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Der Staat schafft sich noch vor Deutschland ab

Von Wolfgang Hübner | Welche Bedeutung sich ein Reich oder ein Staat selbst zumessen, war schon immer auch und nicht zuletzt an den Trauerzeremonien nach dem Tod einer Herrscherfigur oder eines besonders bedeutenden Politikers zu erkennen. Helmut Kohl, trotz aller nur zu berechtigten Kritik an einigen seiner folgenreichen Entscheidungen, war der „Kanzler der Einheit“. Es genügt die Vorstellung, 1989 wäre statt Kohl der Honecker-Freund Oskar Lafontaine Kanzler gewesen, um zu erahnen, dass es damals ganz anders hätte verlaufen können. Und auch wenn die Wiedervereinigung gewiss nicht ausschließlich der Verdienst Kohls war – gleichwohl hat er damals die einmalige historische Situation erfolgreich genutzt.

Streiten wir uns also nicht um Kohls Leistung, die selbst seine Gegner und Kritiker nicht leugnen sollten. Der alte Mann ist nun nach langem Leiden verschieden, die Witwe, die wohl mehr eine Pflegerin war, streitet erbittert mit dem Sohn. Das ist unerquicklich, aber aus der Menschheitsgeschichte alles andere als unbekannt. Doch ganz neu in der internationalen Historie ist die geradezu unglaubliche Tatsache, dass der Staat, der unter Kohls Kanzlerschaft die von so vielen Deutschen bereits abgeschriebene Wiedervereinigung feiern konnte, sich unfähig und unwillig erweist, diesen Politiker mit einem Staatsakt zu ehren.

Kohl gehört für den Tag des Abschieds dem Volk dieses Staates

Es mag ja sein und wäre keineswegs unverständlich, wenn Kohl verfügt hätte, ihm noch als Leiche geheuchelte Trauerreden von solchen Gestalten wie seiner heimtückischen Verräterin Angela Merkel und dem drögen Parteibürokraten Steinmeier zu ersparen. Aber dieser Tote gehört aufgrund seiner historischen Bedeutung weder seiner Witwe noch seinen Angehörigen und noch nicht einmal sich selbst allein – er gehört für den Tag des Abschieds auch dem Staat und dem Volk dieses Staates.

Der Staatsakt, der deshalb notwendig ist, ist keineswegs nur ein Trauerzeremoniell, sondern in diesem Staatsakt symbolisiert sich die Existenz des Staates und des diesen tragenden Volkes selbst. Wenn aber die derzeitigen Repräsentanten und Entscheidungsträger des deutschen Staates – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr willig oder fähig sind, den „Kanzler der Einheit“ mit einem Staatsakt zu ehren, dann zeigen sie damit in aller Deutlichkeit: Dieser Staat ist nicht nur bereit zur Selbstabschaffung, er schafft sich vor den Augen der ganzen Welt selbst ab.

Als Toter zum Beweis der Selbstabschaffung Deutschlands

Dieser spektakuläre Akt der Selbstabschaffung ist zwar weniger folgenreich, aber nicht weniger bedeutsam wie die gewollte Unfähigkeit zum Schutz der eigenen Grenzen, die Zulassung einer Invasion kulturfremder Massen, die gewollte Unfähigkeit zur Abschiebung von Asylbetrügern und Kriminellen, die Hinnahme der Islamisierung, die eifrige Förderung und jederzeitige Bereitschaft zu nationalem Masochismus im Interesse der Außenhandelsbilanz.

Es wird zwar noch eine Weile dauern, bis sich Deutschland, verblendet von materiellem Wohlstand und moralischem Imperialismus, abgeschafft haben wird. Doch der deutsche Staat geht mit seiner Abschaffung voran. Helmut Kohl mag daran nicht ganz unschuldig sein, doch der „Kanzler der Einheit“ hätte Besseres verdient als noch als Toter zum Beweis dieser Selbstabschaffung zu dienen.