Gendermainstreaming: Ideologie und Gegenstrategie

Von TRISCHA D. | Das Schlagwort Gendermainstreaming bedeutet keine Initiative für eine vermeintliche Geschlechtergerechtigkeit. Vielmehr dient die oft zitierte „Vielfalt der Geschlechter“ der Unsichtbarmachung von individuellen tradierten Lebenswirklichkeiten zu Gunsten einer undifferenzierten, wie schwer verständlichen Klientelpolitik. Diese ersetzt den tradierten Dualismus Mann und Frau durch Pro und Kontra Gender.

Genderideologiekritiker werden in Folge sofort mundtot gemacht. Dazu braucht es keinen logischen Grund. Grundsätzlich kommt die Genderideologie gerne ohne freie Diskussionen, klare Definitionen und Nachprüfbarkeit aus. Die Idee von Gender geht auf die Menschenbilder einer vorurteilsbehafteten schwul-männlichen und lesbisch-feministischen, politisierenden, akademischen Elite in der Tradition von Judith Butler zurück.

Lesbisch-schwule Milieus sind durch sehr spezifische Geschlechterrollenbilder geprägt (Boy, Tunte, Butch, Dragqueen). Von diesen werden Hierarchien und Verhaltensregeln abgeleitet: In einen Darkroom kommt keine Lesbe, Dragqueens finden auf der Bühne statt, Heterosexuelle sind eher unerwünscht und Transsexuelle in ihrer Spezifik meistens unbekannt. Trotzdem meinen Genderideologen über alles was mit Geschlecht und Sexualität zu tun hat abschließend zu befinden und eine Mehrheitsgesellschaft über ihre Ansichten aufklären zu müssen. Dabei könnten heterosexuelle und transsexuelle Menschen bestimmt auch sehr notwendige Aufklärungsarbeit in lesbisch-schwulen Milieus leisten.

Die Genderideologie stellt keineswegs eine Gesamtgruppe dar. Sie scheitert an den individuellen Lebensrealitäten von heterosexuellen Menschen, älteren Schwulen und Lesben oder auch transsexuellen Menschen, die aber trotzdem argumentativ (in Abwesenheit oder ohne echte Aufklärung) benutzt werden. Das geschieht nicht im Konsens mit den Betroffenen, sondern stellt einen „Imperialismus der Körper“ dar. Lebensentwürfe werden auf- und abgewertet, wenn sie nicht in das genderideologische Leitbild passen (Betreuungsgeld, „Homo“–Ehe und „Regenbogen“–Familie).

Betroffene werden so etwas wie Türöffner für Gendermainstreaming, die man gerne benutzt, bewertet und neu definiert. Nicht zuletzt werden Begriffsinhalte „ge-gendert“ und ad absurdum geführt. Ein schwedisches Extrembeispiel für Gendermainstreaming ist Eltern Eins und Zwei statt Vater und Mutter.

Im amerikanischen Mutterland findet eine lebhafte Genderkritik statt, die Deutschland jedoch nie wirklich erreicht hat. Das Thema wird in der EU netzwerkpolitisch von oben durch starke Lobbys der Politik diktiert und die Gesellschaft vernebelt. Genderideologie ist immer gut verpackt, schwer zu durchschauen und irgendwie jugendlich-attraktiv. Sie impliziert einen vermeintlichen Fortschritt, verkörpert durch eine politische Homosexuellenbewegung, die schöne jugendliche potente aber ge-genderte Männlichkeitsbilder neu produziert. Das ist gerade auch in lesbischen Communities ein Thema (Stichwort „lesbische Männlichkeiten und Transgender“).

Genau an diesem Punkt gibt es Schwachstellen, die das Ideengebilde sofort entzaubern können. Das wird z. B. deutlich, wenn Genderideologen über Transgender sprechen und hiervon Transsexuelle nicht ausreichend differenzieren. Transsexuelle sind das unbesprochene Problem dieser Genderideologie. Genderideologen lehnen nämlich transsexuelle Menschen ab, weil diese dem tradierten Dualismus von Mann und Frau entsprechen und somit die „heterosexuelle Matrix“ von Judith Butler nicht in Frage stellen. Gleichzeitig wird das Ideologische auch am Beispiel der Pathologisierung von Gender sichtbar (Genderdysphorie). Gender ist nie Ausdruck von Freiheit, sondern es geht um die Einführung und Kontrolle genderideologisch „wahrer“ Geschlechter. Diese ersetzen einfachste Erkenntnisse der Biologie über Frau und Mann.

Die Worthülse Gendermainstreaming ist ein Platzhalterbegriff für z. B. Transgender Mainstreaming, Butch Mainstreaming, Regenbogenfamilien Mainstreaming usw. Es geht nicht um die einfache Geschlechtergerechtigkeit von Mann und Frau, sondern vielmehr steckt hinter Gender die Idee einer Infragestellung einer sogenannten „heterosexuellen Matrix“. Das führt dazu, dass bestimmte Lebensentwürfe durch Gendermainstreaming privilegiert werden und andere Personenkreise (z. B. nicht berufstätige Mütter, Transsexuelle) benachteiligt werden, weil sie sich tradierten „heteronormativen“ Lebensentwürfen nicht ausreichend widersetzen. Ein Beispiel hierfür ist die transsexuelle Prostituierte Venus, die von einem Freier ermordet wird, was Judith Butler zu der Aussage verleitet: Diese sei selbst schuld an ihrem Schicksal und müsse den Preis für das heteronormative Frau-sein „wollen“ bezahlen.

Es ist unbedingt wichtig, dass in Deutschland eine dezidierte Aufklärung über die Schattenseiten und den Missbrauchscharakter der Genderideologie stattfindet. Engagieren kann sich jeder gegen Gendermainstreaming, indem er sich auf allen Ebenen (Familie, Nachbarschaft, Gewerkschaft, Arbeitsplatz, Schule, Kommune, Runder Tisch) einmischt und dafür sorgt, dass das Thema Gender nicht unhinterfragt ohne Kritik und Diskussion stattfindet. Aufklärung und Bildung ist das beste Mittel gegen die Gefahren einer unreflektierten Genderideologie.