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Klonovsky: Der westliche Schrumpfmann

Männer in Elternzeit haben selten Frauen, auf die andere Männer scharf sind. Solche süffisanten Sätze liest man in einem Aufsatz von Michael Klonovsky über den westlichen Schrumpfmann in der WELTWOCHE 38/2011. Die Artikel von Herrn Klonovsky kann man nur empfehlen. Auch im FOCUS hat er einiges veröffentlicht, leider alles nicht online. Darum hier zwei Ausschnitte aus dem Artikel über den westlichen Schrumpfmann.

Zunächst wird der jetzige Mann mit dem früheren verglichen:

Der westliche Mann der Gegenwart ist nur noch eine Schrumpfversion seiner Geschlechtsgenossen von ehedem. Er steht nicht im Verdacht des Testosteron­überschusses, sondern eher permanent an der Schwelle zum Burnout. Um irgendetwas unter Einsatz seiner Gesundheit oder seines Lebens zu kämpfen, liegt ihm fern. Er ist so liberal, dass ihm kaum etwas Verteidigenswertes einfällt. Er glaubt, dass man über alle Probleme reden muss und sie nur so lösen kann. Befehlen ist ihm unangenehm; dem Kindermädchen oder der Putzfrau Anweisungen zu geben, überlässt er lieber seiner Ehefrau oder Partnerin. Er spricht mit anderen Schrumpfmännern in einem eigenen Befindlichkeitsjargon («Ich finde», «Ich würde sagen») und kennt weder Indikativ noch Imperativ.

Wer beherrscht heute noch Überlebenstechniken, mit denen er in der Natur über längere Zeit sein Dasein erhalten könnte? Die jahrtausendealten männlichen Verrichtungen: auf die Jagd gehen, ein Tier schlachten und ausweiden, Wölfe und Bären verjagen, den Feind abwehren, um Frauen kämpfen, neuen Lebensraum erschliessen, den Wald roden, sein eigenes Haus bauen, ein Feld bestellen, nach Erz graben, ein Schiff besteigen, um zu schauen, was hinter dem Horizont liegt, Kontinente erobern – all das existiert so gut wie nicht mehr. Der von Männern geschaffene Luxus hat den Mann überflüssig gemacht. Entsprechend hat sich die Mentalität des westlichen Mannes verändert. Wer keine Kontinente mehr zu ­erschliessen hat, der verbrennt auch keine Schiffe mehr hinter sich.

Klonovsky glaubt, daß die Frauen den früheren Mann bevorzugen und nicht die heutigen Weicheier. Am Ende des Artikels kommt er dann auf die einwandernden, virileren Männer aus vitaleren Weltgegenden:

Mag der westliche Mann inzwischen hinreichend domestiziert sein, dass er diesen Preis zahlen würde, so dürfte dies für virile maskuline ­Zuwanderer aus vitaleren Weltgegenden so schnell nicht zutreffen, von denen die kinderarmen westlichen Gesellschaften nolens ­volens immer mehr aufnehmen werden. Die Probleme sieht man heute bereits zur Genüge, von den Pariser Banlieues bis nach Tottenham oder Berlin Neukölln. Und hier beginnt die Angelegenheit amüsant zu werden, weil sich die politische Korrektheit zwischen der Privilegierung entweder der Fremden oder der Frauen entscheiden muss und beides zugleich so schnell nicht funktionieren wird.

Die Abschaffung des deutschen Mannes funktioniert aber! Das Bildnis zeigt August den Starken (1670-1733).