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ZEIT-Online: Merah hat was mit Islam zu tun

So langsam scheint es einigen Mainstream-Journalisten zu dämmern, dass beim Islam doch nicht alles so friedlich ist, wie bisher angenommen. Sogar ein Jörg Lau von ZEIT-Online scheint aufgewacht zu sein. Er titelt „Was Mohammed Merah mit dem Islam zu tun hat„. In dem Artikel bringt er erstaunliche Erkenntnisse, die auch auf PI stehen könnten. Er könne es nicht mehr hören, dass die Ereignisse in Toulouse „nichts mit dem Islam zu tun“ hätten. Und listet die Fakten auf, die sehr wohl zeigen, dass Mohamed Merah ein tiefgläubiger Moslem war und sich nach den Vorgaben seiner Religion richtete.

(Von Michael Stürzenberger)

Zunächst zu den positiven Aspekten seines Artikels:

Man kann es nicht mehr hören. Die Mutter des Attentäters war Salafistin, er wurde “streng islamisch” erzogen. Er war in Ausbildungslagern in Afghanistan und Pakistan. Er fühlte sich durch seinen Glauben berechtigt, nein genötigt, Juden zu ermorden, auch Kinder. Und zuvor schon hatte er Glaubensbrüder ermordet, weil sie sich für den Krieg gegen den Islam hergegeben hatten, als den er die Intervention in Afghanistan empfindet.

Erstaunlich, dass wir solch klare Sätze über den Islam noch von Jörg Lau lesen dürfen. Die Wahrheit lässt sich eben doch nicht auf Dauer verbergen. Lau scheint angesichts der gezielten Tötung von vier jüdischen Mitbürgern, davon drei kleinen Kindern, mit aufgesetzten Kopfschüssen und unter „Allahu-Akbar“-Rufen, einen inneren Sinneswandel durchgemacht zu haben.

Nun soll das Internet stärker zensiert werden, weil dort auf islamistischen Seiten Hass gesät wird. Schön. Wissen wir denn schon, dass der Mann sich am Computer radikalisiert hat? Und ist das Problem im Griff, wenn man den Dschihadisten ein Propaganda-Instrument aus der Hand schlägt? Nein. Es ist richtig, dass Internet zu überwachen und vielleicht auch Seiten abzuschalten, sofern das möglich ist. Aber am Ende bleibt das eine Ersatzhandlung angesichts dessen, was sich in Toulouse abgespielt hat.

Völlig richtig, Herr Lau. Mit der Abschaltung von Djihadisten-Seiten im Internet ist nur ein Teil des Problems gelöst. In manchen (vielen?) Moscheen, Koranschulen, Verbänden und Organisationen wird vermutlich weiterhin indoktriniert. Dazu muss man lediglich den Koran aufschlagen und vorlesen.

Jörg Lau schreibt weiter:

Alle diejenigen, die sich schon vor Tagen zu irgendwelchen Thesen haben hinreißen lassen, die französische Fremdenfeindlichkeit sei schuld (und es sei wahrscheinlich ein Täter vom rechten Rand), stehen jetzt etwas belämmert da. Sarkozy klopft in der Tat manchmal Sprüche, die degoutant sind, und von Frau Le Pen brauchen wir gar nicht erst anzufangen. Das alles ist aus anderen Gründen zu kritisieren. Aber hier hat eben nicht ein Täter die Xenophobie einer imaginierten schweigenden Mehrheit ausagiert. (So etwas kann es geben, aber man sollte sich schon über die Hintergründe der Tat sicher sein, bevor man derart weitreichende Thesen aufstellt.)

An dieser Stelle dürfen wir auch noch einmal genüßlich wiederholen, was der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, zu dem Terror von Toulouse äußerte, als er noch einen rechtsradikalen Täter unterstellte:

„Das atmet den Geist der NSU. Es ist leider nicht auszuschließen, dass es in Deutschland Trittbrettfahrer gibt. Die Rechtsextremisten sind in den verschiedenen Staaten gut untereinander vernetzt. Der Rassismus ist in Europa inzwischen auf dem Vormarsch in die Mitte der Gesellschaft. Wir haben nicht den Eindruck, dass muslimische Einrichtungen in Deutschland ausreichend geschützt sind. Ich fordere die Sicherheitsbehörden dazu auf, die Sicherheitsvorkehrungen vor muslimischen Einrichtungen zu verschärfen.“

DIE FREIHEIT konnte es sich nicht verkneifen, diese Stellungnahme in ihrer Pressemitteilung zum „Koran-Erlass“ leicht zweckzuentfremden. Jörg Lau kritisiert nun die islamische Verteidigungsstrategie, die nach 9/11 nun schon seit 10 Jahren hartnäckig angewendet wird:

Hier wurde etwas anderes ausagiert, und das hat eben wohl etwas mit dem Islam zu tun. Die deutschen Islamverbände sind bisher nahezu unfähig gewesen, sich angesichts von Terror im Namen des Islam mit der Tatsache auseinander zu setzen, dass die Täter ihre Inspiration aus der Religion ziehen wie sie sie eben verstehen. Sie haben seit 10 Jahren hauptsächlich auf Abwehr geschaltet – nicht um die Täter damit zu schonen oder zu entschuldigen, sondern um ihren Glauben zu verteidigen (auch gegen die Dschihadisten). Sie stellen also kurzerhand den Täter außerhalb des Glaubens, außerhalb des “wahren Islams” des Friedens.

Diese Verteidigungsstrategie wirkt selbst für diejenigen, die keine finsteren Motive unterstellen mittlerweile fatal, weil sie am Ende den Dschihadisten die Offensive lässt. Es ist schlichtweg zu einfach, den wahren und den falschen Glauben einander gegenüber zu stellen. Es wirkt irgendwann einfach nur hilflos, wenn die “Islam-ist-Frieden”-Formel gebetsmühlenhaft wiederholt wird.

Auf der Internetseites des Zentralrats der Muslime wurde am 22. März der Aufsatz „Jenseits von Eden“ aus der Feder eines gewissen Muhammad Sameer Murtaza veröffentlicht, den Jörg Lau nun in seinem Artikel zitiert. Darin wird der typische Versuch gestartet, mit dem Koranvers 5:32 ein generelles islamisches Tötungsverbot darzustellen:

„Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels angeordnet, dass wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil im Lande angerichtet hat, wie einer sein soll, der die ganze Menschheit ermordet hat. Und wer ein Leben erhält, soll sein, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten.“

Daraus folgert Muhammad Sameer Murtaza fälschlicherweise:

Dieser Text steht im Qur’an im Anschluss an die Erzählung der beiden Söhne Adams, Kain und Abel. Er erteilt den Gläubigen die Weisung: Du sollst nicht töten! Oder positiv formuliert: Hab Ehrfurcht vor dem Leben!

Muslimische Täuschungsversuche in bester Taqiyya-Tradition. Erstens bedeutet dieser Vers, dass man einen Menschen töten darf, wenn er „ein Unheil im Lande angerichtet hat“. Diese Zuordnung ist weit dehnbar. Und der nächste Koranvers 5:33 macht die grundsätzliche Tötungslegitimation im Islam noch deutlicher:

Der Lohn derer, die gegen Allah und Seinen Gesandten Krieg führen und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, daß sie getötet oder gekreuzigt werden oder daß ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden oder daß sie aus dem Lande vertrieben werden. Das wird für sie eine Schmach in dieser Welt sein, und im Jenseits wird ihnen eine schwere Strafe zuteil.

Angesichts vieler weiterer klarer Tötungsbefehle im Koran ist die Behauptung, im Islam gebe es ein „Tötungsverbot“, völlig absurd. Trotz dieser Vernebelungsversuche hat Muhammad Sameer Murtaza auch einige gute Ansätze in seinen Überlegungen:

Seit dem 11. September haben Muslime sich verpflichtet gefühlt, den Islam zu verteidigen, indem sie die Täter außerhalb des Islam stellten. Da also religiöse Motive im Zusammenhang mit den Gräuel nicht herangezogen werden durften, um die Religion vor jeglichen Makel zu bewahren, versuchte man psychologisch Motive ins Feld zu führen. Mohammed Mehra verfährt ebenso. Er begründet seine Taten dadurch, dass er den gewaltsamen Tod palästinensischer Kinder rächen und ein Zeichen gegen die französische Militärpräsenz in Afghanistan setzen wollte.

Was bei alledem auffällt, bis heute hat sich die Mehrheit der Muslime davor gesträubt in das Herz der Finsternis vorzustoßen und eine religionsgeschichtliche Erklärung für den Terror im Namen des Islam vorzulegen. “Die” Muslime sind keine Terroristen. Aber Terroristen, die sich auf den Islam berufen, gehören in der Regel dem Wahhabismus an. Ist es also nicht längst an der Zeit, sich kritisch mit dieser islamischen Strömung auseinanderzusetzen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen?

Eine für einen Moslem erstaunlich selbstkritische Betrachtungsweise, aber natürlich viel zu kurz gedacht. Der Islam muss insgesamt auf den Prüfstand, der komplette Koran mitsamt der Sunna. Satz für Satz, Vers für Vers, da alles heute noch Gültigkeit hat.

Jetzt lässt Muhammad Sameer Murtaza aber seine Maske fallen. Er behauptet allen Ernstes, der Antisemitismus sei von außen in den Islam getragen worden:

Bald schon stand dem arabischen Leser eine Flut antisemitischer Lektüre zur Verfügung, die ausnahmslos christlichen, europäischen und amerikanischen Ursprungs war. In dieser ersten Phase wurden antisemitische Anklagen – allerdings unter Ausschluss des Rassengedankens – einfach wiederholt. Die Muslime wurden mit dem Bild des Juden als Freimaurer, als Großkapitalist, als Kommunist, als Umstürzler und als Verschwörer mit dem Ziel der Weltherrschaft vertraut gemacht.

Abenteuerlich. Der Judenhasser Mohammed brauchte wirklich niemand anderen, um Juden im Koran als „Affen und Schweine“ zu diffamieren sowie 800 gefangenen Juden in Medina den Kopf abschneiden zu lassen. Und jetzt macht Muhammad Sameer Murtaza auch noch den muslimischen Autor Sayyid Qutb für den Judenhass im Islam verantwortlich:

Dann, in der zweiten Phase, wurden diese Vorstellungen verinnerlicht, assimiliert und islamisiert. Dieser islamisch verbrämte Antisemitismus zieht sich durch die meisten Werke des Muslimbruders Sayyid Qutb und erhält durch seine sechsbändige Exegese des Qur’an fi zilal al-Qur’an (Im Schatten des Qur’an) eine “heilige” Legitimation.

Nach Qutb beginnt die Feindschaft zwischen Juden und Muslimen mit ihrer Auflehnung gegen den Prophet Muhammad in Medina. Seit die Juden militärisch geschlagen wurden, würden sie sich ununterbrochen bemühen aus dem Schatten heraus mit ihren Eigenschaften der List und der Verschlagenheit den Islam zu zerstören. So stände hinter den christlichen Kreuzzügen, die mit dem europäischen Kolonialismus ihre Fortsetzung fänden, und dem Kommunismus, der nach Qutb eine jüdische Erfindung ist, das Weltjudentum. Ziel der Juden sei die Weltherrschaft, an deren Ende nur das Judentum selber überleben soll. Der Kampf gegen die Juden sei daher zum Wohle der gesamten Menschheit.

Ein schlichtweg unzulässiger Versuch, für den im Islam immanenten Judenhass andere verantwortlich machen zu wollen. Und jetzt kommt der fromme Appell:

Dieser verbrämte islamische Antisemitismus muss von Muslimen auf das Schärfste bekämpft werden. Unverständlich ist, dass Moscheen immer noch die Hass geschwängerten Werke Qutbs in den Bücherregalen stehen haben oder diese auf Büchertischen zum Verkauf angeboten werden. Aber die wohl grundlegendste Herausforderung dürfte es sein, die innere Dimension des Islam neu zu beleben. Zu sehr ist diese Religion zu einer reinen gehorsam fordernden Gesetzesreligion verkommen, die sich in den Begriffen Halal und Haram erschöpft. Der Extremismus der Wahhabiten ist ein deutliches Beispiel dafür, was passiert, wenn Religion nur noch blindes Handeln bar jedem Humanen, jeder Barmherzigkeit und jeder Vernunft ist. Sicherlich, können die Muslime Attentate wie jenes in Toulouse nicht grundsätzlich verhindern, aber sie können sie entschiedener, nämlich theologisch und religionsgeschichtlich, verurteilen und präventive Maßnahmen ergreifen.

Sayyid Qutb beruft sich auf die islamische Lehre. Eines seiner Bücher („Zeichen auf dem Weg“) steht auch in der Bibliothek des Penzberger Imams Idriz, der ja gerne als „modern“ und „fortschrittlich“ hingestellt wird. Qutb dürfte weitestgehend dem muslimischen Mainstream entsprechen, aber diese Erkenntnis ist für die meisten Zeitgenossen unangenehm. Denn aus ihr folgert, dass dann sich mit dem Islam als eine gefährliche Ideologie auseinandersetzen muss.

Jörg Lau ist diesem muslimischen Taqiyya-Spezialisten zwar auf den Leim gegangen, aber das Schluss-Statement seines Artikels kann sich durchaus sehen lassen:

Die Opfer verhöhnt man, indem man nichts über die massenmörderische Ideologie wissen will, die ihnen das Leben gekostet hat. Und wenn die Muslime nicht mehr “gekränkt” werden durch diejenigen, die im Namen ihres Gottes morden als durch diejenigen, die darauf hinweisen, dann ist ihnen nicht zu helfen.

Der Islam – eine massenmörderische Ideologie. Diese Einschätzung hätten wir bei Zeit online nicht so schnell erwartet..

(Spürnase: denkerlaubnis)