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Roger Köppel über Margaret Thatcher

pope benedikt-thatcherThatchers Staatskunst zielt aufs Konkrete. Im Zentrum steht der Nationalstaat, den sie für die einzige handlungsfähige politische Organisationsform hält. An dieser Tatsache habe auch die Globalisierung nichts geändert. Staaten würden aufgrund von Interessen handeln. Humanitären Zwecken und ethischen Zielen in der Politik misstraut sie ebenso wie allem Internationalistischen und Kollektiven…

… Freies Unternehmertum und Schutz des ­Eigentums sind die Säulen des Wohlstands. Heftige Regulierung und hohe Steuern ­würden Wohlstand vernichten. Vom Versuch, die Wirtschaft sozialdemokratisch einzuhegen, hält sie gar nichts: «Je grösser das Stück ist, das die Regierung beansprucht, desto ­kleiner ist der Kuchen für alle anderen.»

Die erfolgreichsten Volkswirtschaften hinsichtlich Wachstum, Pro-Kopf-Einkommen und neuer Arbeitsstellen seien jene, bei denen die öffentlichen Ausgaben, gemessen am Volkseinkommen, tief seien: «Sobald wir zugeben, dass öffentliche Ausgaben mehr sind als ein notwendiges Übel, haben wir die Kernwerte der Freiheit bereits aus den Augen verloren.»

Gesellschaften, die erfolgreich sein wollen, dürfen den Leuten keine Anreize geben, nicht zu arbeiten. Man muss zuerst für seinen ­eigenen Lebensunterhalt sorgen können, ­bevor man eine Familie gründet oder sich um andere kümmert.

Aus diesem Zusammenhang stammt eine ihrer umstrittensten, weil oft falsch zitierten oder aus dem Zusammenhang gerissenen Formulierungen: «Ich glaube, wir gehen durch eine Zeit, da zu vielen Menschen das Gefühl gegeben wird, dass, wenn sie ein Problem hätten, es die Aufgabe der Regierung sei, dieses Problem zu lösen.

‹Ich habe ein Problem – ich bekomme ein Darlehen.› ‹Ich habe keine Wohnung, die Regierung muss mir eine Wohnung geben.› Sie schieben ihr Problem auf die Gesellschaft. Aber, wissen Sie, es gibt nicht so etwas wie die Gesellschaft. Es gibt ­einzelne Frauen und Männer, und es gibt ­Familien. Und keine Regierung kann irgendetwas bewirken, ausser sie bewirkt es über Menschen, und die Menschen müssen zuerst für sich selber sorgen. Es ist unsere Pflicht, für uns selbst zu sorgen und erst dann für unseren Nachbarn… (Auszug aus dem Editorial der aktuellen WELTWOCHE! Das Foto ist vom Mai 2009 in Rom)