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Liebe Türken, alle Achtung!

Liebe Türken, wenn man sieht, mit welcher Wucht ihr gegen eine Regierung kämpft, die euch in die Finsternis zerren will: alle Achtung! Wir Deutschen sind leider völlig unfähig, uns gegen eine verbrecherische politische Clique zu wehren, die uns nach Strich und Faden belogen und betrogen, verkauft und verraten hat. Wir Deutsche sitzen alle nur herum und glotzen in die Röhre.

(Von Septimus)

Liebe Türken, ihr habt Mut, ihr steht zusammen, und ihr seid zur Stelle, wenn man euch braucht. Auch wenn wir Deutsche unter diesen euren Eigenschaften oft genug zu leiden haben – man muss vor euch doch auch den Hut ziehen. Ihr Türken hättet niemals hingenommen, was wir Deutsche seit Jahren zähneknirschend über uns ergehen lassen. Ihr hättet niemals tatenlos zugesehen, wie man euer Land mit dahergelaufenen Leuten überschwemmt, wie man euch Türken in euren eigenen Städten, in Istanbul, in Ankara, in Izmir, in Konya zu Minderheiten macht, wie man euer Rentengeld an andere Regierungen verschenkt, wie eure türkischen Kinder in der Schule von Fremden, deren Eltern sich in eurem Land ihr Geld verdienen dürfen, verprügelt und totgetreten werden, weil sie Türken sind – all dies begünstigt und stillschweigend geduldet von einer bösen Clique politischer Verbrecher an der Macht. Ihr hättet dieser kaputten Meute, die euch all das aufgezwungen hätte, längst die Hütte heiß gemacht. Ihr würdet euch gegen diese Leute erheben, ihr würdet ihnen den Laden auseinandernehmen. Und ihr wärt alle da: Ihr würdet aus dem ganzen Land mit Bussen kommen, um auf dem Taksim, am Kizilay, vor jedem Rathaus, vor jedem noch so kleinen Parteibüro, überall dort, wo die Täter sind, zusammenzukommen und Widerstand zu leisten: für die Zukunft eurer Kinder, für eure Rechte und für euer Land. Es wäre euch eine Ehrensache, dieses ganze verkommene politische Gesindel vom Hof zu jagen. Ihr würdet euren Kindern und Enkeln mit Stolz erzählen, wie ihr ihnen den Garaus gemacht habt. Und noch in hundert Jahren würde man eure Namen nennen.

Wir Deutsche sind leider feige und unfähig. Wir kriegen nicht mal einen Flashmob hin. Über Gejammer bei Facebook kommen wir nicht hinaus. Wenn man uns braucht, sind wir nie da. Unser Michael Stürzenberger steht jeden Samstag allein am Münchner Stachus. Die Schwester von Johnny K. lassen wir im Gericht auch allein. Kirchweyhe haben wir schon vergessen. Wir sitzen alle nur herum. Wir sitzen alle nur da und glotzen in die Röhre.

(Foto oben: Türken-Proteste gegen Erdogan auf dem Taksim-Platz in Istanbul)