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Kulturkampf im Steinzeit-Islam

bamiyanIn Nahost und der arabischen Welt tobt ein Kulturkampf des Steinzeit-Islams. Jede Darstellung eines Menschen ist Gotteslästerung und wird gesprengt. Einige Beispiele:

In Ägypten und Tunesien zerstörten radikale Salafisten mindestens 70 Sufi-Stätten. In Libyen demolierten die Eiferer reihenweise islamische Heiligtümer, Friedhöfe und römische Statuen, darunter auch die Moschee in Zlintan, wo ein Sufi-Gelehrter aus dem 15. Jahrhundert verehrt wird. Die Täter wollten den Heiligen exhumieren, ihn an geheimer Stelle verscharren, um seine Anbetung unmöglich zu machen. Fünf Meter tief wühlten sie sich in den Boden unter dem Sarkophag, sterbliche Überreste fanden sie nicht. Im malischen Timbuktu, der legendären Stadt der 333 Heiligen, brandschatzten Gotteskrieger die Hälfte der 16 Sufi-Mausoleen, die zum Unesco-Welterbe gehören. Im Irak machten die IS-Fanatiker bisher 50 islamische Gotteshäuser dem Erdboden gleich.

Besonders gefährdet sind die vorislamischen Schätze Syriens und Mesopotamiens. Statuen und Mosaike werden gezielt zertrümmert, andere Exponate dagegen geschont und verkauft, um die Kriegskasse zu füllen. In Syrien plünderten die Islamisten das Museum von Raqqa, wo sie ihr Hauptquartier haben. Mit der geraubten Kunst treiben sie schwunghaften Handel, welche trotz aller beschwörenden Warnungen der Unesco auf dem skrupellosen internationalen Schwarzmarkt reißenden Absatz findet. Laut einer internen Buchhaltung, die dem irakischen Geheimdienst vor dem IS- Feldzug gen Bagdad in die Hände fiel, brachte der Antikenfrevel den Dschihadisten allein in der Region Al-Nabuk westlich von Damaskus 36 Millionen Dollar ein, von delikaten Gläsern bis zu Bronzeschwertern, von Reliefs bis zu Marmorstatuen, darunter Stücke, die mehr als 8000 Jahre alt waren. Da Plünderer und örtliche Mittelsmänner nach Angaben westlicher Experten in der Regel zwischen zwei und 4,5 Prozent des internationalen Verkaufspreises erhalten, beläuft sich der Schmuggelwert schon aus dieser einen syrischen Gegend auf mindestens 800 Millionen Dollar.

Im irakischen Machtbereich des vor vier Wochen ausgerufenen „Islamischen Kalifates“ gibt es allein in der Region Mosul etwa 1800 archäologische Fundstätten, darunter vier Hauptstädte der assyrischen Epoche sowie 250 Kulturbauten des Altertums. 100 Kilometer südlich liegen die gut erhaltenen Reste der antiken Stadt Hatra aus der Partherzeit, die ebenso zum Unesco-Menschheitserbe gehören wie die Tempelanlagen von Assur. Dem verängstigten Personal des Nationalmuseums von Mosul kündigten die bewaffneten Besucher bereits an, die ausgestellten antiken Statuen seien gegen den Islam und sie warteten nur noch auf eine Fatwa ihres Kalifen Abu Bakr al Baghdadi. In ihrer 20-Punkte-Charta für die Stadt dekretierten die neuen Herren bereits, alle Statuen seien „falsche Götzen“ und würden zerstört.

Die Fotos zeigen Bamiyan vor und nach den Taliban! (Siehe Tagesspiegel mit Links!)