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Leugnet Integrationsministerin Bilkay Öney Völkermord an den Armeniern?

Bilkay ÖneyFür manche türkischen Politiker ist die baden-württembergische Ministerin Bilkay Öney von der SPD (Bild) eine „türkische Schwester, die die Türkei in Deutschland sehr gut vertritt.“, (Pi berichtete). Ist es für Öney deshalb davon abhängig ob sie vor Türken oder vor Deutschen spricht, wenn es um die Benennung des Genozids an den Armeniern durch das osmanische Reich während des ersten Weltkriegs geht?

Die Stuttgarter Nachrichten berichten:

Historiker sind sich weitgehend einig, dass die Türken an den Armeniern in den Jahren 1915 und folgende einen Völkermord verübten. Der türkische Staat wehrt sich allerdings bis heute gegen den Begriff. [..]

Gleich zu Beginn ihrer politischen Karriere musste sich Öney mit dem Thema auseinandersetzen: Bei einer Kandidatenbefragung vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wurde sie 2006 nach ihrer Meinung dazu gefragt und sie äußerte sie in dem Sinne, dass es auch nach ihrer Ansicht ein Massenmord gewesen sei. Tags darauf war sie ihren Job beim staatlichen türkischen Fernsehsender TRT los.

Kurz darauf wurde Öney von einer nationalistisch gesinnten türkischen Journalistin in Berlin interviewt. Ein Ausschnitt davon kann man seit Juni 2012 im Internet auf der Plattform Youtube anschauen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Lasotta hat sich das Gespräch übersetzen lassen – und sieht sich in seinem Vorwurf bestätigt, dass Öney in der Türkei oft anders redet als in Deutschland.

In dem Interview sagt Öney laut der Übersetzung, dass sie „sehr wenig“ von der Geschichte der Türkei verstehe und eigentlich „kein Recht“ habe, auf die Türkei mit dem Finger zu zeigen. Aber als deutsche Politikerin habe sie nicht die Möglichkeit zu sagen, dass sie den Vorwurf des Massenmords nicht akzeptiere. Sonst wäre sie, so sagt sie sinngemäß, nicht Abgeordnete geworden und könnte dann nicht „die Türken erklären“. Damit die Türkei ein besseres Image in der Frage bekomme, müsse man vielleicht das Spiel nach den Regeln der Deutschen spielen – „so wie ich es gemacht habe“.

Der Zentalrat der Armenier fordert nun in einer Pressemitteilung eine eindeutige Stellungnahme von Öney:

„Die Integrationsministerin Öney soll Farbe bekennen und öffentlich mitteilen, ob sie den Genozid an den Armeniern nun anerkennt oder nicht.“, erklärt Madlen Vartian, stellvertretende Vorsitzende des ZAD. „Es stellt sich die Frage, ob sie nach den Reflexen türkischer Nationalisten agiert oder eine verantwortungsvolle Integrationspolitik gestalten möchte, in der eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, sowie eine Abkehr von nationalistischen Selbstbildern gefordert und gefördert werden.“

Zum Gedenken an den Völkermord finden heute in Berlin „Erinnerungspolitische Mahnwachen und zweiter Mahngang gegen Genozid und Minderheitendiskriminierung“ von Armeniern, Aramäern und Pontos-Griechen statt.