Messermann Yousif Abdullah war in Chemnitzer Barbershop tätig

Wie ein Messermörder zum hartarbeitenden Friseur wird

Tag fünf nach dem Chemnitzer Messermord an Daniel Hillig (35) durch zwei geduldete und zum Teil vorbestrafte Asylbewerber. Und noch immer schweigen die Ermittlungsbehörden zu den wichtigen Details wie Motiv und Tathergang. Nach den freien Medien im Netz machen sich nun endlich auch die „investigativen“ Reporter der WELT auf Spurensuche. Und zeichnen ein völlig harmloses Bild eines der Messermörders.

Das war klar: die Reporter der WELT haben den Schonwaschgang „Weichspülen“ eingelegt, als sie die WG des irakischen Täters Yousif Abdullah (22) in Annaberg-Buchholz, 40 Kilometer von Chemnitz, aufsuchen. Noch vor der Polizei, die offenbar völlig überfordert (oder nicht gewillt) ist und mit der Zeugenbefragung im Umfeld des Tatverdächtigen nicht nachkommt. Die Reporter haben die Adresse, weil diese im Haftbefehl stand, der seit Dienstag im Netz kursiert. An anderer Stelle in der WELT wird deswegen kräftig auf die strafbewehrte Durchstecherei mit dem Haftbefehl geschimpft, aber die Adresse zu benutzen, das ist schließlich kein Vergehen – oder, liebe WELT?

Im Bericht kommen WG-Kumpels von Abdullah zu Wort. Ob Wahrheit oder Lüge – die WELT gibt alles im wohlwollenden Unterton eins zu eins wider. Kein Hinweis darauf, dass es sich um reine Fake-News, um Schutzbehauptungen, handeln könnte, die sie den befragten fünf jungen Migranten aus der Nase ziehen.

Der tatverdächtige Yousif ein Messermörder? Niemals! Vielleicht ist er vor zwei Jahren eingezogen, so in etwa, sagt einer: „Ich glaube nicht, dass er es war. Ich habe nie gesehen, dass er Probleme gemacht hat.“ Yousif Ibrahim Abdullah sei ruhig und freundlich gewesen. Er habe viel gelacht.

Ja natürlich, ein herzensguter, lachender mutmaßlicher Mörder, bleibt beim Leser hängen. Als Muslim trank er Alkohol, betete und fastete nicht – kann ein so gut in Deutschland „integrierter“ Mensch ein Mörder sein?

Besuch habe er kaum gehabt, heißt es. Nur der zweite Tatverdächtige, der Syrer Alaa Sheikhi (23), soll ab und zu in die WG in Annaberg gekommen sein.

Und schwer gearbeitet soll er haben, der Yousif, sagen die befragten Zeugen. Sechs Tage die Woche als Friseur in Chemnitz. Morgens gegen neun habe er immer das Haus verlassen und sei spätabends zurückgekommen. Ausgegangen, um Spaß zu haben, sei er kaum, nur manchmal hier in Annaberg, mit seinen Mitbewohnern. Aber wenn er frei hatte, sei er lieber zu Hause geblieben. Sei zu müde gewesen von der Arbeit.

Hier wird es interessant. Denn der zweite Tatverdächtige, Alaa Sheikhi, ließ sich vor dem Barbershop „Izzda“ in der Chemnitzer Theaterstraße fotografieren, hat PI-News recherchiert. Und erneuerte damit im Dezember 2017 sein Profilbild auf Facebook. Am Dienstagabend war seine FB-Website noch mit Bild erreichbar, am Donnerstag schon nicht mehr. Die Frage ist: wenn sich Alaa Sheikhi zweifelsfrei vor dem Barbershop ablichten ließ, hat dann sein Kumpel und Mittäter Yousif Abdullah etwa hier gearbeitet? Hat er, der mit Messern tägliche Übung hatte, womöglich seine Tatwaffe von hier? Sind die Ermittlungsbehörden dem schon nachgegangen? Keiner weiß es.

Der Barbershop, in dem Yousif Abdullah wahrscheinlich gearbeitet hat, bekommt im Web überwiegend Top-Noten. „Schnell gut und preiswert“, heißt es dort. Nur eine einzige Wertung vom Donnerstagmorgen ragte negativ heraus: „Messerstecherei Chemnitz“, lautet sie.

Im WELT-Beitrag aber wird munter weitergewerkelt an dem Bild des guten Yousif, das nicht übereinstimmt mit dem vorbestraften Messermann, den gemäß WELT die Ermittler zeichnen: dass Yousif Ibrahim Abdullah keinen Beruf habe; dass er vorbestraft sei. „Er hat nie Probleme gemacht“, betont der befragte WG-Kumpel laut WELT immer wieder, als könne er so den schweren Verdacht entkräften, der auf seinem Mitbewohner lastet: dass dieser in jener Nacht in Chemnitz bewusst mit dem Messer zugestochen und den Tod seines Opfers in Kauf genommen habe.

Update 14 Uhr:

Barbershop IzzDa bestätigt Täter als Ex-Mitarbeiter

Der Barbershop IzzDa hat auf Facebook (hier abweichend von seiner Reklame als „Berbershop“ genannt) bestätigt, dass die beiden Tatverdächtigen ehemalige Mitarbeiter waren. IzzDa schreibt:

Einige von euch haben bereits mitbekommen, das die beiden Verdächtigen im Fall von Daniel H. vom 26.08.2018 in Zusammenhang mit unserem Barbershop stehen. Diese waren ehemalige Mitarbeiter von uns und auch wir sind über die Anschuldigungen die gegen sie erhoben werden entsetzt.

Wir bedauern zutiefst, was Daniel H. und den anderen beiden Geschädigten angetan wurde und möchten hiermit auch unser Beileid an den Geschehnissen ausdrücken.

Zudem möchten wir klarstellen, das wir uns von jeglicher Art von Gewalt distanzieren und ein friedliches Miteinander für uns an oberster Stelle steht. Wir distanzieren uns von jeglicher Art von Anschuldigung solange es kein endgütliges Urteil gibt, da wir die beiden beschuldigten immer als fleißige Mitarbeiter erlebt haben, die stets freundlich zu uns und unseren Kunden waren.

Wir sind gerne in Chemnitz und arbeiten auch gerne mit den Menschen hier. Wir wollen nochmal mit Nachdruck klarstellen das wir jegliche Form von Gewalt ablehnen und auch wir in einer sicheren und freundlichen Umgebung leben wollen.

Hinweis: Kommentator „lorbas“ hat uns auch darauf aufmerksam gemacht, dass das Facebook-Profil von Alaa Sheikhi nach wie vor erreichbar ist. Dies war PI-NEWS heute nicht gelungen.