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„Journalisten sind wie Füchse. Ich mag sie nicht“

Gebet in der MoscheeDies findet ein Schweizer Moslem und damit Mitglied einer Gesellschaft, die unter sich bleiben und keine neugierigen Blicke von außen ertragen möchte. Diese Blicke kommen jetzt jedoch mit der Minarettdebatte von allen Seiten und fördern Dinge zu Tage, die man gerne „intern“ gehalten hätte, wie zum Beispiel, wie schlecht es um die Ausbildung und Sprachkenntnisse der Imame steht, wie extremistisch sie sind, welche politische Bedeutung Moscheen tatsächlich haben und welche Demokratiefeindliche Gesinnung sie vertreten.

Die Nerven liegen blank in der schlagzeilenträchtigen Moschee in Wangen. Das Objekt der Kontroverse steht seit Januar auf dem Dach: ein weißes, mit goldenen Kanten verziertes Minarett. Für seine Errichtung stritten die Wangner Muslime bis vor Bundesgericht und wurden damit, wohl unfreiwillig, zu einem Auslöser der Minarett-Initiative.

Vergangenen Juni dann der nächste Eklat. Der Integrationsbeauftragte des Kantons Solothurn, Albert Weibel, sagte seine Teilnahme an der Einweihungsfeier des Minaretts ab. Er störte sich an einer Fahne. Sie weht auch heute auf dem Dach des Zentrums. Die Fahne zeigt einen heulenden Wolf. Für Kritiker ein Zeichen der Zugehörigkeit zur türkischen Organisation der „Grauen Wölfe“, einer rechtsextremistischen Gruppierung.

Während man sonst allerorts in Europa die Moscheebaugegner zu „Rechtsextremen“ stemplen konnte, ist aus muslimischer Sicht in Wangen alles schief gelaufen. Die Fahne der Grauen Wölfe wurde als rechtsextrem erkannt. So ein Pech aber auch. Dabei lief erst noch alles so gut für die Islamisierung der Schweiz:

Der Islam hat sich in den vergangenen 40 Jahren zur stärksten nichtchristlichen Religionsgemeinschaft in der Schweiz entwickelt. Waren es 1970 noch 16′.00 Muslime, registrierte die Volkszählung im Jahr 2000 knapp 311.000, damals 4,3 Prozent der Bevölkerung. Inzwischen dürfte ihre Zahl, so schätzen Experten, auf über 400.000 angewachsen sein. Der Trend wird anhalten: Die muslimische Bevölkerung in der Schweiz ist jünger als die übrige Gesellschaft, und die Geburtenrate ist bei muslimischen Frauen fast doppelt so hoch.

Höchste Zeit, mit unverschleierten Vorzeigemuslimas das Bild des Islam aufzupeppen und Weltoffenheit vorzutäuschen. Sogar nach Sicht von ExpertInnen sieht die Realität leider anders aus:

Die Genfer Buchautorin Mireille Vallette neigt zur zweiten Ansicht. Für ihr Buch „Islamophobie oder legitimes Misstrauen?“ analysierte die Frauenrechtlerin, wie sich führende, vor allem Westschweizer Islamvertreter und Imame öffentlich äußerten – zu umstrittenen Fragen wie dem Tragen eines Kopftuchs, dem Austritt aus dem Islam oder der Meinungsfreiheit. „Ich habe keinen Fürsprecher eines modernen Islams gefunden„, sagt Vallette. Zum gleichen Befund kommt die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam (FFI), Saïda Keller-Messahli: „In orthodoxen Kreisen sind jene, die sich glaubhaft zu Demokratie und Menschenrechten bekennen, eine klare Minderheit.“ In den Moscheen wehe noch der Geist des 7. Jahrhunderts.

Den gesamten Bericht über den Islam in der Schweiz des Beobachters lesen Sie hier.

(Spürnase: Die Realität)