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Aus der Sicht eines „Südländers“

Türkei DeutschlandIch habe einen Migrationshintergrund: Mein Vater ist Deutscher, meine Mutter Ausländerin. Bei meinem Aussehen haben sich die Gene meiner Mutter durchgesetzt – oft werde ich gefragt, ob ich Türke oder Araber sei. Geboren und aufgewachsen bin ich in Deutschland, habe Abitur gemacht und ein Studium abgeschlossen.

Die Sprachkenntnisse meiner Mutter waren + – null, als sie nach Deutschland kam. Unter anderem aus gesundheitlichen Gründen hat sie nur wenige Jahre in ihrem erlernten Beruf gearbeitet und war ihre längste Zeit in Deutschland Hausfrau. Damit sie die deutsche Sprache lernen konnte, wurde bei uns zu Hause in der Regel Deutsch gesprochen, und man hört ihr heutzutage kaum an, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Ich selber spreche akzentfrei Deutsch, beherrsche meine „Muttersprache“ dafür allerdings kaum. Deutsch war einer meiner Abitur-Leistungskurse.

Als ich 14 Jahre alt war, wurde mir bewusst, dass in diesem Land etwas nicht stimmt: Jugendliche Migranten verbreiteten Angst und Schrecken in meiner Stadt. Dabei handelte es sich nicht um Migranten im Allgemeinen, sondern um Angehörige bestimmter Volksgruppen, vor allem Türken und Kurden, aber auch Sinti & Roma. Nicht nur ich hatte diesen Eindruck, sondern auch die meisten anderen Jugendlichen in meiner Umgebung – es war klar, dass wenn man von einem Türken „angeshockt“ würde, man sich besser nicht wehrte. Mit anderen Migranten gab es in der Regel diese Probleme nicht – die Japaner in meiner Schule waren freundlich und ihren deutschen Klassenkameraden in manchen Disziplinen wie Mathematik sogar klar überlegen.

Ich habe in meinem Leben deutlich mehr negative Erfahrungen mit Migranten gemacht (z.B. ein bewaffneter Raubüberfall, bei dem mir eine Messerklinge von einem Libanesen direkt an den Bauch gedrückt wurde) als mit Deutschen. Die Auseinandersetzungen mit den Deutschen waren nebenbei bemerkt bei weitem nicht so gewalttätig wie die mit den Migranten. Mit „Rechten“ habe ich in meinem ganzen Leben nur ein einziges Mal eine schlechte Erfahrung gemacht – das war, nachdem Deutschland die Türkei in der letzten EM besiegt hat: aus einem vorbeifahrenden Auto beschimpfte mich jemand als „Scheißkanacke[n]“. Wenn ich auf einer Straße laufen würde, bei der auf der einen Seite „Rechte“ und auf der anderen Seite arabische oder türkische Migranten ständen, würde ich mich auf der Seite mit den Rechten sicherer fühlen. Ich möchte an dieser Stelle aber klar betonen, dass ich die Taten der Rechten ablehne und sie auch nicht beschwichtigen möchte.

Am meisten stört mich, dass viele Deutsche die Migranten-Probleme nicht wahrhaben wollen, sie bewusst verdrängen oder relativieren. Als ich 15 Jahre alt war, lernte ich im Politikunterricht, dass Türken „nett seien“ (kein Scherz!). Ich sagte meinem Lehrer daraufhin, dass ich das ganz anders sähe und begründete dies mit meinen eigenen Erlebnissen. Daraufhin unterstellte mir der Lehrer im Beisein der anderen Klassenkameraden, dass ich rechte Parolen verbreiten würde. Wenn ich mir vorstelle, dass so eine Situation einem Menschen mit geringer Bildung und geringem Selbstbewusstsein widerfahren würde, dann würde es mich nicht wundern, wenn dieser sich das nächste Mal an einen NPD-Funktionär statt an seinen Lehrer wenden würde. Ich denke, dass das Erstarken der rechten Szene in einem direkten Zusammenhang mit der Beschönigung von Migrantengewalt steht. Ich konnte selber hautnah miterleben, wie sich ein Freund von mir aus der Grundschulzeit in die rechte Szene meiner Stadt eingliederte. Generell hatte er nichts gegen Ausländer – ein gemeinsamer Freund von uns war Pole – aber er suchte Leute, die bereit waren, sich der Tyrannei der Türken zu widersetzen.

Ich habe außerdem selber erlebt, wie Migranten die Masche, jemandem Ausländerfeindlichkeit zu unterstellen, um ihre eigene Schandtaten zu rechtfertigen. Es geschah in einer Freizeitstätte in meiner Heimatstadt: Türken oder Kurden belästigten einen deutschen Jungen. Als ein Sozialarbeiter hinzukam, um die Situation zu klären, behaupteten die Migranten, der Deutsche hätte sie als „Scheiß-Ausländer“ beschimpft, was eine Lüge war.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das momentane Rechtssystem der Gewalt von jungen Heranwachsenden deutscher wie auch nichtdeutscher Herkunft wenig Ernstes entgegenzusetzen hat. Gerecht und sicherlich abschreckend wäre es, wenn den Gewalttätern eine noch schwerere Strafe widerfahren würde als das, was sie ihren Opfern angetan haben. Davon kann man hier aber nur träumen – für einmal Zähne ausschlagen, gibts zehn Stunden Müll im Schwimmbad aufsammeln – oder noch angenehmer ein sogenanntes „Streitschlichtungsgespräch“. Da erzählte mir ein jugendlicher Gewalttäter stolz, wie er dem Sozialarbeiter beim Streitschlichtungsgespräch irgendeine erfundene Geschichte aufgetischt hätte und so schön um eine Anzeige herumgekommen sei.

Dass jemand, der einen Menschen absichtlich in die Behinderung prügelt, nicht mindestens für mehrere Jahre ins Gefängnis geworfen wird, wie in Bremen geschehen, ist nicht hinzunehmen. Verantwortlich für das Versagen der Politiker ist sicherlich auch der Umstand, dass sie wohl die Letzten sein werden, die die Migrantengewalt hautnah erleben. Sie leben in den Reichenvierteln der Stadt, ihre Kinder werden fein mit dem Mercedes zum (Privat)Gymnasium gefahren und nachmittags geht es ab in den Tennisclub. Die Folgen der Politik spüren zu allererst diejenigen, die Tür an Tür mit den gewalttätigen Migranten wohnen. Meist sind dies sozial Schwache, die nicht den Intellekt und die Bildung haben, um sich diesen Missständen politisch zu widersetzen. Es scheint fast, als sei ein Bruch beider Kiefer eines Politiker-Kindes nötig, um der deutschen Politik auf die Sprünge zu helfen.

Ich selber ziehe es mittlerweile in Erwägung, Deutschland zu verlassen. Denn ich kann mir an drei Fingern abzählen, wie die Zukunft in Deutschland aussehen wird: viele der hier lebenden Migranten vermehren sich wie die Flöhe und liegen dabei dem Staat (also letztlich mir) auf der Tasche. Ich werde mir etwa vier Kinder leisten können – sie aber kriegen sechs oder sieben, und „ich“ bin letztlich derjenige, der für alle zahlt. Als Dankeschön werden meine Kinder später am besten noch in der Schule von deren Kindern drangsaliert und „ich“ bezahle mit meinen Steuern den Sozialpädagogen, der die Täter aus der Sache wieder rausboxt – nein Danke!

(Gastbeitrag von David)