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Liefert Berlin Iranerin zur Steinigung aus?

Wer sich noch erinnern kann, wieviel gutmenschliche Besorgnis den Hassprediger Metin Kaplan („Kalif von Köln“) bei seiner Auslieferung in die Türkei begleitete, der staunt über die Ruhe im Medienwald angesichts der drohenden Abschiebung einer in ihrer Heimat zum Tode verurteilten Iranerin. Die 31-Jährige lesbische Jasmin K., die über die Türkei nach Deutschland floh, soll ausgewiesen werden, obwohl ihr im Iran die Steinigung droht.

Angeblich hätte die im Iran lebende Mutter bestätigt, dass ihre Tochter nicht homosexuell sei, wozu sie kaum eine andere Wahl hatte. Das politische Berlin gibt sich derzeit hartherzig. Juristisch sei die Sache einwandfrei, man habe leider keine Handhabe, die Abschiebung zu verhindern. Und obwohl sich sowohl der Schwulen- und Lesbenverband, als auch Volker Beck eingeschaltet haben, verläuft das Drama um Jasmin K. weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und auch die grüne Empörungsmaschinerie läuft nicht an.

Haben wir hier einen weiteres Beispiel für die von Insidern bestätigte Praxis, Härte nur bei Abschiebungen zu demonstrieren, bei denen kaum Widerstand zu erwarten ist, während Gwaltverbrecher den Schutz von Duldungen genießen? Braucht es auch hier erst wieder einen mutigen Flugkapitän, der sich weigert, den Transport zum Schafott durchzuführen? Ob die SZ, die Stefan Herre gestern frech unterstellte, dass er den Muslimen die Grundrechte verweigern wolle, sich schon für das Grundrecht auf Leben der Iranerin eingesetzt hat, ist nicht bekannt.

(Spürnasen: Jeremy und Katrin U.)

UPDATE: Der Lesben- und Schwulenverband ruft auf, mit Briefen an den Berliner Innensenator gegen die drohende Abschiebung zu protestieren. Wir bitten um Beteiligung an dieser Aktion.