- PI-NEWS - https://www.pi-news.net -

Eroica 2.0

[1]Lieber Uli, als kleiner Bub hatte ich ein hellblaues Trikot, auf dem rechts über der Brust Dein Autogramm prangte. Ich weiß noch, wie stolz ich damals war, wenn ich damit Fußball spielen konnte. Die Schrift war weiß und auch ein kleiner Bub konnte gut lesen, was dort stand. Uli Hoeneß. Das war keine dieser besonders wichtigen Unterschriften, die mit ein paar schwungvollen Zacken ihren Urheber möglichst effektiv verbergen, um damit seine besondere Stellung herauszustreichen. Das war eine Unterschrift, die selbst ein kleiner Bub lesen konnte, eine Unterschrift wie von einem, der sich zu dem kleinen Bub herunterbeugt, ihn lustig anblitzt und ihn dann fragt, ob er mit ihm ein bisschen kicken will.

(Von Yorck Tomkyle)

Später hast Du dann ja eigentlich erst so richtig aufgedreht, aber Du bist bei allem der Typ geblieben, der Du für mich schon immer warst: ein Typ, zu dem man aufschauen konnte. Nicht, weil Du Erfolg hattest, sondern weil Dich dieser Erfolg nicht korrumpiert hat. Weil Du der Uli Hoeneß geblieben bist, dessen Unterschrift ich als Bub stolz auf meinem Trikot trug.

In den letzten Jahren warst Du einer der wenigen ständig in den Medien präsenten Menschen, der es noch wagte, offen konservative Positionen zu verteidigen, wo andere sich schon feige wegduckten. Du warst ein Konservativer im besten Sinne, einer, der die Werte lebte, die er oft so offensiv verteidigte.

Du warst eine der letzten Hoffnungen für alle wertkonservativen Bürger dieses Landes.

Und jetzt das. Uli, war das wirklich nötig?

Es ist nicht einmal das Delikt, was man Dir zur Last legt. Steuerhinterziehung, pah!

Jeder weiß, daß es hierzulande leichter ist, bei Tötungsdelikten (vor allem an Deutschen) mit einer Bewährungsstrafe davon zu kommen, als wenn man diesem Staat seine Beute vorenthält.

Einem Staat, der seine Bürger immer hemmungsloser ausplündert, während er die Beute an alle Welt verschleudert!

Einem Staat, der selbst noch in wirtschaftlich besten Zeiten Rekordschulden macht, weil seine Volksvertreter nicht nur nicht mit Geld umgehen können, sondern diesen geradezu vorsätzlich ausbluten lassen!

Einem Staat, dessen Regierung immer mehr von Solidarität faselt, je weniger sie diese denen gegenüber übt, die ihr das Land und dessen Zukunft anvertraut haben!

Einem Staat, dessen Regierende durch ihren verbrecherischen Umgang mit den Finanzen ein Delikt wie Steuerhinterziehung zunehmend wie einen Akt der Notwehr erscheinen lassen!

Steuerhinterziehung, Uli, da möchte man Dir fast zurufen, daß man Dich versteht!

Die Stimmung im Land ist nach Jahren des Schuldenmachens, der Finanz- und Schuldenkrisen anderer, für die wir trotz maximaler Undankbarkeit geradestehen müssen und des immer drastischeren Auspressens der Bürger derart frei von Illusionen über diese politisch-mediale Kaste, diese Ansammlung von schleimigen Mediokratieapparatschiks, daß die meisten Dich sogar verstehen werden.

In den Aufschrei, der jetzt durch das Land geht, mischt sich neben der erwartbaren Häme gescheiterter Neider [2] wahrscheinlich hauptsächlich der Frust darüber, daß die meisten Menschen es Dir nicht einfach gleichtun können.

Und dennoch, Uli, muß ich gerade an Beethoven denken, wie er da so sitzt und seine 3. Sinfonie komponiert, die er Napoleon widmen will.

Als der sich aber zum Kaiser krönen läßt, zerreißt er die Widmung mit den Worten „Ist der auch nicht anders wie ein gewöhnlicher Mensch!“

Schade Uli, daß es so enden muß mit uns beiden.

Beitrag teilen:
[3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10]
[11] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10]