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Wulff, Ali Memari Fard & die Staatsanwaltschaft

Christian Wulff mit dem ehemaligen Cemag-Chef Ali Memari Fard und Frauen.„Jetzt können Sie damit rechnen, dass nicht mehr jede vierte Woche ein Fest bei Cemag stattfindet, sondern dass wir noch häufiger eingeladen werden von Ali Memari Fard, weil er weiß, dass gerade in der Krise auf Netzwerke, auf Verbindungen, auf Gespräche gesetzt wird.“

Sagte Wulff als Ministerpräsident bei seiner Ansprache zum Galadinner bezüglich der Eröffnung des „Klüthotels“ in Hameln 2009, einem Objekt der Cemaq-Gruppe. Interessant, da traf Wulff bis dahin also jede vierte Woche auf einem Fest der Cemaq mit deren Gründern, den Fard-Brüdern, zusammen um zu feiern und Netzwerke zu pflegen. Das war bestimmt ganz im Sinne seiner Frau Bettina, der man ja eine gewisse Freude an Partys nachsagt.

Ali Fard gründete 2007 mit seinem Bruder zusammen die CEMAG SBBZ GmbH, die 2009 Insolvenz anmelden musste und gegen die momentan die Staatsanwaltschaft wegen Insolvenzverschleppung ermittelt.

Heute soll um 21.15 Uhr in der NDR-Sendung „Menschen und Schlagzeilen“ ein Film gezeigt werden, der dieses Verhältnis berührt. Auch die WELT berichtet davon. Jedoch sollen laut der Deister- und Weserzeitung die vom NDR jetzt erhobenen Vorwürfe gar nicht so neu sein.

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Allerdings sind die in der „Welt“ angeführten Belege für den Kontakt zwischen Unternehmer und Landeschef nicht neu: So wird auf den Auftritt Wulffs bei der Eröffnung des Klüthotels verwiesen. Wulff habe hier „den neben ihm stehenden Geschäftsmann mit Vornamen“ angesprochen. Bereits im März 2009 waren die Eheleute Wulff Ehrengäste bei einer Feier zu Fards 50. Geburtstag auf Schloss Marienburg in Pattensen. „Welt“ und „Monitor“ verweisen zudem darauf, dass der Cemag-Chef an fünf Delegationsreisen mit Wulff teilnahm.

Wie wir im Oktober berichteten, nahmen Mitglieder der Fard-Familie an Reisen der Landesregierung ins Ausland teil. Dies hatte eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Gerd Will ergeben. Dabei ging es ihm um vermeintlich enge Beziehungen der Familie Fard zur FDP-Fraktion im Landesparlament.
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Und was wurde im Oktober von der Deister- und Weserzeitung schon berichtet? Hier einmal ein paar Auszüge:

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Hameln (ni). In Hameln haben sie ihren guten Ruf längst verspielt, doch im niedersächsischen Wirtschaftsministerium waren Mitglieder der Fard-Familie offenbar auch nach der Cemag-Insolvenz noch gern gesehene Gäste. Denn während das endgültige Aus für die einst gefeierte und mit Millionen an Steuergeldern geförderte Firmengruppe bereits im Dezember 2009 besiegelt war, durfte Akbar Memari Fard den heutigen Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) auch im Jahr darauf noch zweimal auf Auslandsreisen begleiten.
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Auch nach der Anmeldung der Insolvenz noch mit Minister auf Auslandsreisen? Weiter:

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Die Cemag-Pleite hat seinerzeit nicht nur viel Staub aufgewirbelt, sondern später auch das Interesse der SPD-Landtagsfraktion geweckt. Die Nähe der Fard-Brüder zu den Liberalen (allein mit dem ehemaligen FDP-Wirtschaftsminister Walter Hirche waren sie zehnmal auf Auslandsreise), die Bewilligung von Fördergeldern für das Unternehmen durch ebenfalls liberale Wirtschaftsminister und mit Oliver Liersch schließlich ein Insolvenzverwalter, der im November 2009 von Bode als Staatssekretär in sein Ministerium gerufen wurde – den Sozialdemokraten waren das offensichtlich zu viele Zufälle, als dass bei ihnen nicht der Verdacht aufkeimte, bei der Millionen-Subventionierung des Hamelner Anlagenbauers könnten politische Seilschaften eine Rolle gespielt haben. Der SPD-Landtagsabgeordnete Gerd Will kleidete das Unbehagen seiner Fraktion in ein „Kleine Anfrage“, die ihm jetzt von Bode persönlich beantwortet wurde.
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Bewilligung von Fördergeldern und ein Insolvenzverwalter der 2009 als Staatssekretär in das Ministerium von Wulffs Wirtschaftsminister Bode (FDP) gerufen wurde? Und weiter:

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Am 17. Juli 2009 meldete die Cemag Insolvenz an. Noch drei Wochen vorher hatte sie mit einem noblen Gala-Diner die Kundenpräsentation ihrer „Beta-Mühle“ gekrönt und dabei auch den damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff als Gast begrüßen können. Mit Beginn des Insolvenzverfahrens machte sich politische Prominenz aus Hannover in Hameln zwar rar, dafür betraten aber Familienmitglieder die geschäftliche Bühne der Fards und gründeten aus der Konkursmasse neue Betriebe. Ein Neffe Akbar Memari Fards ist Chef des Cemag-Nachfolgers CMP in Dessau, seine Ehefrau Astrid Geschäftsführerin des Mem-Bau-Nachfolgers „M & M Bau“ mit Sitz in Springe. Welche Rolle die einstigen Chefs Ali und Akbar Memari Fard in diesem familiären Geflecht spielen, ist offenbar nur wenigen Insidern bekannt. Warum Wirtschaftsminister Bode sie im vergangenen Jahr zu Auslandsreisen in die Türkei und in den Nahen Osten mitgenommen hat – darüber macht sich jetzt vermutlich nicht nur die SPD in Hannover Gedanken.
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Widerlich – Kein Kommentar.

Mitglieder der Fard-Familie nehmen an Auslandsreisen des Ministerpräsidenten von Niedersachsen teil? Und das mindestens fünfmal? Diesem Ministerpräsidenten, der physische Schmerzen verspürt, wenn Bundespräsident Rau wegen einer Flugaffäre nicht unbelastet ist? Ganz bestimmt können insolvente moslemische Hotelbauer im Ausland für uns recht viel Werbung machen und vorteilhafte Geschäfte abschließen. Haben die doch Ahnung davon, wie man einen Betrieb gründet und innerhalb von zwei Jahren in die betrügerische Insolvenz treibt, nebenbei Duzfreund des Ministerpräsidenten, für diesen die Netzwerk-Frequenz erhöht und auf Auslandsreisen mitgenommen wird.

Wie war das nochmal? „Auch der Islam gehört zu Deutschland“? Endlich wissen wir jetzt, was Wulff damit gemeint hat: Wir sollen moslemische Insolvenz-Betrüger als zu unserem Land zugehörig betrachten und die Klappe halten, solange Wulff sie für sein Netzwerk braucht.

» TV-Tipp: Das Prinzip Wulff, 21.15 Uhr im NDR (JETZT mit Livestream)

(Foto oben: Christian Wulff mit dem ehemaligen Cemag-Chef Ali Memari Fard und Frauen)