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Ein Samstag im Herbst 2010

Neun aufgeklärte und informierte Menschen treffen sich in der Landeshauptstadt Kiel zur Verteilung von Informationen. Sechs mit Weste, drei ohne. Wir haben nichts Großartiges im Sinn. Uns schwebt nicht die Revolution vor. Wir betreiben keine Umsturzversuche. Wir möchten niemanden stören. Wir sind ganz brav… Aber: Wir bringen Informationen. Informationen zur Situation und Informationen zur Zukunft. Unser aller Zukunft. Auch der Zukunft der hier lebenden muslimischen Bevölkerung.

Der wir übrigens auch begegnen werden, während unseres Spaziergangs durch Kiel-Elmschenhagen. Dieser Stadtteil liegt in direkter Nachbarschaft zu einem der Teile Kiels, welcher durch die Ansiedlung von seinerzeitigen Gastarbeiterfamilien später als Klein-Türkei bezeichnet wurden. Kiel-Gaarden. Heute noch ein so genanntes Problemviertel. Nein, kein Vergleich mit Neukölln oder anderen Plätzen. Wir sind hier in Kiel. Das ist das Landeshauptdorf an der Förde. Irgendwo nördlich von Hamburg. Die Bayern halten uns oftmals noch für Dänen (waren wir ja auch mal, bis 1866).

Doch nun zum Eigentlichen. Wir verteilen Handzettel. Andere sagen Flyer dazu. Die können aber von alleine nicht fliegen. Also verteilen wir sie per Hand. In jeden Briefkasten einen. Und wenn uns ein Passant begegnet, dann bekommt der auch einen. Mit großen Augen schauen uns die Leute an. Von vorne erkennt ja auch niemand unsere Botschaft *grins*. Einige denken wohl, die Stadtwerke verteilen Abfuhrpläne oder ähnliche Drucksachen.

Doch bei näherem Hinschauen erkennt jeder sofort einen Hintergrund. Und der hat mit den Stadtwerken nichts zu tun. Oder doch? In wessen Hand werden sie in 20 Jahren sein? Fragen über Fragen.

Doch wir gehen unsere Wege weiter. In Gruppen á drei Personen (zwei verteilen, einer führt die Kamera) durchgehen wir die Straßen des Stadtteils. Wir starteten im Übrigen am „Andreas-Hofer-Platz“. Wer nicht weiß, wer Andreas Hofer war: Ein damaliger Freiheitskämpfer. Doch auch den haben die GutmenschInnen schon zum Teil zerlegt.

Die Straßennamen des Stadtteils sind ebenfalls österreichisch geprägt. Wir durchqueren den Tiroler Ring und die Klagenfurter Straße und ebenso viele weitere. Unser Ziel ist klar und einfach. Informationen für unsere Mitbürger. Und auch dort, wo Namenschilder mit vielen ü’s und ö’s an den Briefkästen prangen, wird eingeworfen. Die Informationen betreffen ja alle Mitbürger.

Gute 1000 Handzettel wurden innerhalb einer Stunde verteilt. Eintausend Haushalte. Wir glauben nicht an 100%ige Umsetzung. Doch der stete Tropfen höhlt den Stein. Wir machen weiter. Wir informieren und wir diskutieren. Wir sind überzeugt von der Freiheit, nicht von der Scharia.

Denn: Die Freiheit ist größer!

(Text: „kann nicht anders“, PI-Gruppe Rendsburg)