Höchst aufschlussreiche Unterhaltung nach Ende der Protest-Demo in Lenggries

Video: Der „Volkslehrer“ Nerling in Diskussion mit Stürzenberger

Von MICHAEL STÜRZENBERGER | Nach der Protest-Demo gegen das Speed-Dating mit „Flüchtlingen“ in Lenggries teilte mir ein Kundgebungsteilnehmer mit, dass mich jemand kennenlernen wolle. Er führte mich zu diesem Herrn, der sich „Volkslehrer“ nennt und mit dem ich mich zuvor noch nicht beschäftigt hatte. So begann das Gespräch auch ganz normal. Aber dann..

Dieser Mann, der unter dem Pseudonym „Volkslehrer“ auf Youtube einen eigenen Kanal betreibt und dort über 42.000 Abonnenten hat, heißt offensichtlich Nikolai Nerling, ist von Beruf wirklich Lehrer und wurde laut Wiki am 8. Januar dieses Jahres von einer Berliner Grundschule suspendiert, nachdem er zuvor mehrere andere Schulen wegen Beschwerden verlassen musste. Nerling soll antisemitische und verschwörungstheoretische Parolen von sich gegeben haben.

Auf dem Youtube-Kanal von Kameramann Stefan Bauer, der das Gespräch ebenfalls filmte und es schon Mittwoch Nacht veröffentlichte, hat das Video bereits über 27.000 Zuschauer und mehr als eintausend Kommentare. Es ist ein echter Zufall, dass ich noch Mittwoch Mittag, bevor wir nach Lenggries fuhren, mit Stefan Bauer ein Video-Streitgespräch über 9/11-Verschwörungstheorien aufnahmen, das wir am 11. September zum Jahrestag des islamischen Terroranschlags in New York und Washington veröffentlichen werden.

Auch siebzehn Jahre nach diesem epochalen Ereignis halten sich die alternativen Sichtweisen zu dieser besonders spektakulären Islamterror-Attacke. Der Mensch glaubt das, was er glauben möchte, und das gilt nicht nur in Bezug auf Religionen. Nach unzähligen Diskussionen und intensiver Beschäftigung mit den diversen Varianten der vermeintlichen „wahren“ Urheberschaft von 9/11 bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der feste Glaube an diese Theorien eine ganz eigene Religion ist. Mit Fakten und Tatsachen kommt man schwer dagegen an, da die überaus geschickten Macher dieser Verschwörungstheorien ihre ganz eigenen „Beweise“ präsentieren. Sie arbeiten allerdings mit Halbwahrheiten, Verdrehungen, Verfälschungen, erfundenen Tatsachen und Weglassen von Fakten, die ihre eigene Version der Geschichte als abwegig entlarven würden. Ich sehe diese Macher daher als geistige Verbrecher, die einen gefährlichen Virus in die Köpfe von ansonsten klar denkenden Menschen pflanzen.

Natürlich müssen wir immer misstrauisch bleiben und alles hinterfragen, aber wir dürfen dabei nicht in die hochspekulative und regelrecht absurde Ebene kommen. Wenn es tatsächlich eine solch massive und abartige Verschwörung gegen das eigene amerikanische Volk gebe, wäre sie angesichts der ungeheuren Tragweite und der zig hunderten darin involvierten Personen unmöglich auf Dauer geheimzuhalten. Irgendeiner steckt immer Informationen durch, das hat schon der im Vergleich dazu lächerlich geringfügige Watergate-Skandal gezeigt. Es ist völlig ausgeschlossen, dass die gesamte Befehlskette eines geplanten Massenmords an 3000 Landsleuten dichthält. Alleine das schließt das Weiterdenken an den diversen Verschwörungstheorien zu 9/11 aus. Aber das menschliche Hirn tickt eben nicht immer rational.

Dass „Volkslehrer“ & Co auch noch glauben, dass selbst Journalisten wie die BBC-Reporterin von der vermeintlichen „Sprengung“ des WTC 7 wussten, setzt dem Ganzen die Krone auf. In zig Artikeln, beispielsweise hier und hier, sowie Filmdokumentationen sind die abstrusen Behauptungen allesamt widerlegt worden. Aber wie gesagt – der Mensch glaubt das, was er glauben möchte.

Fatal daran ist aber, dass durch diese Verschwörungstheorien der wahre Verursacher – der Islam mit seinem seit 1400 Jahren andauernden Eroberungsterror – aus dem Blick gerät und sich die Aufmerksamkeit der „Truther“ auf ganz andere Phantomziele richtet: Die vermeintlich ihre eigene Bevölkerung massenmordende US-Regierung, verschlagene amerikanische Lobbyisten, kriegsgeile Manager der Waffenbranche, dunkle Geheimdienste, obskure Strippenzieher der „NWO“, hinterlistige Bilderberger und natürlich immer wieder gerne auch die jüdische „Weltverschwörung“, das internationale „Finanzjudentum“, Zionisten, Israel, Mossad & Co.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Anhänger der Verschwörungstheorien nicht nur Moslems sind, die vom Islam ablenken wollen, oder Linke, die eine tiefsitzende Abneigung gegen republikanische US-Regierungen haben, sondern auch Israel- und USA-feindliche Nationalsozialisten.

Nikolai Nerling alias „Volkslehrer“ nahm beispielsweise am 10. Mai an einer Neonazi-Demo für die Holocaustleugnerin und „Die Rechte“-Spitzenkandidatin Ursula Haverbeck teil und hielt dort auch eine Rede (Foto). Seine entlarvenden Aussagen sind in einem Video dokumentiert. So meinte er (ab Minute 6:45):

„Und wenn ich mich hier so umschaue, in einem Meer von schwarz-weiß-roten Flaggen, und Plakaten mit ‚Die Rechte‘ oder die NPD. Niemals hätte ich früher gedacht, dass ich mal in so einem Kreis stehen würde und mich hier wohlfühlen würde. Aber ich fühle mich hier wohl, weil wir die Rechten sind und die Rechten sind die Guten.“

Über Ursula Haverbeck, die Adolf Hitler „in göttlichem Auftrag handelnd“ sieht, meint er bei Minute 7:37:

„Frau Haverbeck kandidiert für ‚Die Rechte‘. Auch sie ist eine Gute. Wenn man sie in den Videos sieht, gibt es eigentlich kaum eine andere Meinung, die man von ihr haben kann.“

Nikolai Nerling alias „Volkslehrer“ ist also nicht nur ein Wirrkopf, in dem absurde Verschwörungstheorien herumgeistern, er scheint auch noch eine gefährliche Nähe zum National-Sozialismus entwickelt zu haben. Und auch hier irrt er – dies sind keine „Rechten“, sondern es sind SOZIALISTEN und damit Linksextreme. Nur eine etwas andere Variante, und zwar die nationalistische, nicht die internationale.

Einen Tag nach Lenggries hat Nerling noch ein weiteres höchst seltsames Video veröffentlicht, in dem er das Gespräch mit mir zum Anlass genommen hat, das Speed-Dating in Lenggries allen Ernstes als „Projekt der Geheimdienste“ hinzustellen, wobei er mich als deren „Mitarbeiter“ auch noch darin involviert sieht. Das Ziel dahinter sei, die „Polarisierung zwischen Muslimen und den Deutschen zu verstärken“ sowie „Angst vor dem Islam zu schüren“. Mittlerweile ist das Video zwar wieder gelöscht, aber ich habe es zu Dokumentationszwecken zuvor gesichert:

Ich möchte nicht wissen, was in diesem Hirn den ganzen Tag so alles herumspukt. Wie ein Sprengstoffhund, der in allen Ecken danach schnüffelt, worauf er abgerichtet wurde, wittert Nerling überall ominöse Verschwörungen. Meines Erachtens ist dies ein regelrechter Verfolgungswahn, der die Vorstufe zur geschlossenen psychiatrischen Anstalt darstellen könnte. In diesem Wahn surft er offensichtlich auch noch immer tiefer in der braunen Szene herum. Dieser Thor von Waldstein, den Nerling am Ende des Videos erwähnt, ist auch in die NPD-Szene verstrickt. Oliver Flesch hat sich diesen Aluhut-Träger ebenfalls vorgenommen:

Der Kommentarbereich ist nun für die weitere Analyse dieses „Volkslehrers“ und der Stichhaltigkeit der Verschwörungstheorien, die er vertritt, eröffnet.

(Kamera: Armon Malchiel)


Michael Stürzenberger
Michael Stürzenberger

PI-NEWS-Autor Michael Stürzenberger arbeitete als Journalist u.a. für das Bayern Journal, dessen Chef Ralph Burkei beim islamischen Terroranschlag in Mumbai starb. 2003/2004 war er Pressesprecher der CSU München bei der Franz Josef Strauß-Tochter Monika Hohlmeier. Von 2009 bis 2011 versuchte er im dortigen Integrationsausschuss vergeblich die Islamkritik zu etablieren. Im Mai 2011 wechselte er zur Partei „Die Freiheit“, wo er ab 2012 bayerischer Landesvorsitzender und von 2014 bis 2016 Bundesvorsitzender war. Seine Youtube-Videos haben knapp 23 Millionen Zugriffe. Zu erreichen über Facebook.




Protest wirkt: „Speed-Dating“ mit „Flüchtlingen“ in Lenggries abgesagt

Von MICHAEL STÜRZENBERGER | Die Kuppler rund um „Koordinatorin“ Annette Ehrhardt haben angesichts der großen Proteste wohl kalte Füße bekommen.

Als ich am Mittwoch Spätnachmittag mit drei Mistreitern aus München in Lenggries ankam, teilte mir die Organisatorin der „Kandel ist überall“-Protestdemo Linda Amon mit, dass das für den Abend geplante „Speed-Dating“ in Lenggries wohl abgesagt wurde.

Die große Empörung, die sich über die sozialen Medien und die Nachrichtenblogs im Internet aufgebaut hatte – u.a. berichtete auch PI-NEWS ausführlich – und der angekündigte Protest vor Ort hatten offensichtlich Wirkung gezeigt.

Ich sah mich daraufhin zusammen mit dem Kamerateam von Compact TV in dem beschaulichen oberbayerischen Städtchen um, ob diese skandalöse Kuppelveranstaltung tatsächlich komplett abgesagt oder nicht doch still und heimlich an einen anderen Ort verlegt wurde.

Der Jugendtreff im Pfarrzentrum, in dem eigentlich ab 20 Uhr junge einheimische Mädchen den „Flüchtlingen“ zugeführt werden sollten, blieb jedenfalls geschlossen:

Aber schnell machten sich Gerüchte breit, dass die nahe gelegene Zirkusschule nun als neuer Veranstaltungsort ausgewählt wurde. Sie befindet sich wie das Pfarrzentrum in unmittelbarer Nähe zum „Flüchtlings“-Heim, das bezeichnenderweise von mehreren Sicherheitsleuten bewacht wird. Dort begann ich meine Livestream-Reportage:

Der Journalist Oliver Flesch führte anschließend über seinen Youtube-Kanal ein Live-Interview mit mir:

Im Bericht des Münchner Merkur behauptet der Bürgermeister von Lenggries allen Ernstes, dass zu dem Speed-Dating – bei dem sich die „Flüchtlinge“ über gemeinsame Interessen und Musikgeschmack unterhalten sollten und von dem die Koordinatorin Ehrhardt meinte, Ziel sei jetzt erstmal nicht eine Partnerschaft fürs Leben, aber man werde sehen, wie sich das entwickelt – nur „junge Männer“ hätten kommen sollen:

Bürgermeister Werner Weindl hat die Kundgebung mitverfolgt. Besonders traurig findet er, dass sich keiner der Redner mal bei der Gemeinde über den genauen Sachverhalt informiert hat. „Das ist eigentlich der ureigenste Grundsatz des Zusammenlebens, dass man mal miteinander redet.“ Hätte jemand nachgefragt, „hätten wir ihm gesagt, dass zu der Veranstaltung ausschließlich junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren kommen, keine jungen Frauen.“ Etwas anderes sei nicht geplant gewesen. Ziel sei es gewesen, soziale Kontakte zu fördern. Da die Demonstranten ursprünglich vom Rathausplatz zum Pfarrheim ziehen wollten, „haben wir die Veranstaltung aber vorsorglich abgesagt“, so Weindl. Man habe jede Form der Eskalation vermeiden wollen.

Für eine Büttenrede mit „Wolle mern reinlasse“ hätte dieser Gag des Bürgermeisters vielleicht noch seine Berechtigung. Aber die Bürger lassen sich nach den Erfahrungen aus Kandel nicht mehr so leicht hinters Licht führen. Vor dem Gebäude der Gäste-Information gegenüber des Rathauses versammelte sich der Widerstand in der kurzfristig auf die Beine gestellten Demo, an der gut 40 Demonstranten teilnahmen:

Spontan schlossen sich auch ein knappes Dutzend trachtengewandete Bürger aus Lenggries an, die auf dem Weg zum Volksfest waren und der gleichen Meinung waren:

Gegenüber vor dem Rathaus hörten auch einige interessierte Bürger zu. Dort standen auch zwei linksorientierte Journalisten aus München:

Ob und wann die Kuppelei im „Jugendtreff“ des Pfarrhauses nachgeholt wird, bleibt offen.

Die Videos der Reden – Organisatorin und Anmelderin Linda Amon:

Rüdiger Imgart, Landtags-Direktkandidat der AfD in Weilheim:

Ich war eigentlich in Lenggries, um über den wichtigen Widerstand zu berichten. Aber als ein Redner durch eine Autopanne verhindert war, sprang ich auf spontane Einladung von Linda Amon ein:

Dr. Christina Baum, AfD-Landtagsabgeordnete in Baden-Württemberg:

Birgit Weissmann, Aktivistin:

Zum Abschluss die Bayern- und Nationalhymne:

Nach der Veranstaltung kam es zum Eklat: Das Wirte-Ehepaar der Lokalität „Altwirt“ verweigerte vier AfD-Mitgliedern, darunter einer gewählten Landtagsabgeordneten und einem Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten, die Bewirtung und schmiss sie raus. Dies veröffentlichte das ebenfalls betroffene AfD-Mitglied Heike Themel auf der Facebook-Seite „AfD deckt auf“:

Die Abendzeitung bewertet aus ihrer Sicht die über 2000 Kommentare auf der Facebookseite typisch einseitig linksorientiert:

Doch die Aktion ging nach hinten los. Anstatt sich über den „Gesinnungsfaschismus vom Feinsten“ zu echauffieren, feierten die User die Aktion des „Altwirts“: „Richtig so. Man kann sich zum Glück aussuchen wen man bewirten will“, heißt es etwa, oder: „Wunderbar! Ich werde das Gasthaus definitiv weiterempfehlen. Vielen Dank für den Tipp!“ „Das Gasthaus zum Altwirt ist mir ungemein sympathisch und wird sicherlich alsbald von mir besucht werden. Auch das Essen ist sicherlich fantastisch und schmeckt nach dieser Aktion NOCH besser!!“, schreibt ein Dritter.

Praktischer Nebeneffekt für den Wirt: Viele der Kommentatoren bewerteten den „Altwirt“ gleich noch mit fünf Punkten bei „Tripadvisor“, den Link dazu hatte die AfD-Seite netterweise unter den Post gestellt. Sie hoffte wohl, dass es hauptsächlich negative Bewertungen hagelt.

Die Süddeutsche Zeitung meldet:

Ein Link schließt den Facebook-Post ab. Er führt zur Seite des Altwirts auf dem Bewertungsportal Tripadvisor und soll wohl dazu ermuntern, schlechte Bewertungen über das Wirtshaus abzugeben. Erfolgreich ist das allerdings nicht, zuletzt wurde das Lokal dort vor zwei Wochen bewertet – und zwar gut.

Mehr passiert dagegen auf Facebook unter dem Beitrag von „AfD deckt auf und fragt nach“. Mehr als 400 Kommentare sind bereits zusammen gekommen, viele davon richten sich jedoch gegen die AfD und gratulieren den Wirtsleuten zu ihrer Entscheidung, die Rechtspopulisten nicht bedienen zu wollen.

Dieses Wirte-Ehepaar Ursula und Robert Werner hatte schon einmal AfD-Mitgliedern die Tür ihrer Wirtschaft versperrt. Laut Bayerischem Rundfunk wollen sie nun „juristisch“ gegen „Rufschädigung“ im Internet vorgehen:

In sozialen Medien werde seit Monaten Stimmung gegen ihn gemacht, sagt der Gastwirt. Im Oktober 2017 hatte er ebenfalls einer Gruppe von Rechtspopulisten die Tür gewiesen. Seitdem werde dazu aufgerufen, das Gasthaus bei Facebook oder Tripadvisor schlecht zu bewerten. „Das hat System“, sagt der Wirt.

Nach seinen Worten hat sich niemand bei ihm oder den Mitarbeitern über schlechtes Essen oder schlechten Service beschwert. Dagegen kursieren Hunderte solcher Posts und Negativbewertungen im Internet. „Ich habe alles richtig gemacht“, sagt der Wirt, „und bleibe bei meiner Linie.“ Werner will sich jetzt auch juristisch gegen die rufschädigenden Posts und Bewertungen zur Wehr setzen.

Jeder geneigte Leser kann sich an der Diskussion auf Facebook beteiligen und auch seine Bewertung der Methoden dieses Gastwirts vornehmen. PI-NEWS bleibt an den weiteren Entwicklungen in Lenggries dran.

(Kamera: Armon Malchiel; Fotos: Michael Stürzenberger)


Michael Stürzenberger
Michael Stürzenberger
PI-NEWS-Autor Michael Stürzenberger arbeitete als Journalist u.a. für das Bayern Journal, dessen Chef Ralph Burkei beim islamischen Terroranschlag in Mumbai starb. 2003/2004 war er Pressesprecher der CSU München bei der Franz Josef Strauß-Tochter Monika Hohlmeier. Von 2009 bis 2011 versuchte er im dortigen Integrationsausschuss vergeblich die Islamkritik zu etablieren. Im Mai 2011 wechselte er zur Partei „Die Freiheit“, wo er ab 2012 bayerischer Landesvorsitzender und von 2014 bis 2016 Bundesvorsitzender war. Seine Youtube-Videos haben knapp 23 Millionen Zugriffe. Zu erreichen über Facebook.