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Münster: Salafisten kommen zum Gauck-Besuch

Ist der Islam reformfähig? Diese Frage führt mittlerweile zum offenen Streit zwischen liberalen und konservativen Islamvertretern (den der „Wahren Religion“), der seit einigen Wochen an der Universität Münster zum Ausbruch gekommen ist und in den nun auch die Uni-Leitung und die Landesregierung verwickelt sind. Bundespräsident Gauck, der sich ein Bild von den Fortschritten der Machtübernahme der Korangläubigen verschaffen möchte, macht daher am 28. November dem Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) und dessen umstrittenen Leiter, Mouhanad Khorchide, erstmalig seine Aufwartung. Ein Termin, der es ins sich hat, denn Promi-Prediger Pierre Vogel hat es sich nicht nehmen lassen, Khorchide mit seinem radikal-islamischen Salafisten-Team zum selben Termin auch seine Aufwartung zu machen! Bundespräsident Gauck wird sicherlich Gelegenheit geboten, an diesem interreligiösen Dialog teilzunehmen.

(Von Verena B., Bonn)

Vogel will Khorchide mit der Kundgebung, die in der Zeit von 15 bis 19 Uhr stattfindet, zu einer „Debatte“ herausfordern. Der Salafist wirft dem münsterischen Professor in einer Videobotschaft vor, den Islam „zu entstellen“. Er ruft alle Muslime auf, am Donnerstag nach Münster zu kommen.

Der Donnerstag wird daher zum Großeinsatztag für die Polizei. Die Vertreter der wahren Religion haben am Nachmittag eine Kundgebung am Hanse-Carré angemeldet – nur knapp 200 Meter vom Rathaus entfernt, wo sich der hohe Gast aus Berlin in das Goldene Buch der Stadt eintragen wird.

Die Polizei rechnet mit 500 Teilnehmern. „Sie werden sich aber nicht von der Stubengasse wegbewegen. Das wird kein Demonstrationszug“, betont Münsters Polizeisprecher Roland Vorholt. Es werde kein direktes Aufeinandertreffen geben. Die Kundgebung sei unter dem Schutz des Versammlungsrechtes angemeldet worden.

Aufgrund der radikalen Thesen des deutsch-islamistischen Vogel ist auch das Bundeskriminalamt alarmiert, das für die Sicherheit des Bundespräsidenten verantwortlich ist. „Uns sind allerdings keine Anhaltspunkte bekannt, dass es wegen der interreligiösen Debatte zu Problemen kommen wird“, betont Vorholt.

Trotzdem steht der Gauck-Besuch in Münster angesichts des schwelenden islamischen Religionsstreits und der nun bekannt gewordenen Salafisten-Kundgebung inzwischen unter keinem guten Stern mehr.

Wir wünschen Herrn Gauck einen schönen Tag und sind gespannt auf die Ergebnisse der interkulturellen Arbeitsgruppe.