Exklusivpraktikum für „Flüchtlinge“

Zum Laubharken von München nach Sylt

Wenn Schüler ein Berufspraktikum machen, dann ist das durchaus sinnvoll. Sie lernen die Arbeitswelt kennen, orientieren sich, entdecken neue Interessen, revidieren manche mitgebrachten Vorstellungen. Das gehört zum Alltag vieler Schüler in Deutschland.

Sobald „Flüchtlinge“ an solch einem Praktikum teilnehmen, muss es dann aber etwas exklusiver sein als üblich. Zwei angebliche Flüchtlinge, Nahom aus Eritrea (angebl. 16) und Essa aus Gambia (angebl. 20) waren vom Berufsbildungswerk München in der Großstadt als Praktikanten (angebl.) nicht vermittelbar und bekamen deshalb eine Stelle auf Sylt, wo sie eine Woche auf dem Friedhof halfen.

Neben einer Zugfahrt, die mit 200 bis 300 Euro pro Person zu Buche schlägt, kamen also extra Unterkunft und Verpflegung hinzu, die zu Hause (je nachdem, wo man das ansetzt) erheblich billiger hätten ausfallen können. Wie rechtfertigt man solch eine Sonderbehandlung und andere Extras, die auch bei Praktika oder Arbeitseinsätzen anderer Flüchtlinge immer wieder auffallen?

Ein häufiges Narrativ ist das In-den-Himmel-Loben der ausländischen Arbeitskräfte, siehe hier zum Beispiel die Super-Syrer in Bremerhaven, über die PI-NEWS im März berichtete. Auch wenn es sich fast immer nur um Garten- oder Aushilfsarbeiten im Restaurant handelt, werden der hervorragende Einsatzwille und das außergewöhnliche Geschick der Betroffenen übertrieben in den Vordergrund gestellt, von mitgebrachten Qualifikationen hört man eher selten. Im Falle der beiden Afrikaner fällt der Lobgesang des Friedhofsmeisters Johannes Sprenger in der Sylter Rundschau vom 13.9. entsprechend so aus:

Von den Jungs schwärmt er in den höchsten Tönen: „Sie sind sehr interessiert, nett und höflich und gehen offen auf die Friedhofsbesucher zu. Außerdem machen sie einen wirklich tollen Job“, so Sprenger. Nahom und Essa würden zum ersten Mal Gartenarbeit machen, berichten sie.

Dass das ausgerechnet auf einem Friedhof ist, störe ihn aber absolut nicht, betont Essa und fügt (ganz bayrisch) hinzu: „Des passt scho“. Auch das frühe Aufstehen sei kein Problem, denn vor allem seien sie einfach glücklich, auf Sylt zu sein.

Kommt das so ins Arbeitszeugnis? „War sehr interessiert, nett und höflich, das frühe Aufstehen war kein Problem.“ Man sieht, dass hier andere Maßstäbe gelten. Auch was den Aufenthalt selbst angeht, hatten die beiden „Flüchtlinge“ offensichtlich die Möglichkeit, selbst über eine Verlängerung zu entscheiden. Wie die Zeitung schreibt, hängten beide noch zwei Tage an, um etwas Urlaub zu machen:

„Wir lieben diese Insel, es ist so schön hier.“ Der Strand, das Klima, die Menschen, alles würde ihnen gefallen. Viel besser als in München, daher haben sie ihren Aufenthalt sogar um zwei Tage verlängert, um noch ein wenig Freizeit zu haben. „Seitdem ich hier bin, fühle ich mich komplett anders“, sagt Essa glücklich.

Wenn andere Schüler oder ihre Eltern von irgendwoher in der Republik auch gerne einen Praktikumsplatz auf Sylt hätten, können sie hier bei Johannes Sprenger nachfragen, welche Hautfarbe oder Herkunft man dafür mitbringen muss.

(Spürnase: P. von Sylt)