„Migranten sind Plus-Deutsche“

asli_sevindim1_4657„Wir sind alle Deutsche – die Migranten sind im Grunde Plus-Deutsche, die die Gesellschaft bereichern. Ihre multikulturelle Identität muss endlich als wichtiger Beitrag gesehen werden.“ Das sagte WDR-Moderatorin Asli Sevindim (Foto l.) am Mittwoch auf einem überwiegend von türkischstämmigen Deutschen besuchten Diskussionsabend des Kölner Integrationsrates. Die Antwort eines Minus-Deutschen.

(Von Peter H., Mönchengladbach)

So, so. Migranten sind also „Plus-Deutsche“, in anderen Worten: Deutsche erster Klasse. Gebürtige Deutsche sind damit nur Deutsche zweiter Klasse, wenn nicht gar „Minus-Deutsche“. Rassismus pur. Zu Sevindims Begründung ließe sich einiges sagen, beispielsweise, dass wir Deutschen zweiter Klasse auf „Bereicherung“ in Form von Migranten-Gewalt viel lieber verzichtet hätten. Oder dass nicht ersichtlich ist, warum „multikulturelle Identität“ ein Beitrag sein soll. Oder wofür. Trotzdem stellt sich die Frage, ob man sich mit Sevindims Begründung überhaupt auseinandersetzen soll, denn Herrenmenschen und andere Rassisten haben immer eine Begründung dafür parat, warum sie zwischen höher- und minderwertigen Menschen unterscheiden. Wer sich erst einmal mit den Begründungen dafür auseinandersetzt, der erkennt die grundsätzliche Unterscheidung in höher- und minderwertige Menschen damit bereits an. Grund genug, auf Sevindims Begründung gar nicht erst einzugehen. Mehr als die Arroganz der neuen Herrenmenschen kann man ihr ohnehin nicht entnehmen.

Faszinierend ist jedoch, dass türkischstämmige Verbandsvertreter Rassismus immer nur bei anderen verorten. Ein typisches Beispiel dafür ist Tayfun Keltek (Foto oben r.), SPD-Politiker und Vorsitzender des nordrhein-westfälischen Landes-Integrationsrates (LAGA), der auch am Mittwoch wieder deutlich wurde:

„Rund zehn Prozent der Bevölkerung haben ein rechtsextremes Weltbild, rund ein Viertel hat fremdenfeindliche Ansichten. Das ist alarmierend.“

Interessant. Wieso findet Tayfun Keltek rechtsextreme Weltbilder plötzlich alarmierend? Erst im letzten Jahr hat sich Keltek deutlich gegen eine Studie über den Einfluss rechtsextremer Gruppen wie der „Grauen Wölfe“ auf türkischstämmige Jugendliche ausgesprochen. Wir lernen: Es ist nicht der Rechtsextremismus als solches, der Keltek stört. Solange es sich um türkischen Rechtsextremismus handelt, den Keltek als „Phantom“ abtut, hat er damit kein Problem. Es ist ausschließlich deutscher Rechtsextremismus und Rassimus, den er beklagt. Und da bezichtigt Keltek auch schon mal gerne alles und jeden; so zum Beispiel am 3. Dezember 2011 auf einer LAGA-Tagung in Mönchengladbach-Rheydt, als er u.a. Thilo Sarrazin und Heinz Buschkowsky als „geistige Brandstifter des Rassismus“ bezeichnete. Aber genug gewundert über Kelteks selektive Wahrnehmung von Rechtsextremismus und Rassismus! Schauen wir uns erst einmal an, was er am Mittwoch noch gesagt hat:

„Immer wieder werden gerade junge Migranten als kriminell dargestellt. Viel wichtiger wäre es, mehr Menschen mit Migrationshintergrund an Schulen und öffentliche Ämter zu bringen. Wir brauchen Vorbilder.“

Nun, junge Migranten werden nicht als kriminell „dargestellt“. Im Gegenteil – die meisten Medien, in denen „Minus-Deutsche“ redaktionell tätig sind, verschweigen den Migrationshintergrund junger Krimineller. Das Problem ist, dass viele junge Migranten kriminell sind. Aber viel wichtiger ist, dass Tayfun Keltek hier endlich die Katze aus dem Sack lässt und seine Forderungen stellt. Dass das Thematisieren von Rechtsextremismus und Rassismus nur die Einleitung war, die den Boden bereiten sollte, um im nächsten Atemzug Forderungen zu stellen, hat sich ohnehin längst jeder gedacht. Aber dass es ihm bei seiner Forderung nach mehr Migranten in öffentlichen Ämtern wirklich um „Vorbilder“ geht, darf getrost bezweifelt werden.

In Wahrheit dürfte es Keltek und anderen türkischstämmigen Verbandsvertretern um mehr Einfluss gehen. Denn dass diese immer mehr Druck ausüben, um Menschen mit Migrationshintergrund an Schulen und in öffentliche Ämter zu bringen, ist schon seit längerer Zeit zu beobachten. Und wenn türkischstämmige Verbandsvertreter von „Menschen mit Migrationshintergrund“ reden, so meinen sie damit keine Italiener, Spanier oder Portugiesen – denn die sind in türkischen Augen genauso wenig „Plus-Deutsche“ wie gebürtige Deutsche. Nein, wenn türkische Verbandsvertreter in Zusammenhang mit Forderungen von „Menschen mit Migrationshintergrund“ reden, so sind damit immer andere Türken und somit Muslime gemeint.

Es geht um Macht. Je mehr türkischstämmige Migranten an Schulen unterrichten, öffentliche Ämter bekleiden, gar bei der Polizei oder anderen Sicherheitsbehörden tätig werden, umso mehr Einfluss bekommen sie in Deutschland. Das ist zumindest das Kalkül von Keltek & Co. Das inflationäre Gerede über Rechtsextremismus ist dabei nur der Vorwand, mit dem türkischstämmige Verbandsvertreter Deutsche einzuschüchtern und ihnen Schuldgefühle zu machen versuchen, damit sie ihre Forderungen nach mehr Einfluss möglichst schnell und widerspruchslos erfüllen. Das gilt es, bei aller verständlichen Empörung über „Plus“- und „Minus-Deutsche“, nicht zu vergessen.