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Großbritannien: Renaissance des Rohrstocks?

Schüler um 1900Deutschland hat sich zur Freude der Rotgrünen angewöhnt, linke „Weltverbesserungen“ unserer Gesellschaft zwar bis zu ihrer gesetzlichen Umsetzung zu beschimpfen, danach aber schnell und für immer zur Tagesordnung über zu gehen. Gleichgeschlechtliche Ehe, Fristenlösung bei der Abtreibung, „Instant-Einbürgerungen“ oder das Züchtigungsverbot in der Erziehung sind einige Beispiele der letzten Jahre.

(Von Thorsten M.)

Nach dem Regierungswechsel 2013 werden die „Homo-Adoption“, ein verschärftes „Gender-Mainstreaming“, ein breit angelegtes Ausländerwahlrecht und vielleicht gar das bedingungslose Grundeinkommen dazu kommen. Vermutlich wird man darüber hinaus auch das eigene Geschlecht – so wie seit kurzem in Australien – für den Ausweiseintrag mehr oder weniger selbst bestimmen dürfen. Auch daran – so ist es absehbar – wird dann sehr schnell niemand mehr rütteln.

Es gibt in der Bundesrepublik nämlich keine Kultur, bei solch grundlegenden gesellschaftspolitischen Änderungen – sozusagen postum – noch eine kritische Diskussion zuzulassen. Jeder Politiker fürchtet den Gegenwind der jeweiligen Lobbygruppen und deren Potenzial zur Verunsicherung breiterer Wählerschichten. Auch die aus jahrhundertealtem Untertanendenken geborene deutsche Konsens-Mentalität steht einem „Nachtreten“ in solchen Fragen diametral im Wege. Dadurch bekommen solche Veränderungen – und seien sie noch so sinnfrei – de facto Verfassungsrang.

Großbritannien ist im Gegensatz zu Deutschland ein Land mit einer jahrhundertealten parlamentarischen Tradition. Dadurch kommt es bei unseren angelsächsischen Verwandten mitunter zu interessanten und erfrischenden Debatten.

Aktuell diskutiert das Land tabulos Konsequenzen aus den schweren Jugend- und Migrantenkrawallen vom August. Insbesondere wird infrage gestellt, ob das seit fast 25 Jahren bestehende Züchtigungsverbot an britischen Schulen wirklich eine gute Idee war. Schließlich scheint die Jugend immer mehr der Kontrolle der Erwachsenen zu entgleiten. Selbst Premierminister David Cameron sieht in „fehlendem Respekt und mangelnder Autorität im Schulsystem“ einen der Gründe für die zunehmende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen. Befeuert wird die Diskussion dazu von Umfrageergebnissen. So ermittelte z.B. das Meinungsforschungsinstitut YouGov, dass immerhin 40% der Eltern dafür sind, Rohrstock und Ohrfeigen wieder in den Strafkanon der Lehrerschaft aufzunehmen. In Fällen besonders schwerer Disziplinlosigkeiten wollten – wie n-tv berichtet – sogar 49% der Eltern Schläge als Mittel, einen Schüler zur Raison zu bringen, gelten lassen. Selbst jeder fünfte Schüler – und damit potentiell Betroffener – schließt sich dieser Einschätzung an!

In Deutschland bleibt diese Diskussion dagegen an den Stammtisch verbannt. Auch bei uns stellt sich nämlich die Frage, wo die „Dividende“ für die Abschaffung der Schläge in der Erziehung bleibt! – Seit 1968 versuchen uns Psychologen und Soziologen Glauben zu machen, dass Gewalt primär aus Gewalterfahrungen der Kindheit resultiert. Tatsächlich konnte man aber selbst nach dem traumatisierenden Krieg noch sorglos sein Jagdgewehr an die Wand hängen, ohne dass damit das eigene Kind amoklaufend in die Schule gegangen wäre. Auch wäre die Generation der heute über 40-Jährigen nie auf die Idee gekommen, einem auf dem Boden liegenden Menschen ins Gesicht zu treten, wie wir es inzwischen alle aus den Filmaufzeichnungen deutscher U-Bahnen kennen.

Wirklich schlecht gefahren ist Deutschland eigentlich nicht, als Erziehung noch drastischer war und vor allem auch noch alle etwas angegangen ist. Die heute über 40-Jährigen haben jederzeit damit gerechnet, von einem Nachbarn die Ohren lang gezogen zu bekommen, wenn sie Müll einfach auf die Straße geworfen haben, oder als 14-Jährige beim Rauchen erwischt wurden. Hätten wir solche Nachbarn dann unseren Eltern gemeldet, hätte es gleich nochmal „einen Satz heiße Ohren“ gegeben. Einen Anwalt einzuschalten wäre diesen Elten nicht in den Sinn gekommen.

Dafür waren aber die Straßen sicher und sauber, die Jugend war in der Regel respektvoll, hat noch gegrüßt. Und normalerweise musste niemand Angst haben, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Hinzu kommt: Regeln können sie vielleicht noch mit einem Einzelkind stets ausdiskutieren. Wir brauchen für ein demographisches Gleichgewicht aber viele drei-Kind-Familien. Versuchen sie einmal in einer solchen Familie jeden Tag ohne „Ultima-Ratio“ auch nur drei, vier „aufgedrehte Quälgeister“ ins Bett zu bringen. Da werden aus Eltern schnell Märtyrer – oder noch viel häufiger von Anfang an Nicht-Eltern.

Sie mögen intuitiv dieses hier aufgezeigte „reaktionäre Gedankengebäude“ nicht? Hassen eigentlich die „Früher-war-alles-besser“-Denke? – Dann trainieren Sie doch wenigstens Ihre dialektischen Fähigkeiten damit und denken zumindest einmal darüber nach!