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Die Kreuzbergpredigt

image[…] Wenn Jesus heute wiederkehrte, würde er, glaube ich, an einem Dezemberabend auf den Kreuzberg steigen, um von dort aus der Hauptstadt und dem ganzen Land die folgende Adventsbotschaft zu verkünden:

1. Seid freundlich und hilfsbereit zu denjenigen unter den Zuwanderern, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. Allen anderen macht klar, dass sie in ihren Heimatländern etwas aufbauen und bewirken können, während sie hier mehrheitlich nicht gebraucht werden, sondern am Rande der Gesellschaft von Sozialleistungen werden leben müssen.

2. Haltet Abstand zu denen, die die vielfältige, an Zwischentönen reiche Wirklichkeit in schwarz und weiß, in hell und dunkel einteilen und Menschen gegeneinander aufbringen, aus welchen guten Absichten auch immer. Ihr wisst doch: Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.

3. Folgt denen nicht, die euch aus eigennützigen Motiven einreden wollen, ihr wärt schuld am Elend der ganzen Welt. Vergesst nicht, dass ich eure Schuld auf mich genommen habe! Jeder Mensch begeht Fehler – das liegt in seiner Natur – aus denen er möglichst lernen sollte. Vertraut daher euren eigenen Gefühlen, artikuliert Wünsche wie Ängste, ohne euch von ihnen beherrschen zu lassen. Lebt euer Leben in verantwortlicher Weise, aber voller Freude. Denn ihr habt auf Erden nur dieses eine!

(Schlussteil eines sehr lesenswerten Artikels von Oliver Zimski auf der Achse des Guten: „Falsche Propheten – Die Kirchenführer in der Flüchtlingskrise“)