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Warum Pirinçci in keine Talks eingeladen wird

Nach sage und schreibe drei Vorgesprächen, die summa summarum zweieinhalb Stunden gedauert haben, hat mich heute die Redaktion des SWR-Talks „Das Nachtcafé“ wieder ausgeladen. So wie vorher Günther Jauch und 3nach9 in den letzten Wochen. Das Lachhafte und Peinliche immer ist, dass dabei so getan wird, als hätte ich bei denen angerufen und sie gefragt, ob ich bei ihnen unbedingt auftreten darf, und die Knallköpfe dort hätten nächtelang hin- und herüberlegt und sich schließlich gegen einen Auftritt von mir entschieden. Das Gegenteil war jedoch stets der Fall.

(Von Akif Pirinçci*)

Das Pirinçci-Dilemma für diese Talk-Heinis sieht folgendermaßen aus: Da hat jemand mit seinem Buch explosionsartigen Erfolg, sämtliche Medien berichten über das Werk in hyperventilierender Manier, der Typ nimmt kein Blatt vorm Mund, ist durchgeknallt und lustig, und jetzt kommt’s, er besitzt zu allem Überfluss auch noch migrantische Wurzeln – „Also wenn der nicht gegenwärtig das heißeste Talk-Baby ist, dann weiß ich auch nicht mehr“, sagt sich die Redaktion, ruft bei mir an und lädt mich in die Sendung ein. Ein Vorgespräch findet statt, und da beginnen die ersten Zweifel…

Dass der Durchgeknallte ein paar nicht jugendfreie Bemerkungen fallen lässt, ist gar nicht mal so schlimm. Bei Charlotte Roche hat man Schlimmeres über sich ergehen lassen, einschließlich Nillekäs und Stinkeschweiß in der Arschritze. Aber, und das ist echt Oberscheiße, der Typ ist überhaupt nicht links und auch nicht grün wie die Charlotte, ja, nicht einmal richtig rechts oder konservativ. Selbst den Sarrazin und Hans-Olaf Henkel kann man in eine Talkrunde „integrieren“, ohne dass es groß auffällt, denn schließlich gehören sie irgendwie zum System. Sie haben Ämter und Industrieposten bekleidet, und sind jetzt in Ehren gealterte Konservative, die trockenes konservatives Zeug von sich geben. Das ist zwar nicht schön, aber immerhin tragen sie Anzüge.

Aber der Pirinçci… Wenn der die Grünen als eine Kindersexpartei bezeichnet, dann meint der das auch so. Noch schlimmer, das kommt beim Zuschauer auch so an! Und überhaupt redet er haargenau so, wie er die Dinge in seinem Buch auch dargestellt hat, und nimmt überhaupt keine Rücksicht auf die Talk-Etikette. Am Ende ist er ein Anarchist. Am Ende wiegelt er durch seine Frechheit und Worte die Leute auf, und alle stürmen aus ihren Häusern und brennen ganze Straßenzüge nieder. Der Typ ist so schizo, dass er in den Vorgesprächen mit einem Angestellten des öffentlich-rechtlich Rundfunks detailliert erklärt, weshalb es für alle besser wäre, wenn man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffte. Tja…

Liebe Fernsehmenschen, wenn ihr mich demnächst wieder zu einer Talkshow einladet, möchte ich gleich am Anfang eine Zusicherung von euch, dass nicht zwei Tage später wieder eine Ausladung erfolgt. Ich kann wegen euch nicht andauernd meinen Terminkalender manipulieren. Ich bin nämlich auch so begehrt. Zudem wird es auch keine Vorgespräche mehr geben. Entweder nimmt ihr mich so, wie ich bin, oder ihr lasst es. Das Buch verkauft sich auch so sensationell. Brauche euch echt nicht. Haben wir uns verstanden?

*Dieser Text ist am 22.4. im Original unter dem Titel „Das Pirinçci-Dilemma“ auf Akif Pirinçcis Facebook-Seite erschienen