Semperoper distanziert sich von Semperopernball

Dresden: Gutmenschliche Heuchelei wegen St. Georgs-Orden für Al-Sisi

Von MARKUS WIENER | Der diesjährige St. Georgs-Orden des Dresdner Semperopernballs geht an Ägyptens Präsidenten Abdel Fattah Al-Sisi. Der Ball-Organisator Hans-Joachim Frey überreichte bereits am Wochenende den Orden an Al-Sisi in Kairo – nun ist die Aufregung in der gutmenschlichen Politschickeria hierzulande groß.

Mehr oder weniger prominente Vertreter der Altparteien drohen mit einem Boykott des Semperopernballs am 7. Februar. Es sei skandalös, dass ein skrupelloser Diktator wie Al-Sisi mit einem solchen Preis geehrt werde, so der politisch-korrekte Tenor aus Dresden und Berlin.

Doch ist die Aufregung wirklich angebracht? Festzuhalten ist, dass der St. Georgs-Orden traditionell auch an ausländische Staatsoberhäupter verliehen wird. Naturgemäß befinden sich darunter nicht immer nur lupenreine Demokraten westlichen Standards. Wobei unsere selbsternannten Musterdemokraten bekanntlich auch oft genug Flecken auf der eigenen Weste haben und es z.B. mit der Wahrung von Oppositionsrechten – siehe Diskriminierungen und Behinderungen der AfD – nicht allzu genau nehmen.

Doch hinderte dieser Umstand gutmenschliche Heuchler von Linkspartei bis CDU noch nie daran, die Moralkeule gegen andere zu schwingen. So auch im aktuellen Fall. Völlig ausgeblendet wird dabei jedoch, dass der ehemalige General und aktuelle ägyptische Machthaber Al-Sisi unter den gegebenen Bedingungen einen ganz ordentlichen Job macht.

Zweifellos sind Al-Sisi herausragende Erfolge im Kampf gegen den islamischen Fundamentalismus und Terrorismus in der Region gelungen. Dort, wo noch vor wenigen Jahren die Muslimbrüder an den Schalthebeln der Macht saßen und das geopolitisch so wichtige Land mit einer viele tausend Jahre reichen Kulturgeschichte in eine steinzeitliche Islamwüste zu verwandeln drohten, herrschen nun politischer Pragmatismus und eine relative Stabilität.

Al-Sisi hat – zweifellos mit rigiden Mitteln – eine echte Trendwende in Fragen von Sicherheit und wirtschaftlicher Erholung eingeleitet. Der Tourismus boomt wieder und die christlichen Kopten schließen Al-Sisi nicht umsonst in ihre Gebete ein. Auch mit Israel pflegt Ägypten seit Al-Sisi wieder ein konstruktives Verhältnis.

All das ist in einem Land mit starken radikalislamischen Strömungen freilich nicht mit Kuschelpädagogik und rosaroten Wunschvorstellungen aus dem Baukasten deutscher Besserwisser zu erreichen. Al-Sisi und die ägyptischen Sicherheitskräfte sprechen stattdessen eine Sprache, die auch die radikalsten Fanatiker verstehen. Und falls doch nicht, können sie jedenfalls nicht weiter in Freiheit ihr Unwesen treiben.

Wenn dabei westliche Menschenrechtsstandards nicht immer eingehalten werden, so sei angemerkt, dass die deutsche Außenpolitik schon Freundschaften mit weitaus schlimmeren Despoten pflegte, wenn es ins Kalkül passte. So ist von Al-Sisi im Gegensatz zu Merkels Busenfreund Erdogan zumindest nicht bekannt, dass er verbündete islamische Terrormilizen unter dem Schutz eigener Truppen in Ländern wie Syrien oder Libyen ihre Blutspur ziehen lässt.

Deshalb erscheint die aktuelle Aufregung recht geheuchelt. Vielleicht ist es manchen Politikern hierzulande einfach unangenehm, dass Al-Sisi erfolgreich vormacht, wie man mit harter Hand den islamischen Terror eindämmen kann. Oder sie sind von der Tatsache peinlich berührt, dass die plumpe Verordnung westlicher Werte in anderen Weltregionen nicht immer zu mehr Stabilität und Frieden führt, sondern im Gegenteil autokratische Machthaber wie Al-Sisi unter verantwortungsethischen Gesichtspunkten manchmal die bessere Wahl sein können. So oder so ist die Entscheidung für die Vergabe des St. Georgs-Orden an Al-Sisi ein mutiges Signal, das Unterstützung verdient.


Markus Wiener.
PI-NEWS-Autor Markus Wiener schreibt bevorzugt zu Kölner und tagespolitischen Themen für diesen Blog. Der Politologe und gelernte Journalist ist parteiloses Mitglied des Kölner Stadtrates und der Bezirksvertretung Chorweiler. Seit über 20 Jahren widmet er sein politisches und publizistisches Engagement der patriotischen Erneuerung Deutschlands. Der gebürtige Bayer und dreifache Familienvater ist über seine Facebook-Seite erreichbar.