten und Ihre Tätigkeiten zu unterstützen. Kontakte zu anderen Organisationen und Vereinen aufzunehmen, Beziehungen zu diesen zu pflegen, Tätigkeiten ausführen , die für ein harmonisches Zusammenleben mit diesen erforderlich sind.
» die Erhaltung der religiösen, kulturellen, sozialen und nationalen Werte zu gewährleisten.

Verband der islamischen Kulturzentren in Augsburg, Korankurs 1981
Verband der islamischen Kulturzentren in Augsburg, Korankurs 1981

Man stelle sich den Aufstand der Linken und der Gutmenschen gegen einen „Dachverband deutscher Vereine“ vor, der auf die Erhaltung der „religiösen… sozialen und nationalen Werte“ pocht, wenn er mit öffentlichen Geldern gefördert eine Propagandaausstellung im Augsburger Rathaus veranstalten würde! Aber die Logik selbsternannter „Anti-Rassisten“ hat bekanntermaßen nun mal ihre eigenen Regeln.

Zum nächsten Mitveranstalter; dem „ina Interkulturelles Netz Altenhilfe“. Darüber weiß die „Augsburger Allgemeine“ mehr zu berichten. Dem geneigten Leser stellt sich spätestens jetzt die Frage, warum für die Zuwanderer aus den GUS-Staaten, die mit 8,4% der Gesamtbevölkerung in Augsburg im Vergleich zu 8,1% aus der Türkei, nicht auch so ein Spektakel unter dem Motto „Spasiba Augsburg“ veranstaltet wird.

Positiv hervorzuheben ist, dass das „Interkulturelle Netz Altenhilfe“ zu den wahren Hintergründen des Anwerbeabkommens in einer ausliegenden Broschüre bei der Wahrheit bleibt:

[…] Am 22. Dezember 1955 wurde mit Italien ein erstes Anwerbeabkommen geschlossen, 1960 folgten weitere Anwerbeabkommen mit Griechenland und Spanien, 1961 dann mit der Türkei. Bemerkenswerterweise ging die Initiative auch und gerade von den Entsendeländern aus. Sie erhofften sich dadurch eine Lösung eigener wirtschaftlicher und sozialer Probleme. Darunter zählten maßgeblich die Beschaffung von Devisen (durch Heimatüberweisungen) zur Verbesserung der Zahlungsbilanz, aber auch die Abminderung von Arbeitslosigkeit und Armut im weiteren Land. […]

Und weiter:

[…] Die angeworbenen Gastarbeiter wurden überwiegend als ungelernte oder angelernte Arbeiter in der Industrie, vor allem in der Textilindustrie angestellt. Sie hatten schwere und schmutzige Arbeit zu verrichten, im Schichtsystem und Akkord. Der Vorteil für die Unternehmen ausländische Arbeiter zu rekrutieren lag auch darin, dass deutsche Arbeiter zu diesem Zeitpunkt die gleiche Arbeit nur mit weiteren Lohnzugeständnissen angenommen hätten. Insofern handelte es sich im Verlauf des Wirtschaftsbooms nicht mehr um einen absoluten Arbeitskräftemangel, sondern um einen zu behebenden Mangel an kostengünstigen, also billigen Arbeitskräften.

Die einfache Arbeit an den Produktionsmaschinen, hauptsächlich der Textilindustrie, die ohne große fachliche und sprachliche Kenntnisse auskam, war auch Vorreiter einer weiteren Entwicklung. Die Auslagerung arbeitsintensiver Industrie in so genannte Billig-Lohnländer wie nach Südostasien – effektivere Maschinen vereinfachten den Arbeitsprozess und drücken auf Anzahl und Lohn der Arbeiter – lag bereits in den Startlöchern […]

Zu den Geschichtsverfälschungen und -verdrehungen wird es spätestens dann kommen, wenn im Rahmen von „Merhaba Augsburg“ folgende Referenten meine Heimatstadt heimsuchen werden!

Zum Beispiel:

– 2.11.2011: Dr. Naika Foroutan mit ihrem Vortag: „Sarrazins Thesen auf dem Prüfstand – Ein empirischer Gegenentwurf zu Thilo Sarrazins Thesen zu Muslimen in Deutschland“
– 8.11.2011: Patrick Bahners, Feuilletonchef der FAZ mit seinem Vortrag: “Die Panikmacher – Die deutsche Angst vor dem Islam“
– 28.2.2012: Bekir Alboga M.A., Dialogbeauftragter von DITIB mit seinem Vortrag: „Muslime in Deutschland – Dialog oder Konflikt?“
– 8.3.2012: Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD): „Warum haben wir Angst vor dem schwarzen Mann? Islam in Europa“

Und viele andere mehr. Das gesamte Vortragsprogramm findet man hier. Ich bitte alle aus dem Raum Augsburg/München und Umgebung um zahlreiches Erscheinen bei den jeweiligen Veranstaltungen!

Zum Abschluss zwei Bilder aus dem Kondolenzbuch dieser Veranstaltung:

Einfühlung in die Zeitbereicherung
'Danke von Herzen für diese faszinierenden Einblick, Eindrücke und Einfühlungen in Kultur und Leben, die dargestellt und ausgestellt wurden zu unserer enormen Zeitbereicherung. Danke für die Einladung.'

100 Jahre
'Auch nach 100 Jahren werden wir als integrierte Türken hier in Augsburg unsere Kultur weiter leben lassen.'