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Das Orakel von Erlangen, reloaded

[1]Sabine Schiffer, die Direktorin des Instituts für Medienverantwortung (IMV) in Erlangen, von Henryk M. Broder liebevoll „das Orakel von Erlangen“ genannt, hat sich mal wieder über ihr derzeitiges Lieblingsthema ausgelassen. Unter dem Titel „Antisemitismus und Islamophobie – Neue Feindbilder, alte Muster“ breitet sie sich auf der Website des Zentralrats der Muslime [2] aus. Diesem Thema hat sie bereits ein im Juni 2009 erschienenes Buch gewidmet (siehe PI-Rezension) [3].

(Von Epistemology)

In Ihrem Artikel bezieht sie sich zunächst einmal auf die Debatte um die im Dezember 2008 vom Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung veranstaltete Konferenz „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“.

Diese Aufregung ist gut verständlich und hat ihre Berechtigung dort, wo entweder begründbare Zweifel bestehen, dass die Grauen des eliminatorischen Antisemitismus – der Holocaust – relativiert werden sollen (also auf der moralischen Ebene) und zum anderen dort, wo es gute Gründe dafür gibt, von einem analytischen Missverständnis auszugehen, wenn beide Phänomene in einem Atemzug genannt werden. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn behauptet wird, dass MuslimInnen heute in der gleichen Position seien wie Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus. Aber es ist unangebracht, Jüdinnen und Juden sowie MuslimInnen als Betroffene rassistischer Diskurse gegeneinander auszuspielen, diesem real ja vorhandenen Phänomen die Existenz abzusprechen oder alle rassistischen Ausdrucksformen unterhalb der totalen Barbarei abzuqualifizieren.

Wer relativiert denn hier? Muslime sind noch nie Betroffene rassistischer Diskurse gewesen. Es gibt keinen „antimuslimischen Rassismus“, wie man uns immer glauben machen will, denn Menschen, die zu völlig verschiedenen Ethnien gehören und die nur ihre nazistische Ideologie eint, lassen sich nicht unter dem Oberbegriff „Rasse“ fassen.

Schiffer wendet sich daraufhin dem Begriff der „Islamophobie“ zu, den man auch als „anti-muslimischen Rassismus“ oder „Islamfeindschaft“ bezeichnen darf, die neutrale Bezeichnung „Islamkriitk“ ist ihrer Meinung nach unzulässig. Sie beanstandet, dass der Islam erklärtermaßen als Islam angegriffen wird, völlig zu recht, denn der Islam hat schließlich nichts mit dem Islam zu tun. Die Erklärung, was der Angriff auf eine als Religion getarnte Ideologie mit Rassismus zu tun haben könnte, bleibt sie dem Leser schuldig. Sie verweist nur auf die wachsende antirassistische Literatur, die das spezifisch islamophobe Ressentiment erforscht. Nun ja, wenn man nichts Besseres zu tun hat.

PI darf in diesem Diskurs nicht fehlen. Offensichtlich ist Schiffer nicht klar, dass Islamkritik nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun hat, denn bekanntermaßen sind die schlimmsten Mohammedaner keine Ausländer, sondern deutsche Konvertiten. Siehe die Sauerlandterroristen und den unsäglichen Salafisten-Prediger Pierre Vogel, der aber zugegebenermaßen auch zur Belustigung [4] der deutschsprachigen Bevölkerung Europas beitragen kann.

Aber sie erfindet flugs einen neuen Begriff, den „kulturellen Rassismus“. Schiffer ist ganz offensichtlich keine Naturwissenschaftlerin, denn sonst wüsste sie, dass man Begriffe nicht vermengen darf. Rassismus richtet sich niemals gegen Kulturen, sondern vielmehr allein gegen Ethnien und orientiert sich auch an bestimmten äußerlich erkennbaren Merkmalen wie z.B. Hautfarbe und Augenform und nicht an barbarischen Bräuchen, wie im Islam gang und gäbe.

Schiffers Ausführungen über den Antisemitismus bedürfen keines weiteren Kommentars, sie finden meine volle Zustimmung. Es wundert mich nur, dass sie nicht erwähnt, wie sie es in ihrem Buch getan hat, dass es bei weitem mehr antisemitisch motivierte Straftaten in Frankreich als in Deutschland gibt. Unerwähnt ließ sie dort aber, dass dies nur daran liegt, dass in Frankreich viel mehr Mohammedaner als in Deutschland leben. Die Franzosen sind in keiner Weise antisemitischer als die Deutschen, aber die algerischen Mohammedaner in Frankreich sind natürlich in viel schlimmerem Maße antisemitisch als die türkischen Mohammedaner in Deutschland. Durch Kemal Atatürk haben die Türken eben doch einiges gelernt, was allerdings durch die Reislamisierung mehr und mehr aus den Köpfen verschwindet. Fakt ist, dass der Antisemitismus heutzutage nirgendwo so virulent ist wie in der islamischen Welt. „Mein Kampf“ und „Die Protokolle der Weisen von Zion“ finden sich dort permanent auf den Bestsellerlisten.

Auch wenn nicht durchgängig, so ist doch der Tendenz nach festzustellen, dass die Diffamierung von Jüdinnen und Juden seltener explizit und offen geäußert wird. Es existiert ein bundesdeutsches Tabu, ein geschlossenes antisemitisches Weltbild offen zu äußern und Juden als Juden zu attackieren, auch wenn dieses Tabu immer wieder überschritten wird: Der Antisemitismus nach der Shoa ist in Deutschland vor allem ein indirekter Antisemitismus, Formen des sekundären und strukturellen Antisemitismus überwiegen hier. MuslimInnen hingegen werden gegenwärtig so offen diffamiert, wie es wahrscheinlich mit keiner anderen markierten Gruppe öffentlich durchzusetzen wäre.

Hier hilft kein Verweis darauf, dass die Angst vor MuslimInnen – anders als die Angst vor Jüdinnen und Juden – berechtigt sei, indem auf den islamistischen Fundamentalismus hingewiesen wird. Dieses Rekurrieren auf angebliche Fakten ist bereits eine rassistische Argumentation, da hier eine grundlegende rassistische Verallgemeinerung vorgenommen wird: Die Tat von Einzelnen wird über das Merkmal „Religionszugehörigkeit“ erklärt und in einem weiteren Schritt dem Kollektiv der Muslime zugerechnet. Die Bewertung dieses Kollektivs funktioniert über die Zusammenstellung von (negativen) Fakten. Das gleiche Muster ist aus anderen rassistischen Diskursen bekannt – auch und insbesondere aus dem antisemitischen.

„Dieses Rekurrieren auf angebliche Fakten…“ Was sind denn angebliche Fakten? 9/11, die Bomben von Bali, Madrid, London, um nur einige zu nennen, das ist alles nicht im Namen Allahs passiert? Robert Spencer berichtet in „The politically Incorrect Guide™ to Islam“, dass Mohammed Atta, der Anführer der 9/11-Terroristen, an jenem Tag sogar einen Paradieshochzeitsanzug einpackte und in einem Brief über „Heirat“ mit den „Frauen des Paradieses“ sprach. Aber das hat natürlich nichts mit dem Islam zu tun. Hier wird ja gerade der fundamentale Unterschied deutlich; während der Antisemitismus jeglicher rationaler Begründung entbehrt, man braucht sich bloß „Die Protokolle der Weisen von Zion“ anzusehen, stützt sich Islamophobie/Islamkritik nur auf Fakten.

Die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft wird so zu einer totalen Zugehörigkeit, so als ob das „Muslim(a)-Sein“ von MuslimInnen über sämtliche ihrer Handlungen und Einstellungen entscheiden würde.

Genau so ist es, denn der Islam umfasst sämtliche Bereiche des Lebens, ob privat oder politisch, von der Ernährung, über die tägliche Zeiteinteilung bis hin zu politischen Aktivitäten. Das heißt dass Menschen, die sich dieser Ideologie verschrieben haben, sich bei jeder Entscheidung von deren Irrlehren leiten lassen.

Die „Türken vor Wien“ (auf diese im kollektiven Gedächtnis erinnerte Situation wurde und wird gerne sowohl in Bezug auf die Einwanderung von MuslimInnen als auch in Bezug auf die sogenannte „Islamisierung“ verwiesen) oder die Mauren in Spanien waren immer die „Fremden“ im Sinne eines „Äußeren“. Man konnte und musste sich ihnen entgegenstellen und sie vertreiben. Damit stellen sie die für den Rassismus klassische Form des Fremden dar: der äußere, sichtbare Feind.

Wenn man das so liest, dann man sich des Eindrucks nicht erwehren, die Türken seien zum Kaffeekränzchen nach Wien gekommen und die Mauren nach Spanien, um mit den SpanierInnen Flamenco zu tanzen. Dass es sich in beiden Fällen um knallharte, imperialistische Eroberungszüge handelte, verschweigt die Autorin geflissentlich. Das ist schließlich nur ein geringfügiges, vernachlässigbares Detail.

Weiter ist zu nennen, dass man sich MuslimInnen gegenüber tendenziell überlegen fühlt, während im Antisemitismus tendenziell von der eigenen Unterlegenheit ausgegangen wird. So galten Jüdinnen und Juden auch immer als die VertreterInnen der Moderne, sei es in der Form des Liberalismus, des Kapitalismus oder des Kommunismus, während MuslimInnen als Verkörperung von „Rückständigkeit“ verstanden werden.

Wenn man bedenkt, dass es sich bei Mohammedanern um Anhänger eines pädophilen Massenmörders handelt, die angehalten sind, ihm in jeder Beziehung nach zu eifern, so ist ein gewisses westliches Überlegenheitsgefühl durchaus gerechtfertigt. Zudem profitiert die gesamte islamische Welt von den wissenschaftlichen Errungenschaften und der Technologie anderer Kulturen – nicht nur der westlichen, die ich keinesfalls für die beste halte – weil sie sich das aufgrund ihres Ölreichtums eben leisten können. Selbst haben sie noch nie etwas zustande bekommen, außer Eroberungen und Gewalttaten, und natürlich beleidigt sein, denn darin sind sie ungeschlagene Weltmeister. Dass sie dadurch als rückständig wahrgenommen werden, sollte niemanden verwundern, auch nicht unser Orakel.

Auch die Vorstellung von einer Überlegenheit und Privilegierung der „Anderen“ wird immer häufiger auf MuslimInnen angewandt. Die Debatten über „Sonderrechte“ – sei es in Bezug auf das Recht, am Arbeitsplatz ein Kopftuch zu tragen, sei es in Bezug auf die Teilnahme am Schulunterricht – reißen nicht ab. Es gibt die sowohl in populären Debatten als auch einer Reihe von Publikationen geäußerte Vorstellung, mit potenter finanzieller Unterstützung aus dem „Nahen Osten“ würde Deutschland „islamisiert“ und Grundstücke gekauft, Moscheen gebaut und Medien beeinflusst werden.

Wie wahr, das erleben wir tagtäglich, und wir setzen uns dagegen mit allen zur Verfügung stehenden friedlichen Mitteln zur Wehr.

Islamophobe Verschwörungstheorien haben, etwa in den einschlägigen Internet-Blogs, Hochkonjunktur. Diese Verschwörungstheorien haben durchaus den Anspruch, verschiedene politische Entwicklungen und nicht nur einzelne Phänomene der Wirklichkeit zu erklären. Während ein geschlossen antisemitisches Weltbild mit Welterklärungsanspruch auftritt, ergibt sich hier die Tendenz, immer mehr Fakten der sozialen Welt mit dem Verweis auf die Religionszugehörigkeit von MuslimInnen zu erklären. So erscheinen alle möglichen Probleme – von Jugendgewalt bis zur Homophobie – unter Rückgriff auf „den Islam“ erklärbar.

Das erscheint nicht nur so, das ist auch so. Jugendgewalt geht in Europa fast ausschließlich von muslimischen Jugendlichen aus – in Frankreich werden jeden Tag durchschnittlich 150 Autos abgefackelt – und in Amsterdam wurde 2008 bei einer Modenschau zur Werbung für mehr Toleranz für Homosexuelle ein schwules Model krankenhausreif geschlagen. Die Täter waren natürlich indianische Schamanen. Wer denn auch sonst? Mohammedaner sind grundsätzlich unschuldig.

Sowohl politisch rechts zu verortende Konzepte wie der Ethnopluralismus als auch der eher links zu verortende Multikulturalismus samt Anhängsel wie der interkulturellen Pädagogik reproduzieren hierbei häufig diese Fremdgruppenzuschreibung und das Othering einer (religiös) markierten Gruppe. Bereits diese Markierungspraxis muss als rassistische Denkweise verstanden werden, die die weiteren Schritte der Zuweisung negativer Eigenschaften und der Diffamierung und Diskriminierung nach sich zieht. Gewalt beginnt bereits mit dem Stereotyp, nicht erst mit der physischen Aktion.

Jetzt wiederholt sie sich und ich muss mich auch wiederholen. Die Ablehnung einer Religion/Ideologie hat nichts mit Rassismus zu tun und meines Wissens hat auch eine Beschreibung der Gegebenheiten nichts mit Gewalt zu tun. In des Orakels Artikel wabert es denn auch von dem, was sie anderen vorwirft: den Verschwörungstheorien. Offensichtlich kann sie nicht genug davon kriegen, denn sie muss schließlich ihre islamische Klientel bedienen und die fährt auf nichts so sehr ab wie darauf. Es müssen aber immer die nach islamischer Sicht üblichen Verdächtigen benannt werden. Da sie hier auch über Antisemitismus schreibt, fallen die Juden leider zum großen Leidwesen ihrer Leserschaft raus, aber man kann ja noch auf den Westen hauen. Das macht sich immer gut.

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