Akif Pirinçci: Augstein – erklärt

augsteinWo sind sie denn?.. Wo sind sie denn nur?.. Verdammte Scheiße, wo sind denn nur meine Tabletten hin? Ich hatte sie doch gestern Abend hier auf die Schlafzimmerkommode gelegt … Oh, entschuldigen Sie, ich habe Sie gar nicht reinkommen gesehen. Ist mir jetzt echt peinlich, daß Sie mich total aufgelöst im Nachthemd und der Zipfelmütze auf dem Kopf sehen. Es ist nur so, daß ich absolut die Kontrolle verliere und wirres Zeug von mir gebe, wenn ich meine Tabletten nicht eingenommen habe. Die beim SPIEGEL Online kennen das schon und lassen mich dann als erste medizinische Notmaßnahme eine Kolumne schreiben, bis die Tabletten wieder aufgetaucht sind. Natürlich ergibt mein Geschreibsel keinen Sinn, aber es dient meinem Wahnsinn als Ventil, das mich ein bißchen beruhigt.

Ich glaube, ich lasse mich heute über diese Griechen aus, die es sich seit Jahren nur noch vom geschenkten Geld einiger europäischer Länder gut ergehen lassen, zur hälftig von dem des deutschen Steuerzahlers. Bevor mich das zwanghafte Fratzenschneiden überwältigt, schreibe ich lieber Folgendes:

In Athen sitzen wahrhaft olympische Spieler. Zum Glück: Sie verteidigen das Erbe Helmut Kohls, um das sich die Deutschen selbst nicht mehr scheren.

Verstehen Sie das? Ich nicht. Mist, jetzt zittern mir auch noch die Hände. Schnell die nächste Salve abgefeuert:

„Andra moi ennepe, Mousa, polytropon, hos mala polla …“ Das sind die berühmten ersten Worte aus Homers Odyssee. Griechischkenntnisse schaden nicht in diesen Tagen: `Nenne mir, Muse, den Mann, den vielgewandten …´ Gut für die Griechen, daß sie noch immer solche vielgewandten Männer haben – und gut für uns. Giannis Varoufakis ist so einer, der griechische Finanzminister. In seinen Händen liegt das Spiel um Griechenlands Zukunft, um die Zukunft des Euro, um die Zukunft Europas.

Natürlich weiß ich, daß diese linken Hampelmänner nichts anderes als Schmarotzer und Parasiten sind, die nur eines durchschaut haben, nämlich die prekäre Lage von Vollpfosten von deutschen Politikern. Weil diese sich auf Gedeih und Verderb auf den Schwachsinn mit dem Euro eingelassen haben, kann man sie nun alle naselang damit erpressen, daß etwas ganz Schreckliches passieren wird, wenn das kleine faule Land über die Wupper geht. Außerdem nicken diese Geistesgrößen eh alles ab, weil sie ganz genau wissen, daß der deutsche Steuerdepp gegen seine Ausplünderung durch den Staat nicht einmal etwas unternehmen würde, wenn man seine Kinder als Leibeigene nach Griechenland verschickte. Aber was soll ich machen? Ich finde nun einmal meine Tabletten nicht. Ohohoh, jetzt bekomme ich auch noch den Deutschland-Haß-Krampf:

Wo haben die Deutschen eigentlich gewonnen? Griechenland wollte den Schuldenschnitt – das Wort fällt in der neuen Vereinbarung nicht mehr. Aber schon redet Varoufakis wieder von `Umschuldungen´. Und wer glaubt denn, außer der `Bild´-Zeitung, daß die Griechen ihre Schulden jemals zurückzahlen werden?

Niemand, auch nicht die “Bild”. Es geht ja auch nicht darum, daß irgendwer irgendwas zurückzahlt, das Geld ist futsch, sondern darum, daß die Versager bei der deutschen Regierung sich jetzt nicht hinstellen und sagen können: Sorry, war alles ein Fehler mit dem Euro, und außerdem sind wir so doof wie Kaminholz. Wenn ich meine Tabletten gefunden und eingenommen hätte, wäre ich auch zu diesem Schluß gekommen, aber so … Hier noch was aus Homers Odyssee, also von mir:

Was ist von Kohls Utopie geblieben? Am deutschen Wesen soll Europa genesen. Und wenn schon Integration, dann sollen sich gefälligst die anderen integrieren. Austerität heißt die Knute, mit der Angela Merkel und Wolfgang Schäuble den Kontinent knechten.

Häh, Angela Merkel und Wolfgang Schäuble knechten den Kontinent? Wie denn das, mit dem Blasen vom zuckersüßen deutschem Steuergeld in jedes deutschlandhassende Arschloch oder wie? Sehen Sie, wie schlimm es inzwischen um meinen Zustand steht? Milliarden rumverschenken, die andere erwirtschaftet haben, kann nämlich in Wahrheit jedes Arschloch … Ach, da sind sie ja, meine Tabletten! Gleich geht’s mir bestimmt wieder besser … (Im Original erschienen auf der Facebook-Seite von Akif Pirincci / Gefunden bei journalistenwatch.com)