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Peter Sloterdijk über Griechenland und Türkei

Peter Sloterdijk ist nicht immer einfach zu verstehen, aber vieles versteht man auf Anhieb. Sloterdijk gab dem Handelsblatt ein langes Interview zur Finanzkrise, dabei kamen sie natürlich auch auf Griechenland zu sprechen.

Sloterdijk zitiert Joseph de Maistre (1753 – 1821), von dem übrigens auch der berühmte Satz stammt, daß jede Nation die Regierung habe, die sie verdient, und ärgert sich über den vielzitierten Ausspruch, Griechenland sei die „Wiege der Demokratie“:

Die Idee des Staates ist in Griechenland noch gar nicht angekommen. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn die Leute sagen, Griechenland sei die Wiege der Demokratie. Das reale Griechenland ist eine psychopolitische Ruine, in der eine vierhundertjährige türkische Besatzung einen Bodensatz an Resignation, an Privatismus, an Schlaumeierei, an Staatsferne hinterlassen hat.

Man denkt da an einen Satz von Joseph de Maistre über die Türken in Griechenland. Die hatten übrigens genügend Zeit, Europäer zu werden, als sie 400 Jahre auf europäischem Boden saßen. Aber was geschah? Die Griechen wurden orientalisiert, es misslang ihnen, die Türken zu okzidentalisieren – falls sie es je versucht haben sollten. Damals wussten sie aber selber noch nichts vom Märchen über die Wiege der Demokratie. Über die Türken von damals sagt der französische Autor: Sie blieben Tartaren, die auf europäischem Boden kampierten.

Ja, so ist es heute noch. Wo die Türken bei uns in großer Anzahl hinkommen, da werden nicht die Türken verwestlicht, sondern wir türkisiert. Die Karte zeigt das Osmanische Reich circa 1680, so wie sich das Erdowahn heute vorstellt mit Deutschland noch dazu. Und da halluzinieren die Politkorrekten bei uns von Kreuzzügen, für die man sich entschuldigen müsse!